Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 33 (30.4.1903)
- Date
- 1903-04-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Rybalenko mit deutlichen Spuren eines gewaltsamen Tvdes im naheliegenden Bache aufgefunden. (Wir haben darüber schon ausführlich berichtet. Red.) Alsdann wurde das Gerücht verbreitet, die Juden hätten den Rybalenko ermordet, um sein Blut zu Osterzwecken zu gebrauchen. Und wie immer bei derartigen Geschichten menschlicher Dummheit und Schlechtigkeit es der Fall - ist, fanden sich alte Klatschweiber und junge Müßiggänger, welche sogar mit eigenen Augen gesehen haben wollten, wie der Christenknabe Rybalenko in einen jüdischen Krämerkaden trat, den er nicht mehr verlassen habe. Diese Gerüchte wurden von Antisemitenbl'ättern dazu benützt, um ungescheut die Ermordung Rybalcnko's als einen jüdischen Ritualmord zu. bezeichnen. Die Folge dieser Hetze war, daß das Städtchen Dubossary von der christlichen Bevölkerung belagert wurde. Allein die russischen Behörden thaten Alles, Um die christliche Bevölkerung zu beruhigen uttd die Ursachen des Mordes klarzustellen. Eine gerichtliche Commission mit dem Ober-Staatsanw'alte von Odessa an der Spitze, nahm in Dubossary die Exhumirung der Leiche Ryb'alenko's zweimal vor und erklärte auf Grund genauer ärztlicher Untersuchung, daß der Tod Rybalenko's im Raufhandel erfolgt, daß das-Gerücht von einem angeblichen „Nitualmorde" völlig erfunden sei. Der Gouverneur von Cherson, Kammerherr Lewaschew, nöth'igte sogar die Zeitung „Bessarabets", die Verbreiterin der falschen Gerüchte, öffentlich zu erklären, daß die Ermordung des Chtistenknaben Rybalenko mit einem Ritualmorde nichts zu thun habe. Aber alle diese Maßnahmen scheinen doch die gewünschte Wirkung nicht erzielt zu haben. Denn wenige Tage vor dem russischen Osterfeste erhielt die Ober-Verwaltung Kenntniß, daß große Krawalle-gegen die Ju-, den in Vessarabien beschlossen worden seien. Es wurden zwar militärische 'Vorkehrungen getroffen, höhere Veanlte wurden nach den unruhigen Ortschaften entseUdet, aber eine Beruhigung der Gemüther fand doch nicht statt. An beiden russischen Osterfeierkagen, am 19. und am 20. d. Mts., fanden in vielen Ortschaften in Bessa- .rabien arge Excesse gegen die Juden statt, welche nur durch Mkkitärgewalt unterdrückt werden konnten. Doch wurde in vielen Ortschaften das Hab und Gut der Juden völlig vernichtet und viele Juden auch mißhandelt.' Berichte über Einzelheiten bei diesen Krawallen stehen ncch aus. . Kischinew. Rach Angabe der Zeitung „Bessaraber" Wurden Hierselbst bei der jüngsten Hetze 37 Juden getödtei, durchweg durch Schläge, mit stumpfen Gegenständen auf den Kopf. Im jüdischen Hospital liegen 62 Schwerverwundete.. Viele. sind gräßlich verstümmelt. > Der -Zustand der. meisten ist hoffnungslos. Letzte Nachrichte». Mainz, 30. April. Im Alter von nahezu dreiundsiebzig Jahren verschied heute im hiesigen Rochushospital in Folge einer Blinddarmentzündung Commerzienrath George Hirsch, Inhaber der gleichnamigen Speditionsfirma dahier. In Friedberg in Oberheffen geboren, wo sein Vater als frommer und thorakundiger Mann lebte,- kam Herr Hirsch noch in jungen Jahren hierher, und brachte es hier durch äußersten Fleiß und strenge Redlichkeit bald zu Ansehen und Vermögen. In Bezug auf Religiosität wackdelte er aber nicht in den Fußtapfen seines Vater, schloß sich vielmehr der neoldgen Gemeinde an, wo er, in'den Vorstand berufen, diesem bis zu seinem Lebensende angehörte. Staat und Gemeinde ehrten den hochintelligenten Kaufmann auf mannigfache Weise. Er war Stadtraih, Handelsrichter, Mitglied der Handelskammer etc. etc. Bei der Redaktion des „B. G. B." wirkte Herr. Hirsch in hervorragender Weise mit. Für die jüdischen Wohlthätigkeitseinrichtungen in Stadt und Land zeigte er stets ein hohes Interesse, es war selten eine Sitzung oder Versammlung derartiger Vereine, in denen er fehlte. Im persönlichen Verkehr liebte es Herr Hirsch, hebräische Citate aus TalmUd, Midrasch und Bibel zu gebrauchen, in Erinnerung an seine strengreligiöse Erziehung. Wäre Herr. Hirsch dem Glauben seiner Väter nicht nur in Wort, sondern auch in der Thai treu geblieben, so wäre ihm am Abend seines Lebens ein großer Schmerz erspart geblieben. Vermischtes. Frankfurt. Herrn Dr. Adolf Brüll wurde anläßlich seines Ausscheidens aus dem Lehramte der rote Adlerorden 4. Klasse verlieben. fjMe feit 1865 in Frankfurt a. M. bestehende Wurstlerei des Herrn Mayersohn, unter Aufsicht Sr. Ehrwürdeu Herrn Rabbiner Dr. S. Breuer, sabricirt seit einiger Zeit einen neuen Artikel, der sicher lrtmnm not Sott nrfnrtSnfmt aTP auX Aa* Va.. yergestellter Fleuq-Eriract, wie er bester bis jetzt noch nicht eristirt. Der. Extract. ist so, kräftig, daß eine Messerspitze desselben genügt, um einen Zeller wohlschmeckender Fleischbrühe herzustellen» oder ganze Suppen und Saucen zu kräftigen. Nicht zu verwechseln?der-zu vergleichen ist dieser Fleifch-Ertract mit andern im Handel benndlichen Suppen-Extract. die wohl Würze, aber keine Kraft bilden. _Anträge i 1968000 inebr als. SltcMcrUIlJCn -uu iw wm» \-tnx IW «w im.ui als nl der gleichen Zelt des VoriahreS) abgeschlossen worden Es hat sich damit der Versichern,igcnsbestand auf 657 Millionen Mark gehoben, wahrend das Vermögen auf 229 Millionen Mark angewachten ist. - , , ... Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegenseltlakelt«anstalt,m. fließen alle Ueberschnsse in Gestalt von Dividenden den Verncherten wieder 3u. die auf diese Weise bis jetzt 81 Millionen Mark erhalten haben. Im lausenden Jahre betragt die Divldende^fur die langer als fünf Jahre bestehenden Versicherungen denn Dividendenvlan a. wie seit mehr als pmpm v , — 'ir*- 5jtauyu.vu ouiugiicuuiieit. u« vcui Dividendenvlan S gelten stelgende. nach der Dauer der Versiche- Dividendensätze,,die die Leipziger Gesellschaft in der von Anfang an in Aussichtgestellten Höhe -fortgewährt