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Der Israelit · 1903-05-04 · Heft 34 (4.5.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 34 (4.5.1903)
Date
1903-05-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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44, Jahrgang. Grste Anlage zu j& 34 fet$ «Mraelik^ T —3o> C C rif'-S^ deS Herr» 8tj. Ztßittllvgsrat-ts Mm 8lck zv MtStllas-Btrlis. gehalten in einer vom Berliner Local-Comitee der JSr. Er« ziehungS-Tlnstalt Ahlem einberufenen Versammlung. Hochverehrte Anwesende! Gestatten Sie auch einem Christen das Wort in der so 'wichtigen Angelegenheit, die Sie heute beschäftigt. Ich spreche hier nicht als Andersgläubiger, sondern als Menschenfreund, einen Namen, den ich bestrebt bin, mir zu verdienen. Ich freue rnich über jeden Fortschritt der Menschheit, und daher auch über den, den Ihre Glaubensgenossen anstreben. Es steht Ihnen das Recht zu, mich zu fragen: „Wie kommst Du dazu, als Christ hier das Wort zu ergreifen?" Der Zufall — wenn es einen solchen gibt — hat es gewollt, daß ich mit Herrn Konsul Simon in Hannover bekannt 'wurde, und es war mir, wie ich versichern kann, eine besondere Freude, dadurch die menschenfreundlichen Bestrebungen, die in der Ahlemer Anstalt gepflegt werden, kennen zu lernen. Was will ich nun, meine hochverehrten-Anwesenden? — Ich möchte Ihnen berichten, was ich in Slhlem gesehen habe, und daran meine Meinung knüpfen, was für Ahlem geschehen sollte. Denn darüber sind wir ja Alle einig, daß es ein großer, segensreicher Gedanke ist, die armen, dem Elend und der Bedrängniß anheimfallenden Menschenkinder durch Zurückleiten zur Mutter Natur zu menschenwürdigem Dasein zu führen. DreimÄl habe ich Ahlem besucht.- und zwar jedesmal bei einer Reise nach Cöln. wohin mich meine Geschäfte führten. Zum ersten Male war es im Dezember. Ich hatte am Abend vorher mit dem Vorsitzenden Ihrer.Anstalt der Beschenkung geistig zurückgebliebener christlicher Kinder beigewohnt und besichtigte Ahlem am folgenden Morgen. Ich werde Ihnen kaum schildern können, 'welchen nachhaltigen Eindruck die Erziehungsanstalt auf mich gemacht hat. Die Knaben standen zum StiesÄappell bereit; denn ohne militärische Schulung stnd Knaben nicht zu führen. An ihren rothen: Backen, ihrem fröhlichen Wesen konnte man sehen, wie wohl sie sich in der frischen Luft des großen Gartens fühlten. Ich habe die Schul- und Schlafräume gesehen, dem i Schulunterricht mit Interesse beigewohnt und mich über die peinliche Reinlichkeit und Lüftung allen Räume: gefreut. Auch die Küchenräume, die damals mit Dampf-, apparaten versehen wurden, habe ich besucht und empfinde noch heute Freute darüber, wie mustergiltig' alles war. In . der Küche lernte ich auch die. Mutter' des Hauses, Fräulein Stein, kennen. Dort konnte., ich einen tiefen Blick in die Einzelheiten des Haushaltes,." aber auch in die Sorgen von Ahlem thun. Der. Vor-> stand der Anstalt muß natürlich rechnerisch zu Werfe,, gehen, und so wurde auch damals in meiner Gegenwart . angedeutet, daß die Verpflegung der Knaben im Ver--. gleich zu den Einnahmen der Anstalt und im Vergleich .' mit anderen Anstalten theuer zu stehen käme, und eS. wurde gefragt, wo noch gespart werden könne. Ich. werde me die Worte vergessen, die FräUlein Steine darauf erwiderte': „Meinen Kindern kann nichts mehr. abgezogen werden!" Ich erachte es für ' meine Pflicht, hier der vortrefflichen Leiterin, die im Sommer daraus zum Schmerze aller, die sie kannten, starb, zu gedenken, und diese ihre Gesinnung festzulegen,, eine Gesinnung^' die meiner Lebensauffassung nach ihr. das Himmelreich., öffnen wird.- ^' Auch dem Mittagessen.habe ich beigewohnt unb, ge-, sehen, wie es dort zugeht. Es gab eine vortreffliche Kartoffelsuppe mit etwas Fleisch darin; beim zweiten Teller bekamen die noch Hungrigen einen Knochen. Noch höre ich die fröhlichen Stimmen durcheinander-. schallen: „Fräulein, bitte, mit auch noch' einen ." Knochen!" Zum zweiten Teller mußten sie nämlich zu., einer großen Suppenschüssel herantreten,' während der/ erste ihnen gebracht wurde. Ich habe mich überzeugt,-, daß die Kinder satt wurden; jeder Erzieher wird Ihnen; sagen, daß Knaben - in Mäßigkeit erzogest:, werden müssen. ' ' * .. .. /• Die Treibhäuser zu besichtigen, muß jedem Blu- . menfreunde Freude bereiten. Es war gerade die Zeit : für die Maiblumen, die Alpenveilchen und alle die g'eliebten Voten des Frühlings. Ordnung.und Reinlich-... feit herrschten überall, und mit Erstaunen hörte .ich, welcher Gewinn für die Anstalt aus den Kindern der Flora bereits erzielt wird. r . : . >- Wenn jema'ts das Gefühl des Bedauerns mich be- ' schlich,: nicht zu:d'en: Wohlhabenden zu gchoren, so wät - es damals, als mir das Buch zum Einträgen ' meines v Besuches vorgelegt wurde. So viel aber war mir sofort ' klar> daß ich einen-jährlichen Beitrag zu zeichnen habe-'' um der so segensreich wirkenden Anstalt geistig-nahe zu bleiben! . .,.v_- ,<V; "!•:} :piiJ Zum zweiten' Male besuchte ich"'die Anstalt'-'im Sommerc : Der große Garten -mit seinen Spalierobst^ Anlagen, seknen Flieder- und Goldregenbüschen stand . Blüthe, dir. Knaben waren verstreut ätt ihrenArbeiten/"''l aber.derEngÄdeZ. Todes schwebte über Ahlem!Frau- ‘ lein Stein war sehr erkrankt, und ist denn auch we-

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