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Der Israelit · 1903-05-04 · Heft 34 (4.5.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 34 (4.5.1903)
Date
1903-05-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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nigc Tage danach aus ihrem schonen Wirkungskreise abberufen worden. Damals konnte ich mich auf's eingehendste überzeugen, welche schweren Sorgen auf den Schultern Ihres Vorstandes liegen. Im Monat September des Jahres 1902 habe ich Ahlem dann nochmals gesehen; ich bin zu Fuß dahin gegangen und sehe noch das seit meinem letzten Besuche neu erbaute Mädchenhaus vor meinen Blicken auf-, tauchen. Man hat die bei dem Knabenheim gemachten Erfahrungen benutzt und jenes Haus größer, geräumiger und luftiger als dieses angelegt. Ich besuchte Räume für Räume, an die der tüchtige Meister die letzte Hand anlegte, und ich kann sagen, daß ich lange Zeit nicht Praktischeres und Schöneres gesehen Hab.'. Die ganze Anlage, die Schul-, Speise-, Arbeits-, Schlaf- und Küchenräume, die Wasch- und Tröckenräume halte ich für musiergiltig. Offne und gedeckte Hallen mit dem Blick in's Freie, ein Garten zum Gemüsebau, ein Vleichplatz, ein Geflügelhof, ein Stall für Kühe und Ziegen, kurz, alles ist vorhanden, was nöthig. um die Mädchen die Freuden, das bescheidene Glück zu lehren, die unsere gütige Mutter Erde als ihren Segen denen ertheilt. die sie aufsuchen. Darf man da, nachdem auch für dieses Heim eine paffende Leiterin gefunden, nicht hoffen, „daß hier gesunde, tüchtige und treue Mädchen, und wackere, praktische Frauen werden herangebildrt werden?" Ich stehe als Mann allein in meinem Heim, meine Frau ist vor Jahren gestorben, mein Dienstmädchen hat vor kurzem ihr 40jähr4ges Dienstjubiläum, umgeben von meinen Kindern, Enkeln und Freunden, in meinem Hause gefeiert, und wenn ich den letzten Grund dieser seltenen Tüchtigkeit, Gesundheit, Anhänglichkeit und Treue angeben soll, dann muß ich 'die schlichte, praktische Erziehung, die einfachen, ländlichen Verhältnisse, in denen das Mädchen groß geworden ist, und die Freude an der. Natur nennen, die es sich unter, den veränderten Verhältnissen treu bewahrt hat. In den drei Jahren, von denen ich Ihnen erzähle, habe ich nicht Nom, nicht die Schweiz, nicht Tirol gesehen, aber ich habe Größeres geschaut; denn was ist das Herrlichste jener Herrlichkeiten gegen die „Menschenliebe, die den Armen aus dem Elend und Jammer herausführt in das Licht!" Lassen Sie mich deßhalb ein letztes Bild nicht unterdrücken. Auf dem Heimwege nach Hannover begegneten uns das letzte Mal zwei junge Männer. „Freude lag auf ihren jugendlich frischen Gesichtern, denn Ahlem war bei der Gartenbau-Ausstellung in Hannover hervorragend prämiirt worden. Den Blick, mit dem der eine, der in Ahlem seine Ausbildung erhalten 'hatte, die vor uns liegende Anstalt betrachtete. werde ich nie vergessen. Er begrüßte Ahlem wie sein Vaterhaus. In einer benachbarten großen Molkerei und Käserei hatte er gute Stellung gesunden, und noch heute sehe ich, wie über den ernsten und sorgenvollen Züßen Ihres Vorsitzenden ein Freüdenschein aufleuchtete. Malen Sie sich selbst aus, was jener junge Mann ohne Ahlem geworden wäre! Zum Schlüsse aber lassen Sie mich Ihnen sagen, „was nach meiner Meinung für Ahlem geschehen sollte." Ich beginne mit dem Scherzwort: „Zum Kriegführen stad dreierlei Dinge nöthig. Geld, Geld und abermals Geld!" Und was ist der Kampf gegen Vorurtheil, das Ringen nach Bildung, die Umkehr zu anderen Bermsarten anders als Krieg? Nun weiß ich sehr wohl, wie oft an die Thuren der Wohlhabenden und Reichen geklopft wird. „Aber lehnen Sie nicht unter dem Hinweis auf anderes, was Sie thun, von vornherein ab. Man muß das Eine thun und das Andere nicht lassen!" Ich bin überzeugt, daß Ahlem einmalige Unterstützungen, die ihm werden, mit großem Dank entgegennchmen wird. Doch meine ich, die Gebenden sollten der Anstalt „viel näher, mit ihrem ganzen Herzen nahe traten! Sie sollten das schöne Hannover nie besuchen, chne Ahlem gesehen zu haben." Dann wird von selbst kommen, daß ihm jährlich Zuwendungen in reicherem Maße gemacht, „ja, daß ihm Stiftungen auf ewige'Zeiten ausgesetzt werden." . Und noch mehr! Bei diesen Besuchen wird der Segen Ihrer guten That auf den Gebenden zurückströmen, die Sorge aber sich mindern, mit der die Begründer und Förderer der Anstalt zur Zeit noch' schwer zu kämpfen haben. Sie aber, hochverehrte Damen und Herren, „wirken Sie in Ihren Kreisen im Sinne meiner armen Worte und seien Sie versichert, daß Sie an einem großen Werke m'itbauen helfen!" ZeitungsnachrtHrerr uns kLorresponDcnzen. Deutschland.. Berlin. Die bevorstehenden deutschen Ausgrabungen in Palästina werden in ihrem Abschluß an die Resultate der Spatenarbeit im babylonischen Bezirk in der wissenschaftlichen Welt eifrig besprochen. Das eine Unternehmen geht von dem Deutschen Palästinaverein (Vorsitzender Herr Professor Kautzsch in Halle) aus. Der Palästmaverein läßt mit Unterstützung der deutschen Orientgesellschaft an der Stätte des alten, in der Ebene Iesreel gelegenen Meggido Grabungen vornehmen. Technischer Leiter ist der Ingenieur Dr. Schumacher in Haifa; er beabsichtigt in diesen Tagen den' ersten Spatenstich zu thun. Unabhängig hiervon ist Dr. Thiersch vom archäologischen Institut in Athen aus einer Rekognoszirungsfahrt nach Palästina unterwegs. Seine Aufgabe ist cs, einen Ort ausfindig zu machen, auf dessen Aufdeckung von seiten der Orientgesellschaft Werth gelegt wird. Mi Dr. Thiersch wird sich als Spezialist auf dem Gebiet alttestamentlicher Lokalfragen der junge Tljrntoge Herr Hölscher aus Leipzig

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