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Der Israelit · 1903-05-11 · Heft 36 (11.5.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 36 (11.5.1903)
Date
1903-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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44, IM-«,. -: .;; . ■ ,• ’ JÜ ■ 86* Ei» Kenlrat-Hrgan für das orthodoLs IudenLZum. Begründet vo» DsHrNNN« i» MLsirrz. Montag, den 14. Aja* 5««L 11. Mai 1903. WWW AMkiikmSltt i« An. Von Arthur Nutzbaum. Die interessanten Funde von fünf zmn Theil gut erhaltenen jüdischen Grabsteinen bei den Kanalisationsarbeiten auf dem Vieh markte haben die Aufmerksamkeit wiederum auf die Geschichte der Juden in Trier ihre Wohnstätten und ihren Begräbnißplatz im Mittcltalter gelenkt. Von den aufgefundenen Grabdenkmälern ist der zuletzt gefundene Stein fast noch vollstäMg erhalten. Ein zweiter ist durch ein ebenfalls aufgefundenes Bruchstück wesentlich ergänzt, ein dritter besteht nur noch aus einem oberen Bruchstück, ein vierter ist ein linkes Seitenbruchstück und ein fünfter ist ebenfalls der obere Nest eines für einen Mann gesetzten Grabsteines. Daneben fand sich noch ein Stein mit zwei Resten von jüdischen Buchstaben. Der Zeit nach gehören die Steine dem Zeiträume von 1345 bis 1350 an. Zwei sind dem Andenken von Frauen und die übrigen zu Ehren von männlichen Todten gesetzt worden. Die Buchstaben, sch'arf und tief eingegraben, zeigen die vollen Formen der schönen, hebräischen Quadratschrift und sprechen für die kunstgeübte Hand des Steinmetzen, der sie cingrub. Nimmt man nun hinzu, daß bei den fortgesetzten Kanalisationsarbeiten auch ein Todtenschädel und schon im Jahre 1859, unweit der Fundstelle, ebenfalls das Fragment eines jüdischen Grabsteines aufgefunden und von Rabbiner Dr. Stein in Frankfurt a. M. als aus dem Jahre 1346 stammend entziffert wurde, so geht man wohl auch ohne geschichtlichen Nachweis mit der Annahme nicht fehl, daß man es im Bereich der Fundstelle mit einer altjüdischen Begräbnisstätte zu thun hat. Aber auch dieser geschichtliche Nachweis steht unumstößlich fest. Längst bekannt ist es, daß der Name „Jüdemergasse" eine Korruption aus Judenmauergasse ist. Judenmurgasse 'wird sie in Urkunden von 1349,1408 und in späteren genannt. Ueber den Ursprung dieser Bezeichnung belehrt uns eine Urkunde vom Jahre 1529, worin von zweien dem St. Jakobshospikal zugehörigen Häusern gesagt wird, daß sie gekegen Mn „gegen tetot Judenkirchhof in der Jüdemergassen", ebenso wird in einer Urkunde vom Jahre 1682 die St. Antoniuskapelle bezeichnet ^.als „liegend neben dem Judenkirchhof". (Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier vom Jahre 1854.) Wir haben uns also an der südwestlichen Seite der heutigen JüdeMerstraße eine Mauer zu denken, hinter welcher der Judenfriedhof auf einem Theile des jetzigen Biehmürktes lag. Die Jüdenmau'er trug ihren Namen von dem Judenfriedhof, den sie einfchloß. In einer Urkunde von 1297 bekennt Rudolf der Aeltere, genannt von Dritte, Bürger zu Trier, „daß er an der zwischen seinem Garten und dein Ju'd'enfriedhofe laufenden Mauer kein. Recht hab'e, und falls er darauf baue, dies nur auf freundschaftliches Bewilligen der Jüdensch'aft thue" u. s. w. Eine Urkunde vom Jahre 1360 sagt: domas sita ex opposito Judenkirchhoff". Gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts finden Wir also den Begräbnißplatz der Juden noch innerhalb der Ringmauern unserer Stadt, und zwar östlich von St. Antonius hinter der an diese Kirche anstoßenden Häuserreihe hinlaufend, einen Theil des jetzigen Viehmarktes einnehmend. Den letzten Beweis hierfür kann endlich auch die Dhatsache erbringen, daß man in den Jahren 1811 und 1812, als man den bisherigen Garten der Kapuziner in den heutigen Viehmarkt um'wandelte, beim Auswerfen der Mauern eine Anzahl Grabsteine mit jüdischen Inschriften auffand. (Marx: Geschichte des Erzstists Trier I 607.) Die Thatsache, daß sich die jüdische Begräbnißstätte innerhalb der Ringmauern der Stadt befand, kann unser Befremden nicht erregen, wenn wir bedenken, daß die christlichen EiUwohner Triers, sobald sie einmal den Juden die Niederlassung in ihrer Mitte erlaubten, wohl

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