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Der Israelit · 1903-05-11 · Heft 36 (11.5.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 36 (11.5.1903)
Date
1903-05-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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det sich zum freien Gebrauch aller Gemeindemitglieder die vorschriftsmäßige Badeanstalt, die eine prachtvolle, luxuriöse Ausstattung aufweist. Ein großer, im Schmucke von blühenden Sträuchern und Vaumalleen prangender Garten, verbindet die verschiedenen Gebäude, untereinander. Im Keller des Administrationshauses befindet sich ferner eine Niederlage der Exportgesellschaft für Palästina-Weine, die sich großer Nachfrage und dementsprechend guten Absatzes erfreuen. Eine wie große Lücke dieses segensreich wirkende Werk ausfüllt, ist schon jetzt gut zu erkennen. Wird es aber auf eine mehrjährige Thätigkeit zurückblicken, dann ist es erst ersichtlich, zu welcher Wohlthat es geworden ist, sowohl an den einzelstehenden Insassen, als auch' ganz besonders an den Familien, die in ihm einen Schutz und eine Zuflucht gefunden haben, gegen die Mühsale der Welt, an dem diese sehen, wie warm und theilnehnnnd man um sie besorgt ist. — JnRanders starb dieser Tage der Prediger Herr Dr. Wreschner Nach fast 40 jähriger Wirksamkeit an diesem Platze. — In der Provinz wohnen vielleicht noch zwei Familien, die bald hierher ziehen werden. — In unserer Stadt erfreut sich Herr Dr. Goithein allgemeiner Beliebtheit, denn durch seine jetzt 6jährige Wirksamkeit er den Beweis erbracht, daß er sowohl als Lehrer wie auch als Prediger alle Eigenschaften besitzt, die ihn befähigen, die echte n nn n;»» zu verbreiten. PH. E. Feuilleton. Jerusalem. Historische Vv;ätzlung von Jsqae Breuer—Frankfurt a. M. 31 Der Erzbischof von Canierbury bemerkte es und hochauf reckte sich seine Gestalt und er rief mit dröhnender Stimme: „So vernimm' denn genau, was ich sage und merk' Dir's für alle Zeiten! Da ihr in Eurem Lande noch wohntet, da» dientet Ihr häufig den Götzen und verübtet die größten Gräuel. Da brachte Euer Gott den Feind über Euch, er bedrückte Euch, sodaß Ihr Euch bessertet^ Und sobald Ihr zu Gott wieder schautet, da war auch die Rettung schon da. Nun seid Ihr verjagt über die.Erde. Nun seid Ihr frömmer als je, wie Du ja selbst es gesagt. Aber furchtbarer auch als je sind die Lüden, die Ihr nun erduldet. So ist entweder erlogen, was Du gesagt: dann treffen Euch die Leiden, weil Ihr Eurem Gotte nicht dient, und wir müssen Euch weiter quälen, bis (Suet Herr Euch für fromm genug findet^— oder aber die Leiden treffen Euch, weil Ihr eben fromm seid, weil Ihr noch immer einem Glauben angehört, den der Herr haßt, seit Er den Stifter der christlichen Religion gesendet: Dann'müssen wir Euch erst recht quälen, bis Ihr aufhört, Ketzer zu sein. So hebt Euch binweg von hier, denn Ihr seid die Boten eines verachteten, elenden und ketzerischen Volkes. . Gifthauch ist Euer Athem, nicht dürft Ihr den König mehr schauen!" Also sprach Erzbischof Balduin und setzte sich kalt auf den Ehrensitz neben den König. Richard schwieg. Reizender als je glitzerten die Judenringlein und immer begehrlicher wurde fein Herz. Er hätte am liebsten freundlich zu den Juden gesprochen und ihr Gold genommen. Balduin merkte es. Sein Gesicht verzerrte sich zu einem häßlichen Grinsen. Leise, aber scharf flüsterte er dem König in's Ohr: „Die Ringlein der Ketzer sind nicht verboten." Das entschied. Kalten Tones erklärte Richard, er könne sie hier nicht empfangen, aber im übrigen werde er sie thunlichst schützen. Und die Juden ließen die Ringlein im Saale und schütten schweigend hinaus^ Des Königs Antlitz heiterte sich wieder auf. Blonde! begann wieder zu singen, daß die Ritter muthig dreinschauten und in den Schoß die Schönen. Da ertönte plötzlich ein furchtbares Wehgefchrei. markerschütternd und zerreißend, dann ein Lärm wie von brechenden Schädeln und fallenden Leichen. Dan'n wurde es still, ganz still.-- Schrecken durchfuhr die Versammlung. Blonde! verstummte und König Richard sprang, die Hand am Schwerte, vom Throne empor. Er entsandte den tapfersten seiner Ritter, Ranulph de Granville, uin die Ursache des Lärmes zu erkunden. Alle warteten in höchster Spannung auf seine Rückkehr. Aber kalt wie das Berhängniß saß Balduin von Canterb'ury auf seinem Ehrenplätze und spielte gleichgültig mit dem blinkenden Abzeichen auf seiner Brust. Endlich kehrte Ranulph de Granville zurück. Er brachte schaurige Märe. Draußen vor dem Thore versah die Wache Robert de Gourdon, der als grimmiger Judenhasser bekannt war. Als dieser die Gesandten der Juden bleich und zitternd aus de'm Saüke wiederkehren sah. erkannte er, daß sie abgewiesen worden waren. Darin sah er die Erlaubniß, über sie herzufollen. Er hetzte seine Kriegsknechte auf dieselben, und zwischen diesen und den Juden entstand ein erbitterter Kampf. Die Juden wehrten sich, so gut sie kennten. Aber alle blieben schwerverwundet oder todt auf dem Platze, bis auf einen, einen starken Mann, der

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