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Der Israelit · 1903-05-04 · Heft 34 (4.5.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 34 (4.5.1903)
Date
1903-05-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Darum hat Pharao, trotzdem er Jahrhunderte lang Israel geknechtet hat, keinen Rechtsanspruch auf die Israeliten. Seine Königsmacht bäumt sich gegen die unberechtigt scheinende Forderung Mosis, er verspricht und hält nicht, er verhandelt, er will the'ilweise Freiheiten bieten — das nützt nichts: der Unterdrückte gewinnt dem Gewaltigen gegenüber den Sieg, und zwar durch dieselbe Macht, der man sonst allgemein eine Neigung zur Unterdrückung der Freiheit zuspricht: durch Gott, durch die Religion, durch den Gottespropheten und durch seinen Bruder, den Priester. Das ist ein nicht hoch anzuschlagen'der Gewinn. Nicht also Umstürzer, Feinde der Gesellschaft sind es. welche die Freiheit fordern, sondern gerade die Wahrer der höchster Güter. Im Namen der Gottheit konnten demnach die Propheten austreken und die Durchführung dieser Rechte geltend machen. Ein Elia kämpft nicht nur gegen den Baal, er läßt auch die Sache des vergewaltigten Nabot nicht ruhen, und das Geschlecht Ahabs wird gewissermaßen der Gerechtigkeit geopfert. Ein Amos grollt nicht nur denen, die in Bethel opfern, sondern auch denen, die umhertreten auf den Häuptern der Armen und in 'ihrem Erdenglücke der Gedrückten, unschuldig Verfolgten vergessen. Und so geht es in allen Tonarten durch die Bücher der Propheten hindurch. Und das ist echter Thorageist. Es ist keine bloße Redensart, wenn es im ersten Gebot heißt.*) „Ich bin der Herr dein Gott, der ich dich aus dem Lande Egypten geführt habe, aus dem Hause der Knechtschaft."- Darum beginnt das Bündesbuch (Erod. 21, 2): „So du einen hebräischen Knecht kaufst," beschäftigt sich also an erster Stelle mit dem Gedrückten und Unglücklichen, nicht mit dem „Hauptmann" oder „Geschäftsmann". Die anderen Gebote erscheinen als Anhängsel zum Skkavenrecht, das sich 21, 20 und pann von 26 fortsetzt. Ist dieser Theil zu Ende und beginnt 22. 19 das Gottesrecht, so erscheinen sofort Witt'wen und Waisen, die Milderung des Schuldgegesetzes für die Atmen folgt von 24. Um 23.6 fortgesetzt zu werden, um dann vor der Schlußrede wieder 23,9 die Fremdlinge zu bedenken. Nehmen wir den Schluß des Lev. 25—27, so erfüllt Erlaßjahr, Jobel. der Verarmte, der sich als Sklave verkaufen muß. die Auslösung desselben beim Freikauf, das Ganze. Die Verheißung ünd die Strafandrohung, die Lev. 26,3 folgt, erklärt die Verbannung Israels aus seinem Lande daher, daß die Sabbatjahre (mitebenen die' Armengesetze verbunden sind) nicht gehalten worden. Lev. 26, 34, 35, 43. Im Deut., welches mit . Segen und Fluch bei der Wiederholung, der - Gesetze 11, 26—32 beginnt und 27,11—29,69 damit schließt, wird das Recht des Tempels zunächst.-verkündet,-: verbunden: mit anderen Re-- Vor dein .Erkchclneudes Jeremias'sLen VortrageL ucschrkcben^ ligionsgesetzen, die sich darauf beziehen. Die Maßregeln gegen Götzendienst folgten sodann die Verbote , des Speisegesetzes. Dann aber kommen die Satzungen , der Verzehntung. der Armenzehnt, das Erlaßjahr. das Sktavenrecht. und dann erst die Satzung vom Ge- | richtshofe und seinen Befugnissen. Mit dem Kriegs-! recht verknüpft, mitden strengen Ehegesetzen, kommen . immer wieder Satzungen znm Schutze der Armen vor. : das Verbot, den Sklaven auszuliefern, das Verbot des Wuchers, das milde Schuldrecht. die Pfändung der | Witiwen. die Ueberlassung der Feldgarben; in den Fluchworten der Leviten ist Raum für den, der das . Recht der Wittwen und Wckisen mißachtet. Und dabei . der stete Hinweis auf den Auszug aus Egypten. „Thue . keiner Wittwe, keiner Waise, keinem Fremdling Böses, denn du warst selbst arm, warst ein Sklave, Gott Hai . dich erst befreien müssen, danke es IHM dadurch, daß du selbst mild und gerecht bist!" „Nicht sollen die Js-; raeliten als Sklaven verkauft werden, meine Diener - sind sie. die ich sie aus Egypten befreit habe." „Haffe keinen Egypter, denn ein Fremdling warst du in feinem Lande (du weißt also, wie dem Fremdling zu Mutbe . ist)." { Und diese gesetzlichen Begründungen, die sogar - nicht fachmäßig aussehen und doch so tief in das Herz ' greisen! „Gib die gepfändete Decke am Abend zurück, woraus soll denn der Arme schlafen?" „Gib dem; Milchling vor Abend den Tagelohn, denn er ist arm; und daraus hofft seine Seele!" „Wirst du den Armen - quälen, dann wird er zu mir schreien und ich werde sein Schreien erhören. Dann wird mein Zorn entbrennen; und ich werde euch durch's Schwert tödten, und eure . Frauen werden Witiwen und eure Kinder Waisen sein." Sucht man hier vielleicht den „jüdischen Gott der Rache?" Dann höre Man folgendes Wort: „Wenn er (der Arme) zu mir schreit, werde ich ihn erhören, denn ich bin gnädig" (d. h. ich habe Mitleid mit ihm und werde euch seinetwegen strafen). 1 Diese Begründungen lassen es ganz berechtigt erscheinen, daß Hillel jenem Herden, der ihn um den Inhalt des Judenthums fragte, zurief: „W'as dick" nicht i lieb ist, das thue Anderen nicht!" Der stete Hinweis der . Thora aus das Menschengefühl laßt diesen Satz ganz . von selbst als Ergebniß aus den Gesetzen hervorgehen. . Tadle man den Weisen nicht, daß er hinzufügte: „Gehe . hin und lerne!" daß er ihm also „die Last des Gesetzes" , dazu ausbürdei. Was will denn ein vereinzelter Satz an sich sagen, mit dem sich der Mensch leicht brüstet und dufputzt. wenn ihm die Einzelforderungrn fern stehen, , die zur Gestaltung der Lebensverhältniffe nach solchem , Grundsätze führen? Wie Viel leichter ist es, schön zu , reden, als im Einzelfalle edel zu handeln! ' \ Und daß die Thocka diese Satzungen fernerhin als etwas Ewiges bewahrt, soll das nicht als etwas Großes 1 und Erhabenes angesehen werden? So schwer es dem

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