Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 35 (7.5.1903)
- Date
- 1903-05-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Hetze bevorstehe, verließ eine auf mehrere Tausend geschätzte Zähl armer Judenfamilien die Stadt, Bemittelte sind in die Gasthäuser übergesiedelt. Patrouillen durchziehen dre Straßen. Mäueranschläge be-. sogen, daß Ansammlungen auf Straßen und Plätzen streng verboten sind, nöthigenfalls werde 'das Militär von der Waffe Gebrauch machen. Amerika. Newyork. (Das Vorkommen der Tuberkulose bei den Juden.) Der amerikanische Arzt Fishberg hat neuerdings diese Krankheit zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht. Nachdem er die Disposition als das wesentlichste Moment zum Zustandekommen der Infektion bezeichnet und die hierfür ursächlichen Faktoren — schwächliche Körperentwicklung. ungenügende Ernährung, eNtze, lust- und lichtlose Wohnungen. Unsauberkeit u. s. w. — kurz geschildert, bringt er statistische Angaben über das progressive Wachsthum der Tuberkulose im Zusammenhang mit der Enge der Wohnungen. Es starben auf 100,000 Einwohner, die ein bis zwei Zimmer bewohnen 986, bei drei bis vier Zimmern 689, bei fünf Zimmern 328. Während im Freien arbeitende Berufsarten, wie z. B. die Fischer, nur eine geringe SLerblichkeits^iffer an Tuberkulose stellen, sind dagegen dir Buchdrucker mit 401 ans 1000 vertreten. Alle ungünstigen, der Erwerbung der Tuberkulose förderlichen Umstände treffen nun auf die in Amerika und Afrika lebenden Juden zu, und trotzdem stellt sich die Verbrätung der Tuberkulose' bei ihnen folgendermaßen: in Newyork starben in den letzten sechs Jahren unter den dort lebenden Einwanderern, auf 100,000 Menschen berechnet, 646,73 Irländer. dagegen nur 98,21 russische Juden, in Tunis ka-. men auf 1000 Todesfälle an Tuberkulose: Europäer mit 6,13, Araber mit 11,30 und Juden mit nur 1,24. Fishberg sieht im Einklang mit anderen Forschern diese, geringe Neigung der Juden zur Tuberkulose als eine Rasseneigenschaft an. (Wir führen diese Erscheinung auf die Jahrtausende .währende treue Ausübung des jüdischen Speifege setzes zurück. Red. d. „Jsr.") Marokko. - Tanger, 3. Mai. Der englische Dampfer „Herkules" ist heute hier mit 260 Israeliten aus Arz'ila angelommen, welche die von Munition und Lebensmitteln entblößte Stadt verließen. Sie zahlten an Raisuli, den Führer der Veni Aros. 10,000 Frcs. unter der Bedingung, daß er Arzela nicht angreife. Raisuli und seine Untergebenen rufen in jenem Bezirk starke ' Beunruhigung hervor. Die Gegend von Tanger ist ruhig. s e«I I IeI * tt. rusatem. Vrstopische Ov;atzluug von Jsaae Breuer—Frank surr a. M. A Ihm war gar seltsam zu Muthe. Der gewaltige Haß und die heiße Liebe, die beide in seinem Herzen Raum hatten, waren kurz nacheinander mit furchtbarer Heftigkeit in ihm wachgerufen worden. Aus dem Zusammenfließen beider bemächtigte sich seiner eine tiefe Wehmuth.. Bange Gefühle beschlichen seine Brust, wie eine Vorahnung kommenden Unheils. Sehnsucht nach Ruhe ergriff ihn, nach Ruhe, die die Fremde doch nicht bringen konnte. Mit der Sehnsucht nach Ruhe ergriff ihn auch die Sehnsucht nach der seinen Heimath, die sie allein ihm bringen konnte, die Sehnsucht nach Jeruschvkajim, der fernen Stätte. Er stand am Fenster und mit schmerzdurchbebter Stimme sang er leise das Sehnsuchtslied: - - An dem Meeres'gestad' ich steh', Blick hinaus in die öde Fern', Weithin über die graue Fkuth — Und der Heimath gedenk ich. Denk' der Heimath, da fließt, die Thrän' Mir vom Auge so heiß und schtver. Rinnt mir langsam die Wäng' herab. Und im Meer versinkt sie. Sinkt in's Meer, das entführt sie . . Hin zum Ufer des fernen Land's, Das mein Blick nicht erspähenkann. Hin zur heiligen Heimath. Hab' die Heimath noch Nie geschaut. Selbst die Wiege mir dort nicht stand. Meine nicht und des Vaters nicht. Denn wir beide sind Juden. Juden sind wir, verjagt vom Land, , Wo einst wohnten die Ahnen all'. Sind, ach, tausend-Jahr' schon verjagt,. RNhe nirgends wir finderu ' Sehnen immer noch uns in's Land, Wo einst wohnten die Ahnen all', - Hassen noch und verzagen nicht, Einst wird Gott schon uns helfen. ■