Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 36 (11.5.1903)
- Date
- 1903-05-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449924--58199-2522562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ÖUU noch eine weitere schone Perle verherrlichte 'das musterhafte Leben I. Dingfelders. In vereinter Kraft mit seiner vor 3x/2 Jahren im Tode ihm vorangegangenen gotkesfürchtigen Gattin, erzog er seine Kinder so. daß das elterliche Haus — eine Gottesstätte — dieselben in ihrer religiösen Führung befestigte und vor dem verderblichen Ansturm der Außenwelt sicher stellte. Möge beim Vater Äer Barmherzigkeit das rrm dieser crrra Dt2Wn e’sraun Geliebten und Theuren, die da waren pxi 1122 w-ixai Hp DJip „leichter als Adler und muthiger als Löwen, um den Wille'n ihres Schöpfers zu vollführen, den trauernden Hinterbiebenen, deren Verwandten und dv zum Guten gedacht und zuM dauernden Tröste werden! pnct nw 22H. Oesterreich. . Wie». (U n f e r e P a t r r z i e r.) Eine Affäre, in d'er Erbrecht und Taufe in etwas eigenartiger Weise durcheinander gehen, ist dieser Tage in Men zur endgiltigen richterlichen Entscheidung gebracht worden. (Mr haben wiederholt über diese Sache und ihren Verlauf berichtet. Red. d. „Jsr.") Der am 8. April v. Js. verstorbene Großgrundbesitzer Philipp Freiherr von Schey hatte in fernem Testamente bestimmt, daß er seinen beiden Neffen Viktor und Paul je 200,000 Kr. vermache, daß sie aber dieser Erbschaft verlustig gehen, wenn sie vom Judenthume abfallen. Viktor von Schey, der zahlreiche Schulden hatte, ließ sich, als seine Gläubiger zur Bezahlung drängten, zwei Tage nach dem Tode des Oheims in Köln taufen. Einige Gläubiger glichen sich nun mit 40—50 Prozent aus, andere aber die zusammen an 100,000 Kronen zu fordern hatten, betraten den Klageweg und fochten die Taufe als ihnen gegenüber rechtsunwirksam an. Das Landgericht gab dieser Klage Folge und das Qberlandesgericht bestätigte dieses Urkheil. Nunmehr ist in dieser interessanten Rechtsfrage das oberstgerichtliche Urkheil gefällt worden, welches lautet, der Revision wird keine Folge gegeben. In der Begründung heißt es, das Prozeßgericht Hab; die Ueberzeugung gewonnen, daß sich Viktor von Schey taufen ließ, um seine Gläubiger zu schädigen, gegen diese freie Ueberzeugung und Feststellung sei eine Revision nicht zulässig. Was ferner die Frage anlangt, ob eine Taufe eine überhaupt anfechtbare „Rechtshandlung" bilde, was die Revision bestreitet, habe das Gericht mit Recht diese Frage bejaht, weil diese Taufe vermögensrechttiche Wirkungen hervorzurufen geeignet war. Was endlich den angeblichen Eingriff in die Rechtssphäre des Testators ankangt. so sei zu erwägen, daß die Testamentsbestimmung, welche den Religions- Wechsel mit dem Verluste aller dem Erben zugedachien Vortheilr bedroht, in voller Krafi aufrecht erhalten bleibt, daß aber hierdurch die erworbenen Rechte Dritter ebensowenig beeinträchtigt werden können, als es der Fall Ware, wenn Viktor Schey in anderer Weise sich zu Gunsten Dritter der ihm aügefallenen Werthe cntäUtzert hätte. Karlsbad, 6. Mai. Die feierliche Eröffnung des neuerbauten „Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Hospiz für arme Israeliten in Karlsbad" farkd dieser Tage statt. Es wird darüber aus Karlsbad Folgttüws berichtet: Das im großen Styl in der Bellevuestraße erbaute Haus, welches schon in weiter Ferne durch seine imposanten Dimensionen ersichtlich wird, ftfar mit Fahnen in österreichischen Farben geMnückt. In dem großen Festsaal, der auch als Speisefaal dient, hatten sich eingefunden: In Vertretung der Regierung Bezirkshauptm'ann Skatkhaltereirath v. Maurig, in Vertretung des Stad'traths von Karlsbad Bürgermeister Schäffler und Stadtrath Pleschner, ferner Oberst D a l m a t a mit zahlreichen Stabsoffizieren, Ober- Postverwalter Bittner nrtt Stellvertreter, Landesgerichtsrvth Hohne!, Kultus-Präsident Moser mit seinem Stellvertreter Rosenfeld, Rabbiner Dr. Ziegler, Erbauer des Hauses Banrath Mlh. Stiaßny aus Wien, der Karlsbader Stadtbaumeister Walbert. der gefaMmte BorffckUd der K'ultusgemeinde und eine große Anzahl von Festgästen. Nach Abstngung des Chores „Die Ehre Gottes" von Beethoven durch den Tempelchor wurde die Feier durch eine Ansprache des Architekten Bauraths S t i a ß n v eröffnet, der nach einem kurzen Abrisse der Baugeschichte dem Stadtrath und Bürgermeister für die Werktätige Unterstützung des Baues dankte und seinen Mitarbeitern herzlichsten Dank sagte. Mt dem Wunsche, daß das Haus durch eine lange Reihe von Jahren seinem gemeinnützigen Zweck entsprechen möge, schloß Baurakh Stiaßny unter lebhaftem Beifalle seine Rede. .Kultusvorstand Moser gab nunmehr eine detaillirte Geschichte der Gründung des Instituts, dankte den Wohlthatern und dem um das Zustandekommen des Baues besonders verdienten Rabbiner Dr. Ziegler, ferner dem Architekten Baurach Stiaßny für das gelungene Werk, das eine Zierde der Stadt bilde, und schloß mit einem dreifachen Hoch aus den Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Hieraus führte Rabbiner Dr. Ziegler aus, daß die Nächstenliebe das sichtbarste Zeichen der Religiosität fei, und von der jüdischen Religion nicht als Gnade, sondern als Pflicht angesehen werde. Besonders sei es die Pflicht dieses Kurortes, welcher der Vorsehung allein seinen Segen verdankt, in der Nächstenliebe sich zu betätigen. Daß die Kultusgemeinde dieser Pflicht genügen konnte, dankt sie den Wohlthatern. die große Opfer für die Errichtung des Hauses gebracht haben. Dr. Ziegler sprach zum Schlüsse ein Gebet für den Kaiser, für die Wohlthäter, für den Erbauer des Hauses und für dieses selbst. Nunmehr hielt Primarius Dr. Rosenfeld eine . programmatische Rede über seine - künftige ärztliche