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Der Israelit · 1903-05-11 · Heft 36 (11.5.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 36 (11.5.1903)
Date
1903-05-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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keinen Anstoß ’b'aran nahmen, daß bfcfe auch ihren Todtenacker innerhalb der Stadt hatten, da sie, die Christen, ja selbst seit der fränkischen Zeit ihre Begräbnißstätten innerhalb der Stadt bei den Pfarrkirchen anlegten. Auch in Frankfurt, Hamburg und Altona lag einst der jüdische Friedhof innerhalb der Stadt. Die Anlage dieses Friedhofes Mag mit der ersten zahlreicheren Ansiedlung der Juden in Trier zusammenfallen — vielleicht in jene Zeit, wo in Folge der großen Verwüstung durch' die Normannen der Therl der Stadt, in dem er lag, noch nicht wieder bebaut war und öde log. Die ausführlichen Berichte unserer Chronisten über die angedrohte Ausweisung der Juden aus der Stadt durch Erzbischof Eberhardt im Jahre 1066. und über ihre Verfolgung zur Zeit des ersten Kreuzzi-ges 1Ö96, gestattete die Annahme, daß dieselben im 11. Jahrhundert schon in ziemlicher Anzahl hier ansässig waren. (Gesta Trev 1.154; 176.) Es ist wohl anzunehmen, daß die Juden Triers in der Nähe ihres Begräbnißplatzes gewohnt haben, daß mithin das Ghetto in der ältesten Zeit in der Jüdemerstraße zu suchen ist. Merkwürdig ist allerdings, daß stch keine Urkunde vorfindet, worin ein Jude als Besitzer. Käufer oder Verkäufer eines Hauses in der Judenmauergaffe genannt wird, während die derartigen amtlichen Register, worin alle Käufe und Verkäufe von Häusern eingetragen sind, vom Jahre 1347 an erhalten blieben. (Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen vom Jahre 1859.) Die Juden müßten nun vor dem 14. Jahrhundert dort, wo seit uralten Zeiten ihr Friedhof lag. gewohnt haben. In späterer Zeit finden wir das Ghetto im nördlichen Stadttheile (laut einer Urkunde von 1488, die zweier Häuser erwähnt, gelegen „unter den Juden, zwischen dem Deutschherrenhause und dem Hause der Sackträger"), oben begrenzt durch den Fischbach, die Jakobs- und Moselgaffe. Es heißt in einer Urkunde von diesem jüngeren Ghetto: „und ansullen auch dieselben Juden von iren gaffen und begriffe, du sie wonen, nume dan dry uffene Worten und iner uffene kelre duren haben, ußglvende in die gemeine straßen zu Trier, und die anderen soll Man vermuren". (Hontheim 227.) Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß unter diesen Pforten die zwei begriffen sind, welche unter dem Namen große und kleine Judenpforte auf die frühere Fischbach ausgehen, die dritte . muß wohl in der Jakobspratze gewesen sein. Die Verlegung des -'Ghettos scheint im l5. Jahrhundert stattgesunden zu haben. Unter dem Erzbischof Otto von Ziegenhain wurden nämlich im Jahre 1418 bei dem Regierungsantritt, des genannten Kirchenfürsten alle ^'Zuden aus dem. Erzftlfte äusgetrieben. Als diesen jedoch bald wieder die Niederlassung in den Städten des Landes erlaubt wurde, da bezogen ste in Trier das alte Judenviertel nicht wieder, sondern siedelten sichln dem oben bezeichneten neuen Ghetto an. Bei der erwähnten Austreibung durch Erzbischof Otto wurde der Koblenzer ..Judenfriedhof" m einem am 4. August ausgestellten Briefe den Töchtern des Gottfried Sack von Dieblich als Lehen erthÄlt. Wem damals der Trierisch'e „Judenkirchhof" zugeeignet wurde, dürfte wohl noch zu ermitteln sein. Im Jahre 1517, zu Zeiten des Erzbischofs Richard von Greifenklau, trug ihn Philipp von Sirk zu Lehen, und im Jahre 1552 wurde der gleichnamige Sohn des Genannten vom Erzbischof Johann von Isenburg in diesem Besitze bestätigt. Als sich später die Kapuziner in Trier n'iederließen und ihr Kloster am Viehmarkt (das jetzige Stadttheater) bezogen, da wurde ihnen wahrscheinlich der alte „Judenkirchhof" überwiesen, woraus sie einen großen Garten herstellten. Damals mögen auch die eingesunkenen Leichensteine gesammelt und an der Fundstelle an der Ecke des MehMarktes eingebettet worden fein. Als dann später die Kapuziner durch das Machigebot Napoleons am Anfänge d'es vorigen Jahrhunderts aus Trier verwiesen wurden, da wurde der damalige Kapuzinergarten in unseren heutigen Viehmarkt umge wandelt. Die stillen Schläfer aber tief in der Erde drinnen haben unberührt alle diese Wandlungen mitgemacht, bis die Neuzeit mit ihren fortschrittliches- Einrichtungen die Zeichen ihres Erdendaseins an das Tageslicht beförderte. Absolut sicher dürfte wohl sein, daß die Juden nach ihrer Austreibung durch Otto von Ziegenhain den ihnen im Jahre 1418 genommenen Friedhor bei ihrer Wiederansiedelung niemals wieder benutzten, wenn auch der Platz selbst in späteren Urkunden, seiner früheren Bestimwüno nach, kurzweg der „Judenkirchhof" genannt wird. Die neu'angesiedelten Juden mögen schon damals den jetzigen Friedhof in der Gemarkung der früheren Vorstadt St. Barbara angelegt haben, dessen altersgraue, eingesunkene Grabsteine auf der linken, nicht mehr benutzte» Seite in jene Zeit zuruckreichen. Zettuugsuachrrckteu und «orrespsuderrzerr. Deutschland. Berlin, 5. Mai. Heute Abend 6*/. Uhr fand die Einführung der neugewählten Vorsteher und Stellvertreter statt. Der Vorsitzende des Repr'äsentanten- Kollegiums, Herr Gustav Löwenberg, vereidete dieselben durch Handschlag. In seiner Rede betonte er, daß die jüdische Gemeinde stolz sein könne, solche vortrefflichen Vertreter zu haben. Der Einführung schloß sich eine geheime Sitzung an. E. R.

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