Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 35 (7.5.1903)
- Date
- 1903-05-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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772 Cassel-Berlin in längerer Ausführung^ über die Aufgaben des Hilfs-Aereins. während Herr Siegmund Berget- Berlin ein Bild der unter unseren galizischen Glaubensbrüdern herrschenden Noch entrollte und die dort von dem Hilfs-Verein bereits eingeleitete Aktion schilderte. HerrDr. Hirsch Hildesheime r- Berlin führte aus, daß der Hilfs-Verein die Thätigkeit der „Allicknce Jsraclite Universelle" in Paris nicht nur nicht beeinträchtige, sondern vielmehr ergänze. Zn der darauf folgenden Diskussion wurde von sämmtlichen Rednern u. A. von den Herren Jastizrath Dr. Deren s - Hannover, Landrabbiner Dr. Lewinsky- Hildesheim, Rabbiner Dr. Jacob- Göttingen, Dr. Nied. Katzen st ein - Hannover (Namens der Zion- Loge) die Notwendigkeit der Gründung des Provinzial-Bercins und die Bereitwilligkeit, denselben zu fördern. ausgesprochen. Nachdem alsdann die Constituiruna einstimmig beschlossen war, wurden die provisorischen Vorstände mit dem Rechte der Cooptation Kwählt. Dem hiesigen Komitee gehören außer den bereits erwähnten Herren Senator Leop. Fischer und Emil L. Meyer, Herren aus allen Kreisen der Synagogengemeinde. insbesondere auch Mitglieder der Zion-Loge, dem Provinzial-Komitee u. A. die Herren Londrabbiner Dr. Lewinsky -H'ildesheim. Dr. L ö b - Emden und Rabb. Dr. Jacob- GöttiNgen an. Wie wir hören haben die ausgelegten Zeichnungs- Listen Jahresbeiträge von über 1000 Mk. ergeben. Cydtkuhnen, 4. Mäi. In der Generalversammlung der hiesigen Synagogen-Gemeind'e am 2. Mai wurde bei der Etatsberathung der zu erhebende Prozentsatz auf 78 Prozent der Kommunal-Einkommensteuer festgesetzt. Die Heberolle beträgt Mk. 6445. In den Etat ist auch das Gehalt für den Hisssschochet mit 60 Mark monatlich eingesetzt. Auch würden zwei Kaffen- Rcvisoren und eine Bauko'mmiffion für unsere Synagoge gewählt. In Willkow'ischken erschlug in voriger Woche ein Knabe beim Spiel seinen Schulkameraden, den zehnjährigen Sohn des dortigen jüdischen Pferdehändlers Schlomske durch einen Steinwurf, der den Kopf traf. Eduard Segall. Königsberg, 4. Mai. Der Hilfsvetem für kranke russische Israeliten gibt den Bericht über seine Thätkgkeit in der Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1902 heraus. Wie wir aus demselben ersehen, waren die Anforderungen, welche im Verflossenen Jahre an den Verein gestellt wurden, ungewöhnlich groß und überstiegen bei weitem diejenigen aller vorangegangenen Jahre, so daß zum erstenmal die Gelammtaufwendungen über die Summe aller Eingänge hinaüsgingen. Die Ausgaben betrugen im Ga'ltzen 16.577.80 Mk., d. i. 4630.31 Mk. mehr als im Vorjahre. Trotzdem war der Verein nicht trt d'er Lage, allen Ansprüchen in dem Maße.' wie sie an ihn herantraten, zu genügen. Tie Zahl der Mitglieder ist wieder gestiegen, ebenso Wie die Summe der Beiträge und der Spenden. Unter den Ausgaben sind die Kosten für . Kliniken und Krankenhäusern von 5186 auf 6876 Mk. und die Baarunierstützungen von 5163 auf 8168 Mk. gestiegen, und es sind viele und schwere Leiden unglücklicher Mimenschen gemildert worden. Dem eisernen Fonds, der zur Zeit über 25,232.19 Mk. verfügt, sind wieder einige neue Zuwendungen zugeflossen. Der Bericht bittet die Gönner des Vereins, ihm ihr Interesse weiter zu bewahren, und dankt den Aerzken etc. für die den Kranken' gewährte Hisse. Der Kassenbericht Weist in Einnahme und Ausgabe je 22,438.64 Mk., sowie an Bestand 4769.95 Mk. und 3000 Mk. in Pfandbriefen nach. lyricdrichstadt, 30. April. Plötzlich und unerwartet starb heute am Herzschlag im Alter von 55 Jahren der Kultusbeamte. Herr Samuel Montag, gebürtig in Krumstadt. Derselbe war hier 9*4 Jahre, vorher 19 Jahre in Griesheim bei Darmstadt. Herr Ober-Rabbiner Dr. Lerner aus Altona kam zur Beerdigung und hielt am Grabe eine ergreifende Rede. Frau und Kinder des Heimgegangenen sind nun Plötze lich ihres Ernährers beraubt. Hoffentlich nimmt sich die Gemeinde der Wittwe und Waisen an. Quedlinburg, 4. Mai. Die hiesige Gemeinde hat sich durch Vermittelung des Synagogenverband'es der Provinz Sachsen dem RaMnat Halberfkadt angeschlossen. Am 3. Mai insp'icirte Herr Rabbiner Dr. Auerbach unsere Religionsschule, die von Herrn Lehrer I. Goldfckmidt, welcher seit neun Jahren hier mit dem besten Erfolge fungirt, geleitet wird. Die Prüfung ist zur vollen Zufriedenheit ausgefallen. Am Schluffe derselben hielt der Herr Rabbiner vor der versammelten Gemeinde eine längere Rede, die auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck hervorgerufen hat. Wittenberg, 4. Mai. (Die erste israelitische Trauung nach 463 Jahren.) Auf dem hiesigen Standesamte wurde vor einigen Tagen eine israelitische Ehe zwischen dem Fräulein Margarethe Backhaus von hier und dem Kaufmann Max Michaelis aus Köthen geschlossen und darauf in der „Reichspost" durch den Rabbiner Dr. Feßler aus Halle eingefegnet. Diese israelitische Trauung hat insofern kulturelle Bedeutung, als es seit mindestens 463 Jahren, vielleicht auch seit der Gründung Wittenbergs, die erste ist, die hier geschlossen worden ist. Ob vor 1440 hier israelitische Religioüs- Lbungen stattgefunden haben, darüber fehlt nach dein ..W. T." jede Nachricht. Fest aber steht, daß seit diesem Jahre keine stattgefunden haben, da von 1440 bis zum Jahre 1867 kein Israelit hier gewohnt hat. Im Anfang des 14. Jahrhunderts waren die Juden in Wittenberg und Umgegend sehr zahlreich. Im Jahre 1304 wurden sie durch Herzog Rudolf I. ausgewiefen; sie kehrten aber bald wieder zurück, und als sie im Jahre 1440 auf Veranlassung der Kurfurstin Margaretha