Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 33 (30.4.1903)
- Date
- 1903-04-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449921--58125-2522485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ein GenLrat-Hrgan für das orthodore Zudenthürn. fcoir D?. TsHrrrKAN te Main*. Donnerstag, den 3. Aiar 5TYS 3 0. Mpril ISNs, „Thora im Derech-Lrez." st-S Welsch dn ML AttWalt z« Imlsnt «.§!.) •'-•fy Iv -' :> Mainz. 28. April. „Thora hn Derech-Erez" bildete den Wahlspruch, der i'm Festsaale unter dem Bildniß des Heimgegangenen Di'ertkors Dr. Mendel Hirsch prangte, „Thora i'm Derech-Erez" lasen wir aus den Abzeichen, die die Festordner auf der Brust trugen, „Thora Derech-Evez" war das Leitmotiv, das durch alle Reden, Gesänge und Spiele.klang, die die Reihe von Festlichkeiten, über die wir in Nachstehendem berichten, verherrlichten. Folgen richtig mußte dieser Spruch die Spitze aller der kommenden Freuden bilden, denn er ist, war und wird die Grundlage fein, auf der das Institut, auf das heute alle Augen blicken, aufgebaut ist. Tie Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft schaut nunmehr auf ein fünfzigjähriges Bestehen zurück, und die Religionsgesellschast darf dieses Gedenkfest ihrer Schule mit berechtigten Stolze begehen. Fm Anfänge des vorigen Jahrhunderts begann die Mehrzahl der Mitglieder der isr. Gemeinde in Frankfurt a. M. sich im'mer mehr vom traditionellen Judenthum zu entfernen und Per sog. Reformnchtung zu huldigen, auch die rm Jahre 1806 gegründete Gemeindeschule (Philanthropin) wurde in diesem Sinne geleitet. Erst im Jahre 1843 gelang es einigen wenigen Männern, von der Regierung ' die Erlaubniß zu erwirken, eine orthodoxe Religionsgesellschast zu gründen, und ' im Jahre 1851 wurde Herr Samson Raphael Hirsch, damals kais. österr. Landesrabbiner, als Rabbiner der neubegründeten Religionsgesellschast nach Frankfurt a. M. berufen, der rechte Mann am rechten Platze. Seine erste Sorge war, eine Anstalt in's Leben zu rufen, in welcher die Jugend, sowohl Knaben wie Mädchen, mit demjenigen Unterricht vollständig versorgt werden, dessen sie für ihren künftigen Beruf als Menschen, Juden und Bürger bedurften. Bald fehlte auch die Anerkennung im anderen Lager nicht. In einem Artikel der reformjüdischen „Allgem. Zeitung des Judenthums", in der Nummer 43 vom 17. Oktober 1853, heißt es, nachdem bewundernd von der Gründung der „Rekigionsgesellschaft" berichtet wurde: „Lobend anerkennen müssen wir, daß ' Hirsch hauptsächlich seine Thätigkeit auf den Jugend- , unterricht richtet und unser riesiger Anstrengung eine Elementarschule in's Leben gerufen hat, die äi der Ueberfüllung der Real- und VolksschM, die noch dazu von einem dem positiven Judenthume feindlichen Oberlehrer geleitet, wird, ein allgemein gefühltes Bedürfmß war. Mehr als hundert-Kinder besuchen bereits die H'irsch'sche Schule und bie Frequenz stimmt täglich zu." - - •; ' Aus kleinen und bescheidenen Anfängen ist diese Anstalt heroorgegangen. Am 1. April 1853 eröffnet mit- 69 Knaben ustd 25 Mädchen, hat sie sich in kurzer Zeit das Vertrauender betheili'gten Krüse erworben, und schon nach vier Jahren war die Schülerzahl auf-200 gestiegen. Die alten Räume wurden zu estg; im Jahre 1864 mußte eist anderes Haus erworben werden, aber auch dieses reichte bald nicht mehr aus. Da wurde * durch eine hochherzige Rothschi'kd'sche Stiftung und durch Beiträge der Gemeindemitglreder das jetzige stattliche Schulgebäude a'm Thiergarten errichtet und im Jahre 1881 bezogen. Mit der äußeren Entwicklungging die innere Hand in Hand. Bei der Begründung wurde ein doppeltes Ziel in's Auge gefaßt: die religiöse Erziehung einer jüdischen Jagend, die treu am Glauben ihrer Väter halten sollte, und eine wissen-/ schaftliche -Ausbildung, welche Schüler und Schülerinnen befähigt, ihre Stellung im Leben auszufüllen und sie zu tüchtigen Gliedern der staatlichen Gemein- - schüft zu erziehen. Der Gründer der Anstalt, Samson. Raphael Hirsch, hatte die Vereinigung derreligiösen ustd humanen, oder, wie er es nannte, der sozialen Bildung als Grundlage der Schule' hingestellt, ustd dieser Grundlage ist sie treu geblieben bis zum' heutigen Tage. . Welche Bedeutung sie gewonnen hat.