Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 33 (30.4.1903)
- Date
- 1903-04-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Bütow i. P., 27. April. Am 20. d. M. wurde hier der älteste Bürger der Stadt, Herr E. Wolffr a m, zur ewigen Ruhe bestattet. Derselbe gehörte über 30 Jahre lang der Stadtvertretung als Stadtverordneter und Rathsherr an und war lange Zeit der erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Seine Beerdigung fand von der Synagoge aus statt, wo der Lehrer und Prediger Frank die Gedächtnisrede hielt. Die Stadt und die Gemeinde waren fast vollzählig offiziell vertreten. Der Verstorbene, der auch den Titel „Stadtältester" führte, war beliebt und bekannt in Stadt und Land von Hinterpommern. Saalfeld (Ostpr.). (Durch Versehen, der Redaktion leider verspätet.) Die letzten Tage des Freudenmonats Adar haben unsere kleine Gemeinde in tiefe Trauer und Klage versetzt, indem einer der besten Bürger unserer Stadt, der fromme, gottesfürchtige und bescheidene Führer und Leiter unserer Gemeinschaft am 26. März, 69 Jahre alt, plötzlich von uns genommen wurde. Jakob Gold st ein ist nicht mehr, und wie von unserem Vater Jakob müssen wir sagen: p’isrxr rmn n;s rrnn ns mr n:a cm ne?y »pen ,*c. Er, der fleißige, thätige Kaufmann, setzte einen besonderen Werth darin, als Vorbeter und Baal Kore zu fungiren, wenn irgend eine Vertretung des Kultusbeamten nöthig war; das Leben dieses reichen Mannes war ganz von n'n rrruy mm erfüllt. In diesem Sinne hat er auch in Gemeinschaft mit seiner treuen, frommen Gattin seine zwei Söhne und die einzige Tochter erzogen. Sein alter, treuer Freund, Herr Prediger Sturmann, Osterode, hat wegen Rosch Chodesch in kurzen aber von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten das Leben des Heimgegangenen geschildert und den Leidtragenden und der Gemeinde Trost zugesprochen. L. W. Oesterreich. Lemberg, 23. April. Aus Raw'a-Ruska wird gemeldet: „Heute um drei Uhr Morgens ist im Marktflecken Uhnow in Folge Brandlegung eine Feuersbrunst ausgebrochen, welcher bis 10 Uhr an vierzig Wohnhäuser zum Opfer fielen. Die christliche Bevölkerung bezeichnete Juden als Urheber des Brandes, zumal das Feuer im Schoppen eines Hauses entstanden ist, in welchem der Convertit Jchel Klein wohnte. Die durch wiederholte Brände aufgeregte Menge stürmte die Judenhäuser, deren Fenster eingeworfen wurden. .Die Ruhestörungen nahmen, während die Feuersbrunst wüthete, einen ernsten Charakter an. Jchel Klein wurde todtgeschlagen, zwei andere Personen erlitten so schwere Verletzungen, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Die Gendarmerie war nicht im Stande, die Ruhe wieder herzustellen, und ein Jägerbataillon wurde aus Rawa-Ruska nach Uhnow kommandirt. - — 23. April. Die Nachricht des „Kuryer Lwoski", daß bei den judenfeindlichen Excessen in Uhnow fünf I Personen getödtet wurden, ist falsch. Amtlich wird * überhaupt in Abrede gestellt, daß irgend ein Menschenleben zum Opfer gefallen sei,, während der «Dziennik Polkski" mit Bestimmtheit meldet, daß der von der Menge mißhandelte Jchel Klein den Verletzungen erlegen sei. Amtlicherseits wird jedoch bestätigt, daß die Ruhestörungen einen bedenklich gewalthätigen Charakter hatten. Die Verkaufsgewölbe der Juden wurden zerstört; Fenster, Thüren und Einrichtungsstücke der Judenhäuser zertrümmert. Viele Juden wurden mißhandelt, einige Juden schwer verwundet. — 24. April. In Uhnow ist Militär-Assistenz eingetrossen. Es wurden dortselbst zahlreiche Gewaltthätigkeiten begangen, viele Verkaufsgewölbe zerstört, Fensterscheiben eingeschlagen, Thüren, Fenster und. Einrichtungsstücke zertrümmert. Mehrere Juden wurden mißhandelt, einige derselben schwer verletzt. Die Nachricht, daß irgend Jemand getödtet wurde, ist unrichtig. Rumänien. Bukarest. In Rumänien ist ein neues Gesetz beschlossen worden, welches ebenfalls zum Nachteil der Fremden, d. h. natürlich der Juden, Sonderbestimmungen enthält. Zu dem Gesetz über die Volksbenken, welches am 28. März in der Kammer verhandelt wurde, stellte der Abgeordnete Porumbaru zum Artikel 7 den Antrag, daß nur Rumänen an der Verwaltung der Banken theilnehmen können, der Abgeordnete Exaru, daß nur Rumänen Genossen solcher Banken sein dürftn. Der Minister Constantinrsci acceptirte diese Vorschläge, die, wie er (übrigens zu Unrecht) behauptet, nur das für Rumänien bestimmen, was in anderen Ländern bei ähnlichen Einrichtungen rechtens sei; daß nämlich nur solche Personen Genossen der Banken sein könnten, welche bürgerliche und politische Rechte genießen. Die „Alliance Jsraelite Universelle" hat daraufhin beschlossen zur Errichtung solcher Kaffen Beihülfen zu gewahren, nachdem die bisher 'begründeten derartigen Kassen sich sehr bewährt, und namentlich den Sinn für Sparsamkeit und gegenseitige Hülfe gekräftigt haben. Bedingung ist, daß die beteiligten jüdischen Gemeinden ebenfalls entsprechend zur Errichtung der Kassen beitragen. — Auf die Zustände in Rumänien wirst ein Prozeß ein.bezeichnendes Streiflicht, welcher soeben gegen den Radakteur S. P r a s i n, Herausgeber des „Evenimentul". geführt worden ist. Prasin hatte in seinem Blatte behauptet, daß der Vicepräsident der Kammer, Protopopescu, und der Ministerpräsident Stourdza im Jahre 1887 Betrügereien bei der Ziehung rumänischer Renten-Titres_zu Gunsten der rumänischen Finanzen veranlaßt hätten. Porumbaru, der Anwalt Protopopescus/ der wie oben mitgetheilt, bei der Berathung des Volksbankengesetzes Proben seiner nationcrl-antisemitischen Gesinnung gegeben hat, stellte die Betrügereien,