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Der Israelit · 1903-05-11 · Heft 36 (11.5.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 36 (11.5.1903)
Date
1903-05-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Thätigkeit als Chefarzt, worauf die Versammelten das ebenso praktisch erbaute, als sorgfältig eingerichtete Hospiz in allen seinen Dheilen besichtigten. F r a n r r e i «L> Paris, (Senator Raynal.) Der Senator und ehemalige Minister Raynal ist hier gestorben. David Raynal wurde 63 Jahre alt. In Paris geboren, entstammte er einer jüdischen, in Bordeaux ansässigen Weinhändlerfamilie, und auch er ergriff den Beruf seines Vaters und etablierte sich in Bordeaux als Wein- Händler. Im Jahre 3877 entsagte er dem kaufmännischen Berufe und wandte sich d'er Politik zu. Er wurde in die Kammer gewählt, wo er seinen Sitz auf der republikanischen Linken einn'ahm und sich eng an Gambetta anschloß. 1880 wurde er ckls Ünterstaatssekretär in das Ministerium der öffentlichen Arbeiten im Kabin'et Freycinet berufen. Im folgenden Jahre übertrug ihm Gambetta das Portefeuille der öffentlichen Arbeiten, das er bis gegen Ende des Jahres 3.882 verwaltete. Ferry berief ihn 1885 in gleicher Eigenschaft in sein Kabinet, dem er bis Ende 1885 angehörte. Zu wiederhcltenmale war Raynal dann Mitglied der Budgetkommission. IN der Kammer wurde er Führer der gemäßigten Linken, und als solcher 1893 unter Casimir Perier Minister des Innern. Im Januar 1897 wurde Raynal zu'm ersten Male von der Gironde in den Senat gewählt. Rußland. Moskau. Zur vielfach in der Presse gerügten Fahnenflucht der Juden ergreift der „Woschod" das Wort und versucht den Nachweis zu führen, warum die Zahl der sich der Wehrpflicht entziehenden Juden eine so sehr große ist. Der „Woschod" behauptet nämlich, daß die hohe Zahl der fahnenflüchtigen Juden eine rein fiktive und nur darauf zurückzuführen sei. weil die jüdischen Standesbücher furchtbar nachlässig geführt werden, und weil ein und dieselbe Person bei ihrer Geburt und ihrem Tode unter verschiedenen Namen eingetragen werden. Außerdem lieben es die Juden, ihre Namen durch christliche zu ersetzen oder ihre biblischen Namen in den mannigfachsten Variationen abzuändern. So lauten die Variationen des Namens Isaak: Jzak, Jzig. Jze, Jzel. Jzele, Jzko, Aistk, Aisele, Aisko; für den Namen Abraham sind folgende Abkürzungen gebräuchlich: Abramke, Abremke, Abramel, Abremele, Mrascha, Abe, Abele, Abusch, Abke. Nun kommt es leider allzu oft vor, daß eine Person, die in den Siandesregistern mit dem biblischen Namen Isaak eingetragen ist. bei ihrem Tode mit irgend einem abgekürzten Namen verzeichnet wird. Dadurch ergeben sich für die jüdische Bevölkerung sehr unangenehme Konsequenzen, denn es ist schwer nachzu'weisen, daß der im Mai 3881 geborene Isaak, der zehn Jahre später als Jzke gestorben ist, trotzdem aber in den Aushebungslisten als Isaak figurirt, ein und dieselbe Person ist. Kiew. Der im Kriege gegen die Türken so siegreiche General Dragomiro'w erleidet in den Kämpfen, die er in seiner Eigenschaft als General-Gouverneur von Kiew und enragirter Antisemit gegen die Juden führt, eine Niederlage nach der andern. Das neueste Bravourstückchen des tapferen Generals war die Schließung von 16 Synagogen in Berditschew. Me betreffende Verfügung wurde bereits im Januar 1903 erlassen und syllte im Mai d. Js. in Kraft treten. Tie Vorstände der bedrohten Synagogen setzten sich aber mit vereinten Kräften zur Wehr und wiesen beim Senat nach, daß die von ihnen geleiteten Bethäuser bereits länger als 40 Jahre bestehen. Der Senat befahl nun 'dem General-Gouverneur von Kiew, den Berditschewer Juden ihre Synagogen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit unterließ es der höchste russische Gerichtshof nicht, den tapferen General energisch zurech'tzuweisen und ihn darauf aufmerksam zu machen, daß die Schließung von Synagogen nicht seine Sache, sondern die Sache des Richters sei. . Dänemark. Kopenhagen, 6. Mai. Die hiesige Gemeinde erwarb voriges Jahr eine Reihe Häuser, um darin die Bureaus der verschiedenen Zweige der Gemeindeverwaltung, die Freiwohnungen, die Annen- und Altenheime und andere Wohlthätigkeitseinrichtungen unterzubringen. Da diese Gebäude jedoch allein nicht h'inreichten, hat in anerkennenswerter Weise der Gemeindepräses, Herr Staatsrath Vänkdirektor Glückst«dt, die Väukichkeiten, die zur Vervollständigung des Komplexes nöihig waren, angetanst und zu'm Selbstkostenpreise an die Gemeinde weitergegeben. Der Vorstand ließ die Mehrzahl derselben niederreißen und an deren Stelle zweckmäßige, neue Häuser setzen, sodatz die Amtswohnungen, die Stiftungsgebäude u. s. w., die bisher in allen Theilen der Stadt zerstreut lagen, nunmehr an einer Stelle vereinigt sind. Die großen Vortheile dieser Einrichtung vermag Man erst jetzt zu überblicken und gebührend zu schätzen. Das Hauptgebäude, ein ehemaliges adliges Palais, wurde nicht umgebaut, sondern nur von Gtund aus restaur'irt. Es enthält die vollständige, überaus reichhaltige Bibliothek nebst Wohnung des Bibliothekars, das Lesezimmer, in welchem die meisten jüdischen Zeit- und Wochenschriften-auflie'gen. den Festsaal, den Sitzungssaal für die Repräsentanten der Gemeinde, das sogenannte „Museum", ein Waisenheim, das unter der Leitung tüchtiger Schulmänner steht, und endlich eine große Küchen-Anstält. die sowohl die W'gisen.als auch die Bewohner der umliegenden Freiwohnungen mit vorzüglichem Essen versorgt. Die eben erwähnten Freiwohnungen sind für etwa 40 Familien bestimmt, von denen jede 1—3 Zimmer innehat. Elektrisches Licht, Zentralheizung, Wasserkkosets u. s. w. vervollständigen die Einrichtung dieses Musterhauses. Im Keller befin-

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