Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 35 (7.5.1903)
- Date
- 1903-05-07
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449923--58185-2522547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in Vieser Beziehung füge ich als bezeichnend an. daß zwar von Ariden Seiten viele Stimmen abgegeben worden sind, die Zahl der Stimmen für 'die Konsistorien aber die große Majorität bilden, und das ist doch ein Beweis dafür, daß man mit dem gegenwärtigen Zustande zufrieden ist. Abgeordneter Goß: Ich stimme dem Vorredner nicht bei. Mr haben kein Urtheil über die Mehrheit. Ich will Nur das Studium der Frage. Der Beschluß der Kommission wird doch'angenommen und zwar, über beide Petitionen zur Tagesordnung überzugehen. Au diesem Beschluß bemerkt die „Straßburger Post": Der Beschluß des Landesausschusses wird sachlich von Niemand gebilligt werden können, der den bisherigen Vorgängen aufmerksam und unparteiisch gefolgt ist. Wenn wir im Landesausschuß das Wort hätten ergreifen können, so wurden wir folgenden Antrags gestellt haben: In Anbetracht der von Dr. Lewa aktenmäßig nachgewiesenen Art der Entstehung von Petition Nr. 1 und des Fehlens von Gründen auf Seiten der 2456 Petenten ist über diese Petition, zur Tagesordnung Lberzugehen. Die Petition des Dr. Lewy ist dadurch, soweit sie diesen Punkt betrifft, erledigt. Sdw'eit sie aber die Einführung von Verbesserungen der Kultusverfassung, insonderheit die Schaffung eines Oberkonsistoriums anstrebt, ist sie mit Rücksicht auf die große Anzahl der mit Dr. Lewy übereinstimmenden Israeliten der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Es besteht vielfach die Anschauung, und auch wir möchten ihr uns anschließen, daß die Regierung angesichts der Nothlage, die unleugbar besteht, und angesichts der verschiedenen Strömungen innerhalb der israelitischen Bevölkerung jetzt eine freie Kommission zur Berathung dieser Materie einberufen sollte. Dieser Kommission sollten Vertreter der drei Konsistorien, gewählte Vertreter der Gemeinden — und eine Anzahl von der Regierung selbst einberufenen Israeliten aus allen Theilen des Landes angehören. Durch diese Kommission würde sich unzweifelhaft feststellen lassen, wo die UebelstäNde Kegen, und welcher Weg zur Abhilfe sich empfiehlt. Oesterreich. Wien, 29. April. In dem Mitkelschultage, der am 6. dss. Mts. eröffnet wurde, kam das Jud'enthum am ersten Tage zu Ehren und Anerkennung und unsere SchNlmäner . haben mit ihrer fachlichen Gerechtigkeit sich ^selbst geehrt. Der erste Fachvortrag wurde von Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem (Wien) über die wissenschaftlichen, didaktischen und sozialen Aufgaben des Mittelschüllehrers gehalten und fanden seine vornehmen, idealen und doch im besten Sinne praktischen Ausführungen den lautesten und aufrichtigste« Beifall. Wiederholt mußte der Vortragende seine Kn elegantesten Style gefaßten Auseinandersetzungen, vom frenetischen Beifall der Kollegen unterbrochen, einhalten. ZUm Schlüsse beglückwünschte Hofrath Huemer vom Unterrichtsministerium den Redner mit warmen, anerkennenden, wohlverdienten Worten. Prof. Jerusalem war auch wenige Tage vorher mit d'er Elite unserer Gelehrtenwelt vom Unterrichtsminrster zur Vsgründung einer gelehrten aristokratischen „Österreichischen wissenschaftlichen Gesellschaft" geladen worden. Eine zweite That der Gerechtigkeit war am ersten Tage vom Gy'mnasildirektor Mandiczewski geübt worden. Se. Excellenz der jetzige Unterrichtsminister hat in Anerkennung der WichUgkeit des mosaischen Religionsunterrichts und zur Förderung' des Ansehens der Männer, die diesen Gegenstand an unseren Mittelschulen lehren, eine Anzahl von israelitischen Religionslchrern, deren Vorbildung ste als 'den übrigen Gymnassülprofessoren ebenbürtig erscheinen läßt, und die an Anstalten unterrichten, deren Schüler in namhafter Anzahl Israeliten stnd, zu wirtlichen Professoren mit allen Rechten.und Pflichten von Gymnasialprofessören ernannt. Professor Metzger, katholischer Religionsprofessor am akademischen Gymnasium in Wien, legte' nun dem Mittelschultaz eine Resolution vor, durch welche das Unterrichtsministerium ersucht wird, dem Abgeordnetenhäuse einen Gesetzentwurf folgenden Inhalts vorzulegen: 1) Den katholischen ReligionslehrerN, welche nicht in allen Klassen einer vollständigen Mittelschule Unterricht ertheilten, sollen die an diesen Anstalten in definitiver Stellung verbrachten Dienstjahre für den Bezug von Quinquenalzulagen voll eingerechnet werden. 2) Den katholischen Religionslehrern sollen die in der öffentlichen Seelsorge oder an öffentlichen Volks- und Bürgerschulen verbrachten D'ienstjahre für den Bezug vcn Quinquenalzulagen, zum mindesten aber für die seinerzeitiae Pensionsbemessung, u. zwar im Verhältnisse von 3 :4 in Anrechnung gebracht werden. Dazu nun stellte Direktor Mandiczewski den Zusatzantrag. auch die Nekigionslehrer anderer Konfessionen, welche akademische Studien absolvirt haben, den katholischen Religionslehrern gleich zu halten. Die Resolution wurde dann mit dem Zusatzantrage einstimmig angenommen. Dr. A. Kisch, Prag. Humpoleh (Böhmen). (ANe BlutMärchen e n t st e h e n.) Bon hier wird der „Neuen Fr. Presse" berichtet: Am Samstag, 25. April, kam zum hiesigen israelitischen Kantor Herrn P. eine Gerichtskommission, bestehend aus dem Untersuchungsrichter Dr. Valentin, Bürgermeister und Reichsraths-AKgeordneten Beczvar, dem Gendarmerie-Wachtmeister u. s. w., um eine Haus-