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Der Israelit · 1903-05-04 · Heft 34 (4.5.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 34 (4.5.1903)
Date
1903-05-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nur schwer waren die Personen darin zu erkennen. Auf dem Boden lag ein dicker Teppich, der die Schritte des aufun'd abwandelnden Mannes dampfte. Das Fackellichk fiel eben auf seine Züge: Es war der jüngere der beiden Juden, denen die Kriegsknechte so übel mitgespielt. Er schien dieses Vorganges eingedenk. Finster war sein Antlitz, Ohne Rast und Ruhe wandelte er von einer Ecke zur anderen. Zuweilen lauschte er am halbgeöffneten Fenster dem Lärme, der dümpf von der Ferne herdrang und setzte dann unwillig seine ruhelose Wanderung fort. Im Hintergründe des Zimmers stand eine kleine Wiege und in der Wiege regte sich unruhig ein Knäblein und hätte wohl geschrieen, wenn nicht die Mutter cs rasch in die Arme genommen und geherzt hätte. Da ichlug das Kind die Augen auf und lächelte. Und die Mutter küßte es und legte es dann wieder in die Wiege zurück, und mit dem Arme bewegte sie dieselbe langsam hin und her. Mt leiser, weicher Stimme summte sie in seltsam melancholischen Weisen eines jener Wiegenlieder, wie sie heute noch im Osten Europas gehört werden:; Schlaf, mein Kindchen, schlaf wohl ein. Sollst ein frommer Jude sein. Einmal kommen wird die Zeit, Da auch Dich trifft schweres Leid, Da kein Schlaf und keine Ruh _ Deine Aeuglcin schließet zu. Denn die Feinde sind so schlecht, Qualen uns ganz ohne Recht, Und nicht hilft der Herr geschwind. Weil wir all' so sündig sind: D'rum noch jetzt, wo Du bist klein, Schlaf, mein Kindchen, schlaf wohl ein. Und das Kind lächelte gar glücklich, senkte traumesschwer die Lider und schlief ein. Immer langsamer wiegte die Mutter, immer 'leiser ward ihre Stimme, endlich ruhte ihr Arm und ihre Stimme verstummte. Run erhob sie sich und trat mit leisen Schritten in's dritte Zimmer. Siehe, da ruhte auf niederem Lager ejn Greis — der unglückliche Begleiter Davids ben Sebulon. Auch er schlummerte friedlich. Er sah glücklich im Schlafe aus. Von seinen Lieben mochte er träumen, die er in der Ferne gelassen, zu Hause in Aork, um als Abgesandter seiner Gemeinde an der Abordnung theilzunehmen, die alle Juden Englands morgen zur Krönung König Richards sandten-- oder umgaukelten, vielleicht sein Hirn Bilder vom Jenseits, wo er sich selbst sitzen sah im Kreise der . Gerechten, eine Krone auf dem Haupte, sich freuend am Abg'lanz der Herrlichkeit.— — — Und die Frau legte ihm die Decke zurecht, die durch seine Bewegungen verschoben w.ar/ ging wieder in's andere Zimmer zurück und setzte sich an die Wiege ihres Kindes. '; Da beendete David ben Sebulon seine Wanderschaft, setzte sich neben seine Gattin und beide lauschten^ nun still im Halbdunkel den ruhig tiefen Athemzügen^ ihres Kindes. ' ' . " Endlich unterbrach der Vater das lautloseSchwei-' gen und leise seiner Gattin Hand ergreifend, sprach ep gedämpften Tones: ' '; „Glaubst Dd, daß unser Kind einst viel lachen?.' wird?" . . v „Es wird sich freuen, wenn es seine Pflicht erfüllt und es wird sich freuen, wenn es erfolgreich lernt, ganz ' so wie Du." ' ' ' ° * - „Ob es lachen wird, ob es lachen wird,'frage ich' Dich" H „Gott hat das Lachen von unseren Lippen ge-. ' nommen, seitdem Er unsere Stadt zerstört hat." „O, tausend Jahre sind das schon her und meines Lippe lechzet zu lachen." - . i: „Einst wieder erbauen wird Gott Seine Stadt und,' lachen mag dann Deine Lippe." „Warum, o warum wohl zaudert der Herr, fetiiv Volk zu befreien aus dem Elend? Warum wähl jubeln die Völker all und Israel weint auf der.Asche?' Warum denn schon taufend Jahre ist Juda eine geknechtete Nation? War größer denn unsere Sünde, als die- Sünde des englischen Volkes, 'das selbst sich befreit von.. dem Druck?" . „Hast Du denn vergessen. Mein Gatte, was c'tnftr Du selbst mich gelehrt? Nicht mehr hat als andere Völker gesündigt das jüdische Volk. Aber mit doppeltem Zornes'maße sucht Gott an dem heiligen Volke die leiseste Krümme heim."; * '' „Meine Stirne brennt und mein Kopf ist heiß, , ich weiß nicht, was einst ich Dich lehrte. Es kocht mein ' Blut, wild pocht mein Herz, ich weiß nur, daß man', mich verachtet." -- Und mit fliegendem Athem erzählte er ihr sein Er-. lebniß vom heutigen Tage. Er Merkte es nicht in seiner wilden Erregung, wie sie in jähem Schrecken zusammcnzuckte, da er ihr den Namen des Ritters Robert de Gourdon nannte, dessen Wappen jene Knechte getragen. denn schnell hatte sie sich wieder gefaßt und hörte schwer? gend den Rest seines Berichtes an. * ". „Fasse Muth," sprach sie zuletzt, „und hoffe auf die Zukunft. Morgen führst Du ja die Abordnung aller Länder zum neuen König. Wer weiß, ob nicht Gott das Herz des Herrschers zu unseren Gunsten lenken wird, denn gerecht und milde.-soll sein Sinn sein." . - „Und wenn selbst der König uns wohl-wglltk und^ unsere Hasser zwängen uns zu dulden — — —o'welch? * tra'priges Dasein ist doch' ein ^geduldetes.Da'sün!5-'7.^ - Und von heißem Schmerze erfaßt sprang er aus.' und rief in Tönen voll brenyeüder Sehnsucht:-^- „Jerufcho lajim, Jerüscholaji m. Du' hefkiK' Stadt? ach, daß Du doch ständest in alter Pracht,'daß Deine

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