Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 34 (4.5.1903)
- Date
- 1903-05-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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die von dem Abgeordneten Daszynski erhobenen Anschuldigungen eingehend besprochen und zu widerlegen gesucht.', Dagegen hat er es nicht für nöthig befunden, sich dagegen zu verwahren, daß man den KorpskommaNdanten öffentlich beschuldigt, dem Antisemitismus im Dienst Einfluß einzuräumen.. Rumänien. Bukarest. Dab deutsche „Vukarester Tageblatt" schreibt: „Die Koscherfleisch-Frage." Die strenggläubigen Juden essen bekanntlich bloß das Fleisch von solchem Vieh, welches nach gewissen traditionellen Regeln von den Schächtern oder „Haham's", wie man sie hierzulande nennt, geschlachtet wird. .Run ist in der Stadt Ploiesti seit dem 1./14. März ein Reglement in Kraft, welches allen Fleischhauern befiehlt, das Vieh mit dem Apparate „Demetrian" zu schlachten, welcher den sofortigen Tod des Viehs herbeiführt. Den jüdischen Fleischhauern, welche mit Rücksicht auf ihre Kundschaft dieses System des Schlachtens nicht anwenden konnten, da das Fleisch sonst Nicht mehr „koscher" gewesen wäre, wurde das Schlachten von Vieh in der traditionellen Weise verboten, so daß die jüdische Bevölkerung eine Zeit lang kein Koscherfleisch hatte. Dieser Tage brachte nun der Vorstand der israelitischen. Gemeinde der PriMarie von Ploiesti in Erinnerung, daß nach Art. 21 der Verfassung alle Kulte frei sind, soweit sie nicht gegen die guten Sitten verstoßen, und daß das Verbot des „Schächten»" eine Einschränkung der freien Religionsübung darstelle. Die Primarie wies' diese Beschwerde an den städtischen Sanitätsrath und dieser antwortete, daß das von' den jüdischen Schächtern geübte System des Schlachtens gegen die guten Sitten verstoße, und daß sie deßhalb mit dem Apparate „Demetrian" schlachten müßten. Angesichts dieser Entscheidung sind die Ploiester Juden entschlossen. sich dys Rindfleisch aus Bukarest zu verschaffen." *■ Bezeichnend ist es, - daß auch, in dieser wichtigen Kulturfrage die Rumänen nicht hinter den anderen Kulturvölkern Zurückbleiben wollen. Das ist auch wichtiger.- als der entsetzlichen Thier- und Menschenschinderei Einhalt zu thun. die überall in Moldau und Walachei an der Tagesordnung sind. A f r i t cu Kapstadt. (Erleichte r u n g für jüdische E i n w a n d e r e r.) Der Rabbiner A. P. Ben'der von der hiesigen jüdischen Hauptgemeinde hat sich mit bestem Erfolge bemüht, die Härten zu mildern,, die die strenge Anwendung des neuen Einwanderungsgesetzes. für zahlreiche aus dem Osten Europas kommende Juden zur Folge hat. Es waren noch vor Bekanntwerden des neuen Gesetzes von verschiedenen Schiffskompagnien Passagiere ausgenommen worden. die den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen, und die nun ohne ihre Schuld, plötzlich von der Landung ausgeschlossen werden sollten. Rabbiner. Bender und mehrere angesehene Gemeindemitglieder haben von Kolonialsekretär Sir Peter Faure das Zugeständniß erlangt, daß alle Einwanderer ausgenommen werden sollen, die schon Stellungen für eine bestimmte Arbeitsleistung gesichert haben, und es ist den Herren gelungen, den Fremden, die zum überwiegenden Theil vxschickre Handwerker sind, Arbeit zu verschaffen. Ein zweites, wichtiges Zugeständniß hat der Kronawwalt Hon. T. L. Graham gemacht, indem er^stch bereit erklärt hat, die von den Einwackderen gesetzlich erforderte eigenhändige Unterschrift seines Namens, seiner Adresse und seines Handwerkes in irgend einer europäischen Sprache auch dann als vollwerthig zu acceptiren, wenn die Notizen im Jargon geschrieben sind. Damit ist hier der Jargon von der zuständigen Obritzkeit als eine europäiscke Sprache anerkannt worden. 9 e tt 11 f e i 0 ft rusalem. Alftovifche Vvzayluug von Jsaae Breuer—Frankfurt a. M. II. Der Tag ging zur Neige. Schwarze Nacht senkte sich auf Londons Straßen herab. Aber der Fakelglanz, der plötzlich von allen Fenstern herausstrahlte, verscheuchte die Dunkelheit und noch 'lange wollte das geräuschvolle Treiben kein Ende nehmen. Jammer und Elend' schienen in diesen frohen Zeiten geschwunden: das Ghetto der Juden erstrahlte im Lichtglanz. Aber die Ghettothore waren geschloffen. Die engen Ghettogaffen lagen in stillem Schweigen. Tie düsteren Mauern der Häuser schienen nur wenig erbaut von dem ungewohnten Glanze; nur umso grämlicher hoben sie sich von der Helle ab. Ach. nur die Außenwand hatte Festkleid angezogen. Im Innern herrschten Noth und Thronen. Das fünfte Haus im Ghetto bewohnte David ben Scbulon, der Vorsteher der Gemeinde. Das Haus schien arm und kärglich, wie die anderen, doch zeigen seine Gemächer eine gewisse Wohlhabenheit. . In dem einen Zimmer brannten die Fackeln am Fenster. Es stand leer. Das zweite Zimmer kag im Halbdunkel, denn nur durch das hereinschiMmerckde Fackelkicht wurde es spärlich.erhellt. ' . '