Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 34 (4.5.1903)
- Date
- 1903-05-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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7ö6 Hochachtung Ihr ergebenster Dr. Fischer, erwählter Erzbischof von Köln." Breslau, 29. April. (Zur Einweihung des neuen israelitischen Krankenhauses.) An dir bereits geschilderte Einweibungsfeier des neuen israelitischen Krankenhauses. Hohenzcllernstraße 96, schloß sich eine Besichtigung der gesammten, unter Ausnützung der neuesten Errungenschaften der Wissenschaft und Technik eingerichteten Anlage, welche sechs auf ein Areal von 1 Hektar 1,60 Ar vertheilte, eine freundliche Gartenanlage umschließende Gebäude umfaßt. Auch die bereits erwähnten hohen Ehrengäste, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, der Oberpräsirrent Herzog zu Trachenberg, der Stadtkommandant Excellenz von Trotha, der Regierungspräsident von Holwede u. s. w., nahmen an der Besichtigung mit Theil. Dieselbe begann in dem Krankengebäude, und zwar in der im Erdgeschoß befindlichen chirurgischen Abtheilung, unter Führung des Leiters derselben, des Primärarztes Dr. R e i n b a ch. Derselbe zeigte die Krankenzimmer 1. und 2. Klaffe nebst den Bade- und sonstigen Nebenräumen, sodann die Zimmer 3. Klasse, den großen komfortablen Krankensaal, den Tagesrnum u. s. w. Das ganz besondere Interesse der hohen Gäste erregten die Operationssäle, welche in der That das Vollkommenste auf diesem Gebiete darstellen und nach den neuesten Prinzipien eingerichtet sind. Herr Dr. R e i n b a ch lenkte speziell die Aufmerksamkeit auf die Waschvorrichtungen, den Sterilisatorenraum und die ebenso in diesem wie in den Operationssälen vorhandenen Leitungen für fünf verschiedene, aseptische und antiseptische Flüssigkeiten, ferner auch die Operationstische, die elektrischen Anschlüsse u. s. w. Nachdem noch das angenehm und zweckmäßig ausgestattete Zimmer des Primärarztes in Augenschein genommen worden war, begab man sich nach dem ersten Stockwerk, wo unter Führung des Primärarztes Sanitätsrathes Dr. S a n d b e r g der Rundgang durch die medizinische Abtheilung fortgesetzt wurde, wobei der Führer die für diese Äbtheilung charakteristischen Einrichtungen demonstrirte.. Hier waren es insbesondere die mit allen modernen Hilfsmitteln ausgestatteten Räume für Hydro- und Elektro-Therapie und das Roentgen-Kabinet, dessen Apparate praktisch erprobt wurden, welche die Aufmerksamkeit fesselten, deßgleichen die Laboratorien. Nachdem die Gäste noch einige mit dem im Erdgeschoß befindlichen übereinstimmende Säle besichtigt, verließen sie das Krankengebaude, um das Wirthschaftsgebäude in seinen beiden Hauptabthei- 'lungen, der Koch- und Waschküche, zu besichtigen, deren praktische Einrichtung viel Anerkennung fand. Auch dem Leicbenhaussder Anstaltssynagoge. den Wasch- und Sezirräumen würde ein kurzer Besuch abgestattet, woraussich die Besichtigung dem Maschinenhaus zuwandte, in welchem der Kesselraum, die Dynamomaschine und Dienstwohnungen enthalten sind. Hierauf wurde die nach der Neudorfstraße zu belegene Hauptfassade des Krankcngebäudes betrachtet, worauf der Rundgang sein Ende in den poliklinischen Räumen erreichte, welche in einem Flügel des Verwaltungsgebäudes untergebracht sind. Hier waren es besonders die mannigfaltigen Apparate des medico-mechanischen Saales, welche das Interesse in Anspruch nahmen. Das Verwaltungsgebäude enthält auch den schönen, mit bemalten Gtasfenstern ausgestütteten Betfaal, in welchem zuvor die Cinweihungsfeier stattgefunden hatte, einen Sitzungssaal und Beamtenwohnungen. .Mt huldvollen Worten der Anerkennung und Befriedigung über das Gesehene und den besten Wünschen für das segensreiche Gedeihen der Anstalt verabschiedeten sich hierauf die hohen Gäste von dem Vorstand des Krankenhauses und den leitenden Aerzten. Ergänzend sei noch zum Theil an Hand der kleinen — jedem Besucher überreichten Festschrift — nock Felgendes berichtet: - Das Hauptkrankengebäude an der Neudorfstraße weist die Frontlänge von 110 Metern auf und ist in Hufeisenform in Corridorsystem geordnet. Es sind vorhanden 60 Betten für chirurgisch . zu behandelnde Kranke, 50 Betten für an inneren Krankheiten Leidende, ferner je 9 Betten für gynäkologisch zu behandelnde Frauen und für Hautkranke. Letztere befinden sich in dem Jnfekttonsgebäude. dessen drei Abtheilungen für Masern- und Scharlachkranke, für Diphtherie- und für septische Kranke vollständig getrennt sind. Die Dampfheizung für alle Räume erfolgt von der Centrale im Kesselhause aus. welches durch begehbare unterirdische Kanäle mit allen-Gebäuden verbünden ist. Von ebenda werden auch die Räume mit einer Warmwasserleitung versehen. Die Beleuchtung ist dürchlveg elektrisch — und zwar in den Operationssälen eine indirekte, durch Bogenlampen. im Uebrigen durch Glühlampen erfolgende — und wird durch eine eigene Maschine und Accumulatoren erzeugt, hat aber auch Anschluß an das städtische Elektrizitätswerk. Gas ist nur für Arbeits- und Koch- ' zwecke vorgesehen. In den Vorbereitungszimmern ist die sog. Nernstlampe.zur Verwendung gekommen. Der Betrieb der Küche erfolgt durch Dttmpf, doch sind auch Koch- und Brutherde für Kohlenfeuerung vorhanden. — Die Dampftvaschankage wird elektrisch betrieben. Die Ausstattung der Jnnenräüme ist hell und freundlich; es ist Werth darauf gelegt worden, die Flächen glatt zu halten und Winkel zu Vermeiden, um eine möglichst durchgreifende Reinigung erzielen zu können. > ----- DieAusbikdung der äußeren Architektur m rothem Backstein sucht durch ihre wirkungsvolle Gruppirung der Massen, durch erkerartige Vorbauten und offene