Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 33 (30.4.1903)
- Date
- 1903-04-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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und so über die Maßen gut gelungen ist, fo ist das zum größten Theil dem Eifer -und dem guten Willen der Mitwirkenden zu .danken. Eine geradezu hervorragende Leistung 'bot Herr Arthur Rosen bäum als Juda. Die scharfe Charakteristik, die feine Pointirung, die er seiner Rolle angedeihen ließ, machten diese zu einem Meisterstück. Von den anderen Spielern besonders hervorzuheben sind die Damen L. und A. Kauffmann (Lea und^ Räemi), und die Herren Ving (Simon) und Schneider (Johannes). Vorzüglich warauch die Wiedergabe der Rollen von Jonathan, Eleasar.*) Jojakim, Simei (Kahn), Amri (Bender), Boas Rikanor (Schatzmann), Gorgias (A. Schwarzschild). Das ZusaM'menspiel in den Szenen, in welchen Jud'a seinen götzendienerischen Oheim tödtet, war prachtvoll und die Wirkung eine erschütternde. Frenetischer Beifallsjubel umtoste immer und immer wieder die Darsteller. In der darauffolgenden Kaffeepause bewährten sich die Konditoreien Seligmann und Schmidt, um deren aufgefahrene Kuchenb'erge ein wahrer Kampf entstand. Die Größe der Pausen, sowohl der Hauptpausen, wie die zwischen den einzelnen Darbietungen, verursachten, daß der Schluß der Feier erst sehr spät am Abend erfolgte, daß viele Zuschauer den Saal verließen Nlkd so um manchen vollendeten Kunstgenuß kamen. Fräul. Martha S ch a m e s und Fräul. Rosie Mayer spielten sodann einige Szenen aus den „Pikkolomini", 3. Akt. Das Spiel der beiden Damen. machte vergessen, daß es eben nur ein Spiel war und nicht Wahrheit. Diese natürliche, ungezierte Art der Darstellung ergriff auch in dem Maße, daß nicht endenwolleNder Applaus die Künstlerinnen belohnte, und fast ein halbes Dutzend'mal mußten sie vor der Rampe erscheinen. Nun erschienen malerische Gestalten auf dem Podium. Ungefähr sechzig Kinder in Hirten-Kostümen waren es, versehen mit Pfeifen, Trompeten und Trommeln die Kleinen, mit Violinen die Größeren, und spielten unter Leitung des Gesanglehrers der Anstalt, Herrn Wahl, die Kind'ersymphonie von Romberg. Die schönen Leistungen der Kinder fanden wohlgefällige Aufnahme, und die darauf verwandte Mühe wurde dadurch reich belohnt, daß das Stück auf stürmisches Verlangen des Publikums wiederholt werden mußte. . .. Einen Haupt-Anziehungspunkt der Feier bildeten . die Lebenden Bilder, gestellt nach den bekannten Oppenheim'schen Bildern aus dem jüdischen Familien- - leben. Die naturgetreue Kostümirung und Aufstellung •) Auf dem Zettel rcMte Namcnaugabe. sodan man auf müudlickie Auskunft angewiesen war. Ter Referent bittet daher um EntscknUdigung. wenn einzelne Nun cn falsch und andere gar nicht angegeben sind. wirkten geradezu überraschend. Schülerinnen*) der Anstalt sprachen vor jedem der Darbietungen einige begleitende Worte. Das erste Bild war „Freitag Abend", wobei der Chor hinter der Bühne L'cho daudi sang. Auch bei den späteren Bildern ertönte paffender Gesang aus 'dem Zuschauer unsichtbaren Kehlen. Es folgten nun „Kkddusch", „Ruhe am Sabbat-Nachmittag". Letztgenanntes Bild erregte besonders Beifall. „Hawdoloh" und „Seder-Aberrd" waren ebenso prächtig, wie dem Original ähnlich vorgeführt, und die Geduld der Mikwirkenden war bewUnderswerth, wenn man noch in Betracht zieht, daß Viele derselben kleinere Kinder waren. Das letzte der Bilder^stellte die „Rückkehr des Freiwilligen" vor; Än besonders dankbarer Vorwurf zur Darstellung, die auch voll und ganz gelungen war. Ein Schlußchor machte der in jeder Hinsicht die Erschienenen befriedigenden Feier ein Ende. Ein Festmahl in der Frankfurtloge, an dem etwa vierhundert Personen theilnahmen, beschloß dann am Dienstag die Jubiläumsfeier. Mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnete Simon Bock den Abend. Rabbiner Dr. Breuer legte die Bedeutung des Festes dar. Er schilderte in beredten Worten Leben und Streben' des Gründers der Anstalten. Die Schule, die unter Samson Raphael Hirsch groß geworden, solle auch unter dem neuen Direktor Dr. Lange mächtig sein und stetig fortschreiten. Auch Dr. Lange toastete auf das Heil der Schule. Im Anschluß an seine Ansprache verlas er ein Danktelegramm des Kaisers. Im Laufe des Abends wurden, noch Toaste ausgebracht auf Rabbiner Dr. Breuer, auf die Tischgesellschaft, auf Direktor und Lehrerkollegium, sowie auf Verwaltung und Schulrakh. M. A. L o e b regte die Gründung eines Vereins ehemaliger Schüler und Schülerinnen der beiden.Anstalten an. Gemeinsame Festlieder, gesangliche und deklamatorische Vorträge sorgten für viele Abwechslung. In spater oder früher Stunde gelangten zwei Festspiele zur Aufführung: „Jeschuruns Sieg" von Neuberger und „Babel und Bibel", ein einaktiger Schwank von Dr. B o n d i. Wir schließen mit den Worten,. in welchen die oben zltirte Arbeit Professor Sulzbach's ausklintzt: Fünfzig Jahre Geschichte einer Schule sind an unserem geistigen Auge vorübergegaNgen. fünfzig Jahre geistigen Strebens, emsigen Schaffens, fleißiger Arbeit. Und wir dürfen sagen, das Streben war nicht umsonst, das Schaffen würde von Erfolg gekrönt, der Fleiß belohnt. . - So reicher Entwicklung und Ausgestaltung unsere SchÜlen während der fünfzig Jahre sich erfreuten^ an ihrem Prinzipe hat der Lauf der Jahre nichts geändert; wir haben es bewiesen, daß es möglich ist, dem Unterricht im Hebräischen einen weiten Raum zu gönnen, ') Siche die vorhergehende Fußnote.