Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 33 (30.4.1903)
- Date
- 1903-04-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449921--58135-2522495- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
die übrigens durch Zeugniß nädjgeimefen wurden, nicht in Abrede, sondern suchte sie lediglich als „patrotische" Betrügereien den Geschworenen schmackhafter zu machen. Der frühere (konservative) Finanzminister Take Jonescu, betonte, daß auch 1901 auf Anordnung des Finanzministers Pallade, Betrügereien bei der Ncnten-Zrehung vorgekommen sind. Nachdem auf diese Wüse der Wahrheitsbeweis geführt war, wurde Parsin von den Geschworenen freigesprochen. Der Vorfall hat überall, namentlich in der Finanzwelt, ungeheures Aufsehen gemacht. — Unter dem Titel „Stourdza und die Juden" schreibt das Oppositionsblatt „Patriotul": „Der Ministerrath hat in seiner Sitzung vom Montag beschlossen, daß V. Lascar. der nach Berlin reist, sich dem Reichskanzler Grafen Bülow vorsiellen und mit Beweisstücken über die wirkliche Lage der Juden in Rumänien Auskunft geben soll. In Folge dessen hat Lascar, der gleich abreisen sollte, seine Reise um einen Tag verschoben, um das erforderliche Material zu sammeln. Wir sind in der Lage zu bestätigen, daß in den letzten 48 Stunden beunruhigende Nachrichten aus Berlin über die Haltung der jüdischen Finanzkreise gegenüber Rumänien eingetroffen sind, und daß in Folge dieser Nachrichten die Minister zu einer sofortigen Sitzung zusammenkamen, und Lascar mit der Mission betraut haben, von der wir oben gesprochen. Auch der „Adeverul" theilt mit, „daß Lascar nach Berlin kommt, und zwar um dem Reichskanzler dafür zu danken, daß er eine so zurückhaltende Haltung bei Gelegenheit der Interpellation des Sozialdemokraten Bernstein bewahrt hat." Auf den richtigen Kern zurückgeführi, bedeuten die Mittheilungcn der ruinänischen Blätter nichts anderes, als daß die Finanzhäuser, die Rumänien nahestehen, nachdem sich ergeben hat, daß Stourdza und andere in hoher Bestallung befindliche Personen an den Fälschungen bei Ziehungen rumänischer Renten-Titres betheiligt sind, hierüber nicht gerade erfreut waren. Mit sentimentalen Gefühlen in der Jud'enfrage hat die Stellung der betheiligten Finanziers, die übrigens nur zum kleineren Theil Juden sind, nichts zu thun, sie haben sich ja auch bisher durch die judenfeindliche Haltung der rumänischen Regierung von Geschäften mit dieser nicht abhalten lassen. Rußland. Petersburg, 8. April. Bor Kurzem wurden mit Zustimmung des Kiewer General-Gouverneurs in Berdntschrw 16 Bethäuser geschloffen, weil nach der Ansicht. der städtischen Verwaltung die Zahl der Bethäuser in Berdytschew in keinem Verhaltniß zur jüdischen Einwohnerzahl steht. Das an den Senat gerichtete, von den Besuchern der betreffenden Bethäusern unterfertigte Gesuch Wurde Höherenorts — abgewiesen. — Eine interessante Thatsache liefert der in dem „RegieruNgsboten" vom Minister des Innern veröffentlichte Bericht über die Resultate des Aufrufs zur Wehrpflicht vom Jahre 1902. Es ergibt sich aus den offiziellen Zahlen des Berichtes, daß nicht Nur verhältnißmäßig sehr viel 21jähr8ge jüdische Männer in die Listen der zur Stellung Berufenen eingetragen worden sind, sondern daß auch viel mehr Juden als Nichtjuden affentirt worden sind. Diese Ueberzahl der unrechtmäßig affen irrten Juden beträgt laut dem Ergebniß des amtlichen Berichtes 4947 Man». Da der Bericht außerdem noch bemerkt, daß 1691 Juden zu wenig affentirt worden-sind, so ergibt sich daraus, daß von den russischen Juden im Jahre 1902 um 6638 Mann zu viel verlangt worden sind. Die jüdische Bevölkerung, welche ein Mehr von 4947 Mann gestellt hat, ist nicht im Stande, die ganze verlangte Zahl an neuen Rekruten zu verschaffen, muß für dre Fehlenden.per Kopf 300 Rubel Strafe zahlen, was zufaMmengenommen circa 607,300 Rubel ausmUchen wird. Zahlen sprechen! Als Kanonenfutter sind' die Juden noch immer gui genug! — Die in Port-Arthur erscheinende Zeit'uNg ..Nowh-Kraj" theilt mit, daß den Juden erlaubt worden ist, sich in der Stadt Daljnji anzusiedeln und dort Grund zu erwerben. Die Erlaubniß hängt von Fall zu Fall von dem Ermessen und der Resolution des Statthalters ab, welche er auf Grund eines vom StadtoberhaUpte von Dainij befürworteten Gesuches eriheilt. Der Verkauf von Grundstücken in Dalinij findet auf sehr einfache Weise ohne notariellen Akt durch die Ortsobrigkeit statt, welche dem Käufer einen Schein hierüber ausstellt. Dieser Schein bat, nach feiner Eintragung in das Grundbuch alle Rechte eines Kaufvertrages, und' es bedarf hierzu keinerlei Formalitäten. Hat ein Jude das Recht in Dalinii zu wohnen, so hat er gleichzeitig das Recht. Grundstücke-und Immobilien zu erwerben. Die Juden haben auch das Recht, ihre Grundstücke anderen Leuten zu verkaufen, doch unter der Bedingung, daßes nicht Juden lein sollen (außer solchen, welche das vollständige Recht besiken. dort zu wohnen). -- Kherfo«, 23. April. (Die Exceffe gegen die Juden inBesfarabien.) Die erheblichen antisemitischen Kundgebungen, welche, wie ein offi- Telegramm aus Kischinew meldete, an den ersten beiden russischen Osterfeiertagen in Vessarablen stattgefunden haben, sind das Ergebniß eines „Ritualmordaprüchtes." welches ln Südrußland vor ungefähr vier Wochen von unbekannten Personen ausgestreut und von den antisemit. Blättern von Kischtnew und Petersburg, den -Vessarlabets" und der „Nowoje Wremja," zu ihren beherrschen Zwecken ausaebeütet wurden. In dem Städtchen Dubossary im Gouvernement Cherson, das aroßtentherls von Juden bewohnt ist. wurde vor unqvfahr vier Wochen die Lerche d^s christlichen Knaben