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Der Israelit · 1903-05-04 · Heft 34 (4.5.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 34 (4.5.1903)
Date
1903-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Menschen ist, diese Lehren vollkommen zu erfüllen — sollen sie deßhalb aus dem Buche der göttlichen Lehre gestrichen werden, damit der Menschheit der Weg zur Vollendung leichter werde? Diese Vollendung ist dem Tode gleich. Der Mensch muß stets sittliche Ziele vor sich sehen, nach denen er zu ringen hat, die er nicht erreicht zu haben glauben darf. Der Mensch lebt nicht vom Brod allein, aber er glaubt leicht, damit fertig sein zu können. Und doch kommt aus dem Mangel an hohen Zielen die Kulturmüditzkeit, welche die sittlichen Güter der Vergangenheit glaubt entbehren zu können. Dem Hammurab'i oder seinen späteren Nachkommen heftete sich diese Ziellosigkeit an die Sohlen. Es strafte sich später, daß diese Gesetzessammlung sich damit begnügte, den Forderungen der damaligen Gesellschaft genugzuthun, ohne an die höheren Gesetze zu denken, die den anderen Menschen als gleiches Gotteskind betrachten, und losgelöst von engherziger Befürchtung für das bloße, eigene Wohl eine Erhebung Aller zu einer glücklichen Lebenslage, zu edlem Streben bezwecken. Dadurch wurden die Herrscher von Babylon Belsazar gleich, der das Menetekel nicht versteht und mitten in seiner Schwelgerei vernichtet wird. Die Forderungen der Thora, welche von den Propheten ohne Rücksicht auf Staatsklugheit geltend gemacht wurden, haben den jüdischen Staat gesprengt, weil dies Gefäß für den Inhalt zu eng war. Aber auch die Nachkommen des Hammurabi sind nicht mehr. Das Judenthum hat die Thora erhalten, durch ihre ewige, anregende Lebenskraft hatte sie die Gewalt, ihre Bekenner die Jahrunderte überdauern zu lassen, und diese brachten ihr freudig die schwersten Opfer. Die Last dieses Gesetzes erhielt ihre Tragkraft, und sie seufzten nicht darunter, wenn man sie es nur ausüben ffejj. Und so waren sie es denn, aus deren Händen die Menschheit dieses Gut empfing. Bibbelleser waren es, welche als Quäker gegen.die Sklaverei auftraten und sie schließlich in Kämpfen beseitigt haben. Dies eine Ergebniß steht vor Aller Augen — wer kann wissen, in wieviel Punkten diese Thorasatzungen außerdem Wandel geschaffen haben? Besäße man Thora und Bibel nicht — hätten die so lange begrabenen Hammurabigesetze der Welt später die geringsten Dienste geleistet? Hätte ihre Auffindung heute denselben Reiz, wenn die Gelegenheit gefehlt hätte, sie mit der Thora zu vergleichen? .. Bei so tiefgreifenden Unterschieden kann von Entlehnung der Thorasatzungen aus Babel nicht die Rede sein. Etwas ganz Eigenartiges, von göttlichem Geiste durchtränktes Ganze ist die Thora, und daß sie die entwickelnde Kraft hat, daß sie den Erdenstaub auch an sich trägt, das verleiht ihr einen weit höheren Werth, als wenn sie nur Glaubenssatzungen enthielte und allgemeine Grundsätze. So hat sie für Jeden etwas, und von jeder Entwickelungsstufe aus kann der Mensch an 755 ihr sich weiter emporarbeiten. Auf der Spitze'der unendlichen Himmelsleiter steht Gott selbst, im Aufstieg der Menschheit zu ihm entwickeln sich stets neue Ziele, und ewig lautet der Gottesruf zu uns herab: „Seid heilig, wie ich selbst heilig bin." 3eit«rrgS«achrlchterr uns Vorrefporwenren. D tu t s ch l a n d. Berlin. Am 13. April starb hier im 81.^ Lehensjahre eine Dame, die für die Aermsten der Annen eine Wohlthäterin gewesen ist, Frau Bertha Neumann geb. Israel. Ihr verdankt die Stadt Berlin, als eine der ersten Kommunen, das Asyl für Obdachlose, das seit seiner Begründung in seinen verschiedenen Anstalten eine Fülle von Segen gestiftet hat. gemeinsam mit ihrem im Tode vorängegangenen Gatten, N. ,H. Neumann, einem durch seine sozialreformatorischen Schriften und Anregungen in gemeinnützigen Vereinen , bekannten Manne, hatte die jetzt Heimgegangene an dem Gedanken, den sie an einem naßkalten Novembertage des Jahres 1868 zuerst gefaßt hat, festgehalten, bis er zur praktischen Durchführung reif geworden war. In dem Schoße des Friedrich Werder'schen Bezirksvereins wurde die neue Idee weiter berdthen und ausßtzstaltet, und Dank der Förderung durch die städtischen und staatlichen Behörden, namentlich, durch den früheren Polizeipräsidenten v. Wurinb und durch. Rudolf Virchow, konnte das erste Frauenasyl am 3. Januar 1869 eröffnet werden. Mit eifrigster Fürsorge um das neue Institut bemühte sich zugleich der bekannte Berliner Bankier Thöld'e; er begründete einen Verein für das Asyl, mit dessen Mitteln diese Humanitären Anstalten sich weiter auf das glücklichste entfalten konnten. Die Verstorbene war eine Tochter des Begründers des bekannten Geschäftshauses M Israel. Ehre ihrem Andenken! Köln, 30. April. (Der Erzbischof von Köln und die Judep.) Der' Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Jülich, Herr Dr/ Hertz, hatte an den neuen Erzbischof von Köln, Dr. Fischer, nach seiner Erwählung zum Erzbischof ein Glückwunschschreiben gerichtet, das der Erzbischof wie folgt beantwortet: „Sehr geehrter Herr Doktor! Die Veglückwiin-- schung des Vorstandes der Synagogenge'm'eind'e von- Jülich hat mich herzlich erfreut und ich säge dafür' meinem innigen Dank.- Gewiß, mein Wahlsprüch: „Omnibus . prodcgsp,. obesse neniinl'?,' gilt äüchgegenüber meinen lieben isr. Mitbürgern, und ich werde solches gegebenenfalls aüch durch die Matbewähren/ Indem ich - Sie bitte, verehrtest» Herr, .Äoktör^d'iese meine Dankesäußerungen zur Kenntniß des Vorstandes der Gemeinde zu bringen, verbleibe ich mit vorzüglicher

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