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Der Israelit · 1903-05-04 · Heft 34 (4.5.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 34 (4.5.1903)
Date
1903-05-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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763 vereinigen. Die Anregung zu dieser Expedition geht nicht, wie von anderer Seite gemeldet wurde, vom Kaiser aus, sondern von einem Vorstandsmitglied der deutschen Orientgesellschaft, das 'die nöthigen Mittel persönlich zur Verfügung gestellt hat und zwar, wie jeder leicht errathen wird, von dem opferfreudigen Herrn James Simon. Frankfurt a. M. Am 29. April hielt der „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" seine Generalversammlung unter dem Vorsitz des Herrn Alfred Geiger ab. Der Jahresbericht konstatirte, daß in der Zeit vom 24. Nov. bis 26. März neun Vorträge gehalten worden sind, und zwar von Dav. T r i e t s ch - Berlin über das heutige Palästina, Rabb. Dr. Goit e i n - Burgkundstadt: Fiirstengunst und Wissenschaft, Privatdozent Dr. Joseph Horovitz- Berlin: Die Juden in Arabien, Dr. K a r p e l e s - Berlin: Der Einfluß der Juden auf die deutsche Litteratur, Rabb. Dr. P o r g e s - Leipzig: Die Erwerbsverhältnisse der Juden im dreizehnten Jahrhundert, Rabb. Dr. D o c - t o r - Bruchsal: Die Juden in Amsterdam zur Zeit Remdr'andi's, Rabb. Dr. Plaut- Frankfurt a. M.: Die Juven unter Ca'kigula, Prof. Dr. F r a e n k e l - Breslau: Koran und Bibel, Dr. Jacob Horovitz- Frankfurt a. M. (gemeinsam mit der Frankfurter Loge): Babel und Bibel. Die Mitgliederzahl hat sich von 271 auf 263 gemindert, welche Mk. 1065 Beitrag zahlten. Die Ausgaben beliefen sich nach dem von Herrn Hugo F r ä n k e l erstatteten Cassabericht auf Mk. 3173, und überstiegen die Einnahmen um Mk. 47; der Baarbestand beträgt nur noch Mk. 85. Laut Bericht der Revisoren Dr. Ka u f m a n n und Sigmund S i - m o n wurde die Entlastung ertheilt. Der Vorstand wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung (Alfred Gei'ger, Julius Landsberg, Dr. Jakob Horovitz, Hugo Fränkel, Raphael Ettlinger, Dr. Jsaac Heinemann und Heinrich Wisloch) belassen und die Herren Dr. W. Hanauer und S. Goldüerg zu Revisoren ernannt. Frankfurt a. M., 3. Mai. Rach schwerem Leiden ist heute Morgen Frau Minka Goldschmidt, geb. Freiin von Rothschild, gestorben. Sie war als zweite Tochter des Freiherrn Wilhelm Karl von Rothschild am 38. Rov. 1857 geboren. Im Jahre 1878 verheirathete sie sich mit dem Bankier M. B. H. Goldschmidt. Als ihr Vater starb, stiftete sie eine Million für wohlthätige Zwecke. Auch sonst bethätigte sie einen ausgeprägten Wohlthätigleitssinn; wiederholt machte sie namhafte andere Schenkungen und Stiftungen. - Die Vorliebe für alle wissenschaftlichen Bestrebungen ließ sie auch auf diesem Gebiet segensreich wirken. Die Beerdigung erfolgte am Sonntag vom Sterbehaus, Bockenhcimer Landstraße 10. Oesterreich. Wien, 3. Mai. In der Beantwortung der Interpellation Skedel betreffs der rumänischen Juden erklärt Ministerpräsident Korber, die gemeinsame Regierung würde vom Humanitären Standpunkte eine Verbesserung ihrer Lage lebhaft begrüßen und habe auch wiederholt der Vukarester Regierung eine Besserung des Loses rumänischer Juden nahegelegt. Die Regierung werde der Weiterentwicklung der Verhältnisse der rumänischen Juden ihr besonderes Augenmerk zuwenden. Wien, 1. Mai. In der heutigen Sitzung brachte Herzog (parteilos) den Antrag ein, daß die Juden nicht das österreichische Staatsbürgerrecht erlangen dürfen, im Ghetto wohnen, von Wehrdienst und öffentlichen Aemiern ausgeschlossen sein und einen großen Prozentsatz von ihren Einkommen zahlen sollen, ferner keine höheren Schulen besuchen und an keiner Zeitung Mitarbeiten dürfen. Rußland. Kisckwnew, 1. Mai. Ein Korrespondent aus Kischenew berichtet der „Welt": „Mit zitternden Händen und mit Thrönen im Auge ergreife ich die Feder, um Ihnen den geringsten Theil dessen zu schildern, was ich in den letzten Tagen gesehen und gehört habe. Wehe! Wir sind beraubt und geplündert worden, unsere Häuser verwüstet, Mörder und Räuber sind in unsere Wohnungen gedrungen, viele von Unseren Brüdern sind getödtet oder verwundet worden. Schon am ersten Ostertage hat sich ein Haufen von Gassenjungen zusammengerottet, begann die Juden zu verhöhnen und ihnen die Scheiben mit Steinen einzuschlagen. Aber am folgenden Tage, am 7./20. April, begannen die Unordnungen kn einer solchen schauderhaften Form, wie sie kaum je seit dem Mittelalter stattgefnnden haben. Reiche, begüterte Häuser wurden mit einemmale entleert, Gewölbe geplündert, Geräthschaften in Stücke zerbrochen, Kissen und Bettzeug zerrissen und in alle Windrichtungen zerstreut, so daß sie die Straßen wie mit einer Schneedecke bedeckten. Kostbare Waaren, Seide und Wolle la'gen auf den Straßen, so daß die Wägen anhalten mußten, da die Pferde nicht weiter konnten und der Pöbel nahm alles, was ihm beliebte. Der eine zog ein neues Schuhpaar an und wählte nach seinem Maße, der andere nahm sich einen theuren Rock und kleidete auch sein Weib in kostbare Kleider —und all dies ereignete sich auf offener Straße und Niemand wehrte es ihnen. Hunderte von^ Familien, die früher wohlhabend waren, sind jetzt aller Mittel entblößt,'reiche Leute sind in einer Nacht zu Bettlern verwandelt, alle Häuser sind ganz offen, da die Scheiben und Fenster eingebrocki'en sind. In dem Momente, wo ich sitze und schreibe, sind alle Straßen voll Jammer und Klagen unserer elenden, geplünderten und verwundeten Bruder und Schwestern. - Es ist die Pflicht der jüdischen Wohlthäter,' so rasch als möglich irgendwelche Hilfe zu schaffen an Geld und Geräthschaften, da das Unglück groß, die Roth schrecklich ist. Alles kann man an die Adresse des Amtsrabbiners unserer unglücklichen Stadt, H. Etinger, schicken.'.

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