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Der Israelit · 1903-04-30 · Heft 33 (30.4.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 33 (30.4.1903)
Date
1903-04-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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781 Außerdem enthält die Festschrift noch folgende Mbildungen: 1) Titelzeichnung. Von Zeichenlehrer Georg Widmann. 2) Neues Schulgebäude, am Thiergarten Nr. 52. Vorderansicht. 3) Altes Schulgebäude, Ecke Schützen- und Rechneigrabenstratze. 4) Rabbiner Samson Raphael Hirsch, weil. Direktor der UnterrichtSanstalten. 5) Dr. Mendel Hirsch, weil. Direktor der Unterrichtsanstalten. 6) Neues Schulgebäudes cm Thiergarten 62, Seitenansicht. . * * * Der zweite Akt der Festlichkeiten war die Feier, die am Spätnachmittage ebenfalls in dem großen Saale des Thiergarten-Gebäudes stattfand. Den großen Raum, welcher mit Blumen. Emblemen, Fahnen u. f. w. reich geschmückt war, füllten schon lange vor Beginn der Aufführungen die Freunde und Gönner der Schule, und äls das Programm um ]/j3 Uhr seinen. Anfang nahm, konnte man die Zahl der Anwesenden auf reichlich sechshundert schätzen.' Erschienen waren auch hier Herr Provinzialschulraih Dr. Kayser, Pr.-Rabb. Dr. M. C a h n - Fulda, Dajan Gers. Posen, der Vorstand der Religionsgesellschaft und v. A. Die Feier eröffnete ein Largo von Händel, das Frl. Klementine und Herr Robert Schwarzschi l d mit Wahrhafter Virtuosität vortrugen, und mit Hilfe der kunstvollen Pianobegleitung des Frl. Diefenbronner, Lehrerin der Anstalt, errangen sie sich den 'lebhaften Beifall der Zuhörer. Als zweite Nummer folgte der Prolog, verfaßt von Herrn Perez Posen, vorgetragen von Frl. Anna Ellern. In dem schönen und mit Ausdruck vorgebrachten Gedichte ging der Verfasser von der Offenbarung am Sinai aus, wo die Juden mit den Worten „Naäseh W'nischmah" ihre Bereitwilligkeit,. Gott zu dienen, ausdrückten. Dies Versprechen hielten sie jedoch nie längere Zeit hindurch. Die Thora war gar oft im vieltausendjährigen Laufe der Geschichte in den Hintergrund gedrängt worden, und in einem der kritischsten Momente, vor einem halben Jahrhundert, da gründete Samson Raphael Hirsch diese Schule, die den Glauben an die heilige Lehre festigen und stärken sollte. Und wie ist ihr das gelungen! Als schwaches Reis wurde sein Werk eingepflanzt, jedoch nicht auf unfruchtbarem Boden. Mit wenigen Schülern begann der Gründer seine Thätigkeit, undauf welch' stattliche Anzahl können wir jetzt mit Stolz blicken. Mit einem Dank an die Anwesenden für ihr zahlreiches Erscheinen, ein Zeichen für ihr lebhaftes Interesse an. der Schule, schloß die Vortragende ihre mit reichem Applaus aufgenommenc Deklamation. ' . .- Nun begann die Aufführung des speziell für diesen Tag von. dem jungen, begabten Herrn Perez Posen verfaßten Festspiels. Besonderes Lob ist hierbei den Bemühungen der Herren Oberlehrer Dr. B o nd i und dem Mitglied deS Frankfurter Schauspiels, Herrn Max BayrHamme r zu spenden, die als Regisseure fuNgirten. Das ZusamMensprel, in dem nur Schülerinnen bezw. Schüler der Anstalt als Darsteller aufträten, war ein vol- - lcndetes. Der Inhalt war kurz folgender: Diexjiidische Lehre, dargestellt von Frl. Ernestine M o s - bacher, gibt einen Ueberblick über Israels Geschichte 'lind die Beachtung, welche sie im Laufe der Zeiten bej ihren Anhängern gefunden. Bitter beklagt sie, daß in fast allen Gegenden der Erde die Juden versucht hätten, ihr den Todesstoß zu ertheilen, nachdem die Ghettomauern gefallen wären. Doch hier in Frankfurt, der durch alle Tugenden ausgezeichneten Stadt am Maine, hier könne sie sich enthüllen und mit offnem Blicke vor. die Welt treten. Es erscheint der Zeitgeist. Dieser, von Herrn Moriz Goldschmidt in frisch-fröhlicher, keck-lustiger Weise dargestellt, geht gerade auf's, Ziel los und wettert in gewandt deklamirten Versen auf die „veraltete" jüdische Lehre, da sie ihm nur ver-. Meiert erscheint. Daraufhin wirft sie'den Schleier; ab und er, geblendet von ihrer Schönheit,-"weicht zurück. Sie nimmt dann auf. erhöhtem Sitze Platz und Philosophie (Helene Posen). Pädagogik (Reg. Schwa t zschild), Medizin (Alice Bock), Naturlehre (Sära^ Rosenbau nt), Handel (Selma Kah n), Guter Ton (Franziska Birnbaum) treten auf und huldigen ihr. Der Reihe nach suchen sie den Zeitgeist zu überzeugen, und der stellt endlich die Bedingung, daß' wenn er moderne, fromme Menschen sehe, er sich ergeben wolle. Da ziehen mit Gesang Schüler und. Schüle-. . rinnen jeden Alters mit der Fahne der Unterrichts- ■■ anstatt vorbei, und der Zeitgeist erklärt sich überwunden. Die Schlußworte, gesprochen von der Darstellerin der Philosophie, lauteten: - '' „UNd wird sie jemals dieses hohe Ziel erreichen,. .** Sich wahre jüdische Menschen zu erziehen, r Bereit, sich allem Edlen anzupassen, Und jede Kraft, die ihnen Gott verliehen, Im Dienst der Menschheit thätig sein zu lassen. " Dann wird die Schule, die bis Heu!' gediehen,'. ' Auch noch, wenn wieder fünfzig Jahr vergangen, In unversehrter Jugendfrische prangen." . Tosender Beifall zeigte den Aufführenden, welch'... tiefen Eindruck das Festspiel auf die Anwesenden/.;Her/.. ', vorgerufen hätte. - ' 'Ein Hauptanziehungspunkt der Feier bfc . Jnszenesetzung des zweiten Aktes von Ludwigs ,Makv kabäern". Schon' öfters in letzterer 'Zeit 'hat' mast versucht, dieses' Stück wieder auf die Bühne "zu' b'riWir,^- und in verschiedenen Städten wär 'auch diesirÄersuch^ als geglückt zu bezeichnen'/ Bedenkt mawaber, daß Man'' es hier mit Dilletanten zu thun hatte, so muß es als ein Wa'gmß erscheinen, daß Herr Max Bayrhamm e r es unternommen hatte. Und wenn es gelungen

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