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Der Israelit · 1903-05-07 · Heft 35 (7.5.1903) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 35 (7.5.1903)
Date
1903-05-07
Page
– (sequence 27)
Language
German
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795 Ueber Alles ging ihr die voDge Maskirung des ersten Schüttes. Sie mußte sich anfangs gleichgültig zeigen. Diese Rolle spielte sie gut. Auf Jakob machte sie nicht den mindesten Eindruck. Denn sie stand neben TrLa und dann — es gibt Instinkte im Menschenherzen, und, so lange nicht die Leidenschaft darin sich verbreitet hat, etwas, was ihn warnt vor Gefahr. Sie erschien ihm sehr schön, aber wie leblos. Die Herren, die den Kaffee im Salon einnahmen, sahen von fern mit ganz anderen Micken nach der Zauberin. „Das ist ein bezaubernd schönes Mädchen!" rief Mann. „Ein königlicher Bissen! Was sind das für Arme! Wahrhaftig königlich!" Heinrich war ebenso entzückt, aber in Gegenwart von Tild'a's Vater wagte er nicht, davon zu reden. „Ein königlicher Bissen!" rief Vater Simon. „Nur muß man für ihn goldene Zähne haben, sonst zerbeißt man ihn nicht!" - Trlda's Vater, auch ein großer Verehrer des schönen Geschlechts, schmunzelte und sagte leise: „Werth ist sic — auf mein Wort! mindestens tausend Dukaten!" „Das wäre wenig!" entgegneie Mann. - „Uebersteigert sie nicht, wenigstens so lange sie nicht verheirathet ist," unterbrach ihn Simon. „Dann ist...." „O dies dumme Gewäsch!" rief Mann. „Die Wtorkowska besitzt keinen rothen Heller mehr und lebt wie.. . Komm', sie selbst, wie sie wohnt, wie sie sich kleidet, welche Räume — ganz, wie bei uns!" „Wenn sie sich nur nicht vorgenommen hat, auf Jakob Jagd zu Machen," sagte Simon. „Dieser Besuch steht mir schon etwas verdächtig aus." ' „Sie wohnen aber kaum drei Schritt von hier," unterbrach ihn Heinrich. „Umosmehr. Aber für diese Harpyen lvär's doch um Jakob Schade," warf Simon ein. Während diese Herren so flüsterten, trat Musa gleichgültig zum Fortepiano, um die Noten zu mustern, aus denen Tilda vor einem Weilchen gespielt hatte. Es war dies etwas von Schumann. Sie knüpfte ein leichtes Gespräch mit Jakob an, um ihn nicht sogleich sich entfernen zu lassen. So etwas wie Kälte und Langeweile umwehte sie. Bald kühl, bald neugierig blickte sie zu ihm auf, gleichsam unwillkürlich heftete sie auf ihn die kindlich-naiv nach etwas Ersehntem suchenden Augen. Jakob empfand im Innern rächt einmal jene Regungen, wie sie die Erinnerung an die Jugendjahre erzeugt. „Erinnern Sie sich noch unserer Spaziergänge mit Tilda?" fragte ihn Musa nach einem Weilchen. „Sind Sie noch immer so ernst, wie Sie es in der Jugend waren?" ' „Immer noch so langweilig, wie ich es war," entgegnete Jakob. „Nur mit dem Unterschiede vielleicht, daß mit den Jahren diese Eigenschaft in mir noch zugenommen hat!" . Tilda, die dies Gespräch gehört, wußte selbst nicht, warum ihr das Herz so gewaltig, schlug. Bon Weitem drehte Vater Simon sich öfters nach ihm um. Er hätte ein Freundesherz für Jakob, und dieser Besuch beunruhigte ihn. Er lief auf und ab, lavirte, blieb beim Klaviere stehen. Die Dame erkannte instinktiv in ihm einen Feind. Mit einer gewissen Diversion brachte man es fertig, daß man sie alsbald bestürmte, etwas vorzuspielen. „Ah! Ich liebe so sehr die Musik, daß man mich nicht erst zu bitten braucht," rief sie. nachdem sie berechnet, daß es doch allzu gewöhnlich sei, sich erst lange dazu nöthigen zu lassen. Sie setzte sich an das Klavier. „Ah, das ist mein geliebter Schumann!" « Und sie begann eine jener wunderbaren Phantasteen des Träumers, aus deren Weisen der Schmerz wie ein Blutstrom fließt und sprüht! Sie spielte wundervoll, mit großem Ausdrucke. Die Komödie in ihr umfaßte sogar die Musik.. Sie konnte vortrefflich mit Gefühl Vorspielen, obwohl sie keines in sich hatte.. Man überschüttete die Virtuosin mit lebhaftem Beifallklatschen. Auch Tilda, welche selbst vortrefflich spielte, fand in der Auffassung des ihr bekannten Werkes neue Gedanken und konnte sich nicht genug darüber freuen. Jakob rühmte das Spiel, blieb aber dabei kalt. Vater Simon ergriff seine Hand und führte ihn langsam bei Seite. „Kennst Du Musa?" „Ich sah sie früher schon." „Und kennst Du ihre Mutter?" „Sehr wenig." „So mußt Du also für alle Fälle erfahren, daß dies die Gefährlichste aller Weiber ist; die Tochter wurde erzogen zu einer Erbin von Millionen, ohne einen Groschen Vermögen. Jetzt jagt sie nach einem sehr reichen Manne! Hüte Dich vor ihr! Ich habe so eine Ahnung, 'daß ne Dich hier aufspürten und' ihre Netze stellten!" Er drückte Jakob's Hattd. Dieser lachte. „Gestern erst kam ich hier an!" „Mütter dieser Art sind Republikanerinnen cts 1a yeille. Sie fühlen die Ankunft junger Leute, noch ehe sie hier sind! Ich sage Dir, hüte Dich! Diese Musa ist bezaubernd und vortrefflich eingeschult!"' „Ich liebe nicht allzuschöne Frauen!" „Sie versteht es! Sie kann so sein, . wie Du es haben willst! Sie erräth sogar Deine Gedanken!" Währenddem saß Musa mit der Dame deS Hauses am Klavier, spähte und errieth wohl, was Simon

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