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Der Israelit · 1903-05-07 · Heft 35 (7.5.1903) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 35 (7.5.1903)
Date
1903-05-07
Page
– (sequence 20)
Language
German
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788 suchung vorzunehmen. Die vierzehnjährige Tochter des Vorstehers in Bystra bei Humpoletz hatte die Anzeige erstattet, daß sie dieser Tage, als sie bei P. Tauben zum Verkaufe anbot, einen christlichen Knaben hängen sah, an dem drei bärtige Juden sich zu schaffen Machten. Es tmn'be nun eine gründliche Hausdurchsuchung vorgenommen. ohne daß etwas Verdächtiges vorgefunden wurde. Herr P. klärte aber die Kommission auf. Er hat in der Thüre einen Turnapparat und konnte sich erinnern. daß das Mädchen gerade in's Zimmer trat, als sein Sohn turnte. Jedenfalls herrschte in der Stadt große Aufregung; seht ist wieder Ruhe eingetreten. Frankreich. Paris. Auch im französischen Senat ist die rumänische Judenfrage zur Sprache gebracht worden. Der Senator Graf d'Aunay hat in einet Rede über die mazedonische Frage Folgendes gesagt: Die den Orient betreffenden Fragen sind sehr zahlreich und berühren nicht nur die Türkei, sondern auch christliche Staaten. Rumänien zum Beispiel fahrt fort, der Judcnfrage jenes Landes eine Lösung zu geben, deren Intoleranz sich schlecht mit den Abmachungen des Berliner Vertrages vereinigen läßt. Glauben Sie nicht, daß Europa die Pflicht hätte, die Regierung zu Bukarest aufzufordern — ohne im Uebrigen ihre Empfindlichkeit zu verletzen — ihm Rechenschaft über die in dieser Angelegenheit getroffenen Maßregeln abzulegen? Man wird mich fragen: wer soll sich denn an die Spitze dieser Bewegung stellen? Wer wird es unternehmen, die Mächte zur Prüfung all' dieser Fragen zu veranlassen? Ich scheue mich nicht, zu sagen, daß nach meinem Wünsche Frankreich dies thun müßte. Frankreich hat im Orient noch eine große Mission zu erfüllen, und die Verlesung des G'elbbüches beweist uns, daß nach der Auffassung dds Ministers des Auswärtigen Initiativen dieser Art uns nicht untersagt sind. In.der Antwort, die Herr Delcass6 auf die Rede des Grafen d'Aunay gab, wurde die Angelegenheit der rumänischen Juden mit keinem Wort erwähnt, woraus zu entnehmen ist, daß Herr Delcass«? sich durch das „dankenswerthe Entgegenkommen" des Grafen Bülow nicht beschämen lassen will. Rußland. Moskau. Auf dem vor kurzem hier abgehaltenen allrussischen Lehrerkongresse wurden auch einige die jüdischen Lehrer speziell betreffende Anträge gestellt. Der zür Verathung gelangte Bericht des Herrn M. Jglitzkji bezog sich auf die Gewährung von Pensionen und Unterstützungsgelder an die bei Staats- und Gemeindeschulen angestellten jüdischen Lehrer. Der Referent wies darauf hin, d'aß die jüdischen Staatsichülen seit dem Jahre 1845 bestehen und daß der Lehrkörper dieser Schulen in den jüdischen Lehrerinstituten herangebildet werde. Um den jüdischen Lehrern Pensionsrechte zu geben, wurden ihnen feit 1852 zwei Prozent von ihrem Lehrergehälte abgezogen, und im Jahre 1873 erfolgte der Allerhöchste Befehl, dem Staatsrathe den Vorschlag zu machen, daß die jüdischen Lehrer, welche in den jüdischen Lehrerinstituten und in den jüdischen Staatsschulen angestellt sind, als im Staatsdienste angestellt und pensionsfähig zu betrachten seien. In dem am 24. März 1873 erschienenen Artikel 52 über die jüdischen Anfangsschulen heißt es, daß ein spezieller Erlaß über diese Rechte der jüdischen Lehrer veröffentlicht werden wird. Seit dieser Zeit find aber 30 Jahre vergangen und die Lage der genannten Lehrer hat sich noch immer nicht geklärt, obschvn ihnen während der ganzen Zeit die zwei Prozent für den Pensionssonds vom Gehalte abgezogen worden sind. In Anbetracht dessen schlägt der Referent dem Kongresse vor, es möge an den Unterrichtsminister ein Gesuch gerichtet werden, in Weichem um Gewährung der Pensionsrechte aus dem genannten Fonds an die jüdischen Lehrer anzusuchcn sei. Dieser Antrag Wurde angenommen, dagegen wurden die Referate: 1) „Ueber die Erlaubniß, daß die jüdischen Lehrer überall wohnen dürfen", und 2) „über die Aufnahme von Kindern jüdischer Lehrer in. Mt telschulen und höheren Lehranstalten außerhalb der festgesetzten „Norm" durch den Moskauer Bezirks- Schukinspektor zur Verathung nicht zugelassen. Die Zahl der offiziellen jüdischen Lehrer betragt gegenwärtig ungefähr 1500. unter denen sich nicht wenig Männer mit höherer Bildung befinden, welche es doppelt schmerzlich empfinden, ihren Kindern keine Mittelschul- und Universitätsbrldung geben zu können. Amerika. Neivhork. (Junge Antisemiten in R ew y o r k.) Von hier wird berichtet: Man ist einer weitverzweigten Bande von Knaben auf die Spur gekommen. die in erstaunlicher Weise in Brooklyn einen antijüdischen Kreuzzug durchgeführt haben. Ein kleiner jüdischer Junge von 11 Jahren wurde sterbend in ein Hospital gebracht. Er war durch einen Messerstich schwer verletzt worden. Die Polizei entdeckte, der Spur des Verbrechens folgend, daß die erwähnte Knabenband'e an demselben Tage mehr als ein Dutzend jüdische Kinder überfallen, geschlagen und ausgeplündert hatte. Straßenbahnwagen, auf denen sich Juden befanden, wurden von den Knaben mit Steinen beworfen. Der kleine schwerverwundete Levy machte einen Ausgang für seine Mutter, als er den jugendlichen Mordbuben in die Finger fiel. Der 14jährige Führer der Bande hielt ihn beim Rockkragen fest und fragte: „Bist Du ein Jude?" Als das Kind die Frage bejahte, zog der Fragesteller ein offenes Messer aus der Tasche und stieß es ihm in den Unterleib. Es ist bis jetzt nicht gelungen, des jungen Antisemiten habhaft zu werden. -

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