Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 33 (30.4.1903)
- Date
- 1903-04-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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730 das bewies die Theilnahme an dem heutigen' akademischen Festakte, durch den die Jubelfeier eingeleitet wurde. Der große Saal des Zoologischen Gartens war, da die Anstalt selbst keinen Festsaal besitzt, zum Ort der Feier gewählt worden, und Saal und Galerien waren von einer dichtgedrängten, festlich gekleideten Menge alter und junger ehemaliger Schüler und Gemeindemitglieder besetzt. Die Festversammlung begrüßte zunächst Herr Verlagsbuchhän'dler Jakob Rosen heim Namens des Schulvorstandes. Dann betrat Herr Provinzialschulräth Dr. Kaiser die Rednerbühnc. In Vertretung des Herrn Oberpräsidenten, der durch dringende Berufsarbeiten am persönlichen Erscheinen verhindert war, überbrachte er die Grüße der staatlichen Schulaufsichtsbehörde und gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Anstalt. Er lobte den wissenschaftlichen Geist, der in ihr herrschte und rühmte die Thätigkeit ihres Begründers S. R. Hirsch, seines Sohnes, Dr. Mendel Hirsch und des jetzigen Leiters Dr. Lange, denen stets eine tüchtige Schaar von Lehrern und Lehrerinnen zur Seite stand. Es sei ihmeine Freude, dieser Lehrerschaft nicht nur die Anerkennung der Schulaufsichtsbehörde aussprechen, sondern auch ein äußeres Zeichen dieser Anerkennung von Allerhöchst. Seite übermitteln zu können. Dabei überreichte der Schulrath den beiden ältesten Lehrern, Prof. P o r t - mann und Prof. S u l z b a ch, den Rothen Adler-, orden IV. Klasse, und dem Schüldiener Ernst das Allgemeine Ehrenzeichen. Er schloß unter lautem Beifall mit dem Wunsche, daß Gottes Schutz und Segev fort und fort über der Anstalt walten möge. Namens des Gemeindevorstandes sprach Herr Rabbiner Dr. B r e r: e r. Er erinnerte daran, daß die Schule in der Zeit der jüdischen Reformbewegung entstanden 'und von Vielen als ein todtgeborenes Kind betrachtet worden sei. Aber der Stein, den die Bauleute verworfen haben, sei zum Eckstein geworden, und. auch bei den staatlichen Behörden habe die Anstalt stets wohlwollende Unterstützung' gefunden. So sei der Wunsch des Rabbi Samson Raphael Hirsch s. A. in Erfüllung gegangen, daß die Schule den Kindern und Krndeskindern zum ewigen Heile gereichen möge. Herr. Bürgermeister Dr. V a r r e n t r a p p überbrachte herzliche Glückwünsche Namens des Magistrats. Die hohe Achtung, deren sich die israelitische Religionsgesellschdst in Frankfurt a. M. erfreue, sei nicht am wenigsten, zurückzuführen auf die Leistungen 'ihrer Schule, aus der so viele hervorragend tüchtige Männer und Frauen hervorgegangen seien. Der Magistrat;fei davon. durchdrungen, daß die Schule in ihren Zöglingen stets M Byyußifein^ '.mich erhalten-'werde, Angehörige des großen deutsche^.Staates -und-..Burger unserer. **) In ähnlicher Weise sprach im Dez. 1881 Oberbürgermeister Mrquel bei der Einweihtlng des neuen Schuihanses. Namens der höheren Schulen Frankfurts begrüßte der Direktor des Kaiser Friedrich-Gymnasiums, Herr tGeh. Rath Dr. H a r t w i g, die Jubilarin. Bride ^Anstalten seien Wandnachbaren und empfanden schon veßhalb gegenseitige Sympathie. Der Erfolg einer Schüle fei bedingt durch die Kraft des Idealismus, der in ihr wirksam sei, und darum müsse man hohe Achtung haben vor einer Anstalt, die den religiösen Gedanken zur Grundlage ihres Seins gemacht habe. Die Grüße des Philantropins/ einer Anstalt, die . ebenfalls auf jüdische Grundlage gestellt fei, Lberbrachie Herr Oberlehrer Dr. Michel, die des Rektorenvereins Herr Rektor Hinkel, die des Frankfurter Lehrerverems Herr Rektor Schroth, die der isr. Volksschule, die sich auch ein Kind des Hirsch'fchen Geistes nennen dürfe, Herr Lehrer Stern. Dann verbreitete sich Herr Direktor Dr. Lange in zündender Rede über die Ziele der Anstalt, allgemein menschliches und rein jüdisches Wesen miteinander zu vereinigen und legte dar, daß diese beiden Ziele sich nicht aus schließen, sondern ergänzen. Darum soll es die Aufgabe der Schule auch in Zukunst sein, gesetzestreue Juden heranzuziehen, die zugleich güte Bürger des deutschen Vaterlandes sind. Zum Schluffe kamen die früheren . Schüler und Schülerinnen zum Wort. Sie haben ihre Anhänglichkeit an die Anstalt durch eine Schenkung von 80,000 Mark bethätigt, die als „Samson Raphael Hirsch- Stiftung" die Erinnerung an das Jubelfest der Schule und an ihren Stifter wachhalten soll. In ihrem Namen überreichte Herr Moritz A. L ö b die StistungsurkuNde dem Gemeindevorstand, in dessen Namen Herr Hackenbroch dankte. Dann bestieg Herr Schulrath Dr. K Ly 's e r zum zweitenmale die Rednerbühne, um mit warmen Worten ein Hoch auf den Kaiser auszubrmgen, und mit dem Gesänge des „Heil Dir km Siegeskranz" endete der eiste Theil der erhebenden Feier. * * * Eine prachtvoll ausgestattete Festschrift hat folgenden Inhalt: 1) ..Zur Geschichte der Schülanstalten" (Realschule, Vorschule, höhere Mädchenschule) der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. Von; Prof. Dr. A. Sulzbach. . . s 2) „Samson Raphael Hirsch als Pädagoge." Vom 'Direktor Dr. Gerson Lange. 3) «Eliah Wilna und fein Elementar-geometrisches Ccmpendium." Von Oberlehrer Dr. Elias Fink. 4) „Ueber Aehnlichkeit und Verwandtschaft im ^Pflanzenreiche." Von Oberlehrer F. Rönnberg. 5) „Beiträge ^ur Geschichte der Ereignisse vor >und nach der Schlacht bei Hanau." Von Oberlehrer F.!Strenger. . .; . : .; i;: 5 6) „Die Bedeutung des Ha'üsts im älttestamenilichen Erziehüngspkan." Ein Beitrag zur Geschichte :der Pädagogik. Von Oberlehrer Molf Wetzl.