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Der Israelit · 1903-05-07 · Heft 35 (7.5.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 35 (7.5.1903)
Date
1903-05-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Also fang er und schaute hinaus auf die Hauptstadt hin, in der allmählich der Lärm verstummte. Da erlosch plötzlich durch einen heftigen Windzug das Licht im Nebengemach und er befand sich im Dunkel. Er hörte die tiefen Athemzüge des Kindes, des Weibes und des Greises, und suchte selbst sein Lager auf. Drunten an seinem Hause schlich sich ein dunkler Geselle hin, Peter, der Kriegsknecht des Ritters Robert de Gourdon, und grinsend malte er an die Mauer ein rothes Kreuz: Es war das Zeichen der Vernichtung. III. An der Ostseite der heutigen City Londons, am linken Ufer der Themse, erhebt sich, mit Wall und Graben versehen, in gewaltigem Quadrat der Tower. Der Fremde, der heutzutage dieses weitläufige, festungsartige Gebäude besichtigt, denkt nicht ohne Schaudern an all die Gräuel, die hier stattgefunden haben. Er erinnert sich an Shakespeares Dramen, deren blutiger Ausgang so häufig im Tower erfolgt, denkt'an den achten Heinrich, der seiner Gemahlinnen zum Theil hier sich entledigt hat, wenn sie das Unglück hatten, ihm langweilig zu werden, und freut sich des eigenen Kopfes, der fest genug ihm auf dem -Racken sitzt. Zur Zeit unserer Erzählung war der Tower noch viel kleiner, als er heute ist. Auch war er noch kein Staatsgefängniß, vielmehr diente er zum Wohnort der Könige. Es war am dritten September 1189. In dem großen Festsaale des Towers saß König Richard mit den Großen seines Reiches und den Gesandten der fremden Staaten beim Mahle. Er feierte seine Krönung, die an diesem Tage mit großer Pracht unter dem Zujauchzen des ganzen Volkes erfolgt war. Eine glänzend; Versammlung befand sich im Saale. Ritter in weithin schimmernder Rüstung. Bischöfe mit dem ganzen Aufwand des geistlichen Ornates, dessen überwältigendem Eindruck sie nicht zum mindesten ihre Macht auf die Gemüther zu verdanken hatten, und die mächtigen Barone des Reiches, durch deren Uebermuth so oft ein scheußlicher Bürgerkrieg entflammt worden war — aber alle überragte an Hoheit König Richard -selbst. Er saß auf einem erhöhten Throne, sodaß er von Jedem gesehen werden konnte. Seine schlanken, kräftigen Glieder umhüllte in weiten Falten ein lang herabwallender Mantel, der, schimmernd an Gold und Edelsteinen, mit Halbmonden geziert war, die in gerader Linie sich hinzogen, und hie und da durch sonnenförmige Goldkreise unterbrochen waren. Vorn an der Brust' wurde der Mantel durch goldene Spangen zusammengchalten, doch ließ er das rosasammtne Wamms durchblicken. das'Richard darunter trug. An der Seite hing ihm in silberbeschlagener Scheide das lange Schwert mit goldenem Griff herab, das schon so manchem Feind den Schädel gespalten, wenn Richard's wuchtiger Hieb ihn getroffen., ' / Er, der gefürchtete Kriegsheld, schaute heute gar milde drein. Das rothblonde Haar, das in freien Locken von seinem Haupte fiel, gab ihm ein freundliches Aussehen. Nicht gerade fein konnte man die Züge seines Antlitzes nennen. Gutmüthige, fast bärenhafte Stärke lag in seinem Gesichte, dem man es ansah, daß Richard gewohnt war, sich den Trieben des Augenblicks rückhaltlos hinzugeben. Aber glich der König der freundlich strahlenden Sonne, die die Erde mit ihrem Milden Strahl erwärmte. so war der Mann, der neben ihm saß, das neidische Gewölk, das sie zu verhüllen drohte. Er hatte einen Chorrock an mit einem kurzen PUrpurmantel, sein Haupt bedeckte ein Käppchen, auf dem er den Kardinalshut trug: Einen flachen, runden Hut vcn rother Farbe, an dem zu beiden Seiten herab fünfzehn mit einander verschlungene Schnüre hingen, die je fünfzehn Quasten hatten. Sein Gesicht war schmal, seine Züge starr, die Augen halb geschlossen. In furchtbar kalter Ruhe, fast gleichgültig, spielte er nachlässig mit dem goldenen Abzeichen, das ihm vom Halse herabhing, und nickte still dem Könige zu, der zuweilen an ihr. seine Worte richtete: Es war der Erzbischof, von Canterbury. - ' Hinter dem König stand ein bartloser Jüngling, die Leier in den Händen. Das ist Blondel, der holde: Sänger, der später König Richard aus harter Gefangenschaft retten wird. Seine Finger bewegten sich auf der Le'ier und mit glockenreiner Stimme besang er Richards Thaten, der einmal mit eknem Streich den Feind so säuberlich entzwei hieb, daß dieser es erst merkte, da er sich schüttelte und auseinanderfiel, der so lühn, wie ein Löwe, so stark 'wie ein Tiger, soed'el wie ein Mensch. Und er sang so schön, daß die Ritter, gar muthig dreinschauten, während die Schönen in den Schoß blickten. Und Balduin von Canterbury nickte leise mit dem Haupte, daß alle Quasten in Bewegung geriethen, und König Richard lächelte stillselig vor sich hin. . Da öffnete sich die Thllre und hereintraten zehn Männer in langen, wallenden Gewändern, verdeckte Schüsseln in den Händen tragend. Lautlos schritten ste auf den König zu, demüthig tief verneigten sie sich, enthüllten die Schüsseln und legten sie- Richard 'zu Füßen. - , Der blickte lüstern auf all die Schätze, die da vor ihm ausgebreitet lagen,'aus die funkelnden Becher und Pokale, auf die glitzernden Ringlein und Geschmeide,

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