Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 32 (27.4.1903)
- Date
- 1903-04-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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zur ©die stand, wohl die größte Freude bereitet haben mag. Trotzdem hat ihn seine Bescheidenheit, welche ihn schon hohe Aemter, Auszeichnungen, ja Orden ausschlagen ließ, wieder veranlaßt, bei der Feier das Weite zu suchen, und so den Ehrungen zu entgehen, die ihm, dem Gründer noch zahlreicher ariderer Vereine und . Bildungsanstalten, sicherlich zugekommen wären. Wir können aber nicht umhin, ihm, ohne besten Mitwirkung in den letzten Dezennien hier wohl kein WohlthLiigkeitsverein entstanden ist auf. diesem Wege den wohlverdienten Dank auszusprecyen für das, was er für unsere Stadt gethan har, und den Wunsch zu äußern, daß ihm noch lange ein glückliches Dasein besch'ieden sein möge und er seine segensreiche Th'ätigket fortsetzen kann. . England. London. (Eine Aenderung des Sta- 't u t s der „I. - C. -A.") Der VerwaltungSrath der. „Jca." hat sich an das englische Parlament mit der Bitte gelvendet, durch eine Statutenänderung den Bereich seiner Thäti'gkeit auszudehnen. Die von Baron Hirsch im Fahre 1894 mit einem Capital von 50 Mill. Frcs. beschenkte „Jca." soll nach der ursprünglichen Absicht ihres Gründers die Juden aus den Ländern, in welchen sie keine Gleichberechtigung haben, nach Ländern. verpflanzen, in den ihnen dieselben politischen und bürgerlichen Rechte, wie allen andern Konfessionen, eingcräumt werden. In einem mit Rußland im Namen der von ihm in's Leben gerufenen Gesellschaft abgeschlossenen Vertrage verpflichtete sich Baron Hirsch, unter Stellung einer großen, in russischen Staatspavieren hinterlegten- Kaution, alljährlich mehrere Tausend russische Juden nach Argentinien übersied'eln zu lasten, das der edle Philanthrop irrthümlicher Weise für das Eldorado der Emigration hielt. Die in den darauf folgenden Jahren gemachten Erfahrungen haben aber zur Evidenz bewiesen, daß die Voraussetzungen des Baron Hirsch leider in keiner Hinsicht zutreffend waren. Weder erwies sich Argentinien als das erhoffte Eldorado, noch waren die Juden, die seit mehr als taufend Jahren keinen Ackerbau mehr treiben, fähig, ohne langjährige Trainirung eine auf Ackerbau beruhende Kolonisation in großem Style einzuleiten und dürchzuführen. Die Auswanderung nach Argentinien mußte Wirt werden und die gegenwärtige Verwaltung der „Jca." sah sich außer Stande, der von Baron Hirsch Rußland gegenüber eingegangenen Verpflichtung nachzukommen und alljährlich 10—25,000 Juden aus Rußland zu exportiren. Da einerseits der Verlust der an Rußland hinterlegten, auf viele Millionen sich belaufenden Kaution drohte, andererseits aber die „Jca." statutarisch verpflichtet ist, ihre Revenuen nicht zu kapitalisiren, sondern zu dem bestimmten Zweck zu verbrauchen, so entschloß sich der Verwaltungsrath der „Jca.", die Jahreseinnah'men der von ihm geleiteten Gesellschaft einstweilen den armen Juden in Rußland, Galizien, Rumänien und Palästina zu Gute kommen zu lassen, um durch Errichtung von billigen Wohnungen, Gründung von technischen und landwirtschaftlichen SchuLn, sowie Schaffung von neuen Industrien, ihnen das schwere Dasein zu erleichtern. Durch die Verwendung eines großen Theiles der Gelder in Rußland selbst dürfte Man zunächst hoffen, die russische Regierung soweit beschwichtigen zu können, daß sie nicht länger auf die pünktliche Erfüllung des Vertrages beharren Werde. Dann aber würden durch Errichtung von Anstalten, iw denen die Juden auf theoretischem wr'e praktischem Wege den Ackerbau erlernen, diese befähigt, dereinst in großen Massen auch nach schwach bevölkerten Ländern auszuwandern. Rur so dürste die „Jca." hoffen, die ihr von ihrem Gründer, dem seligen Baron Hirsch, gestellte Aufgabe, die große seit zwei Jahrtausenden das Judentum bewegende Emigrationsfrage zu losen. Freilich involvirte der vom Verwaltungsruth der „Jca." eingeschlagene Weg' eine Ueberschreitun^ des Status, allein man glaubte sich dieselbe umsomehr gestatten zu dürfen, als ein anderer Ausweg wirklich kaum vorhanden war und man bei dem Mangel eines Klägers auch keinen Richter zu fürchten brauchte. Leider hat sich aber dieser Kläger im Schoße des Verwaltungsrates der „Jca." selber gefunden. Die englischen Herren, welchen nach der testamentarischen Verfügung des Baron Hirsch im Verwaltungsrath einige Sitze haben eingeräUmt werden müssen, haben gegen die nach ihrer Ansicht statutenwidrigen Ausgaben für Rußland und Rumänien lebhaft und energisch protesttrt. Den Herren aus England, welche jedenfalls sich mehr als Engländer, denn als Juden fühlten,' waren namentlich die Ausgaben für Palästina.stets ein Dorn im Auge. Am liebsten würden sie es sehen, wenn die Mlliönen der „Jca." für England und dessen Kolonien ausgegeben würden, und da die Majorität des Verwaltungsrates dafür nicht zu haben war, sondern ungeachtet des Widerspruchs der ungebetenen englischen Patrioten fortfuhr, alljährlich viele Millionen für die notleidenden Juden in. Rußland, Galisien und Rumänien auszugeben, drohte die englische Minorität schließlich mit einer Denunziation fcflm englischen Parlamente, dem die Ueberwachung der pünktlichen Ausführung des Statuts einer jeden englischen Aktiengesellschaft und also auch der „Jca." obliegt. - - AUgesichts solcher Schwierigkeit, welche namentlich mit der gegen den Willen 'der Engländer, erfolgten Uebernahme -der Rothschitdsscher: Kolonien immer aktueller wurde, entschloß sichder Verwaltungsrath der „Jca." endlich, eine Statutenänderung anzustreben, um so der lästigen Tyrannei der rücksichtslosen Minorität zu entgehen. Durch dieselbe soll die „Jüdische Kolonisations-Gesellschaft" berechtigt sdn, Schulen,