Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 32 (27.4.1903)
- Date
- 1903-04-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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schössen vermag. Auch ein — und gewiß kein geringer — Beitrag zur Losung der sozialen Frauenfrage, zumal es nicht schaden und mit Freuden begrüßt würde, wenn unsere, gerade der besseren und besten Gesellschaftsklasse angehörenden Mädchen, da sie zur Vorbereitung für ihren künftigen Beruf als Gattinen und Mütter ohnehin nicht mchr kochen^lernen, doch wenigstens den Kindergärtnerinnen - Cours besuchten! Manche Thräne, mancher Kummer würde ihnen erspart, wenn sie die Gartenpflege für Menschenblümlein verstünden, und segnen Würden ihre Kinder sie noch in spätesten Tagen. ... Nach 33jähriger, rastloser und aufreibender Thatigkeit, die Albert S. Fischer dieser seiner Gründung, an deren Spitze er staUd, zugewendet hatte, mußte er seiner geschwächten Gesundheit wegen sich von der geliebten Stätte seines Schaffens zurückziehen. Vom. Kaiser, wie von der Stadt Wien und dem niederösterreichischen Landesschulrathe würde er ausgezeichnet und geehrt! Möge er an der Fortentwickelung der beiden miteinander verbundenen Anstalten, die beide unter der nunmehrigen thatkräftigen Leitung seines Sohnes, des Direktors Max Fischer, eines durch hohe Bildung und ' Fachkenntniß hervorragenden Pädagogen, blühen und gedeihen, noch lange Fahre sich erfreuen und beglückt nun sehen, wie die Saat, die er gesaet, in starke Halme schießt und reiche Früchte trägt. Hier wird des Dichterkönigs Wort zur Wahrheit: „Unter der Last der Aussaat seufzend zieht er hin, jubelnd trägt er die reichen Gdrben Kim." - So wirkte die diesmalige und zwar sechzigste Gründungsfeier, zu der sich zahlreiche Verehrer und Gönner des Instituts emgefuuden hatten, geradezu erhebend. Nach einem von Direktor Max Fischer verfaßten und von dem bekannten Componisten Herrn B. Rothenstein in Musik gesetzten Festgruße trug der Direktor das ebenfalls von ihm verfaßte, sehr eindrucksvolle Festgedicht vor, 'woran sich dann die 'entzückendsten Reigen der Kleinen und deren Chorgesänge — zumeist poetische Gaben des Direktors — würdig reihten. Mit Absingung der Volkshymne, die wie ein Chor der Engel aus hundert jungen Kehlen'klang, schloß die schöne Feier. Die ausgestellten reizenden Kinderarbeiten erregten allgemeines Interesse und ist ein Theil derselben zu"Gunsten der Anstalt verkauft worden.. . . Brünn. (Der mährisch--ji!discheLand e S m a s s a - F o n d s.) Wer in den letzten Fahren Gelegenheit hatte, das Thun und Treiben des mährischen Landesmassa-Fonds zu beobachten, dem konnte es bei der jungst stattgehabän Delegiertenversammlung nicht entgehen, daß diese Korporation entschieden Neigung zeigt, zu gesunden, und endlich fernem Statut gemäß positive Arbeit aus wirkbschaftlichem und sozialpolitischem Gebiete zu leisten.. So wenigstens muß jener Schritt nach vorwärts, der, wenn auch nicht allzu groß, so doch in der letzten Vollversammlung g-ttzan wurde, gedeutet werden. Es handelt sich um die Gründung einer Altersversicherung, eines Pensionsfonds für die Bediensteten der Kultusgemeinden, dessen - Promemoria von Regierungsrath Dr. Spitzer der Versammlung vorgelegt wurde. Kurator Dr. Spitzer, der sich durch diese Anregung, sowie die-gründliche Ausarbeitung seines Referates, den wohlverdienten Dank der Delegierten erwarb, ging von der Nöth'WenÄigkeit einer sicheren Versorgung der isr. Kultusb'ediensteten aus, nachdem das jetzige Trinkgelder-Syflem vollkommen unzureichend und für beide Theile demoralisirertd sei, und der Staat ja selbst demnächst die Initiative zur obligatorischen Pensionsversicherung der Ptivatbeamten ergreifen Werde. Er beweist Mit Hilfe genauer Berechnungen das Vortheilhafte der Gründung einer eigenen Pensionskasse, und wurde daraufhin das Kuratorium des LandesMassa-FoUds beauftragt, in diesem Sinne Verhandlungen mit sämmtkichen Kultusgemernden zu pflegen urid'inr Falle eines einheitlichen Vorganges einen Beitrag des Landesmassen-Fonds zu Amortisation der aus dem Titel der Anrechnung der bereits vollstreckken Dieustjahre zu leistenden Nachzahlungen im Höchstausmaße von 10,000 K. durch 40 Fahre in Aussicht zu stellen. lieber diese Verhandlungen soll in einer demnächst abzuhaltenden ad hoc- Delegierten-Verfammlung berichtet werden. Holland. Amsterdam. Wie die Tageszeitungen melden, fand vor kurzem Hierselbst das 40jährige Jubiläum der Gründung des Wohlthätigkeitsvereins „Liefdadrgheid" stati. Das Jubiläum, welches das größte Interesse wachgerusen hat, dürfte auch anderswo intereffiren. Nicht nur deßhalb, weil die näheren Umstände bemerkenswerth sind, sondern auch, weil der Gründer Samuel Moses Goudsmit auch in unserem Lande eine segensreiche Wirksamkeit eröffnet hat, und in streng-religiösen Kreisen wohlbekannt und geschätzt ist. Nachdem im Verein mit einigen Altersgenossen beschlossen war, einen Wohlthätkgkeitsverein zu gründen. begab sich der damals siebenjährige S. M. Goudsmit eines Tages zum derzeitigen Bürgermeister, Mr. v. Vollenhoven, um diesem das Protektorat der neuen Vereinigung zu übertragen, welches er nicht nur dankend und lachend anNahm. sondern sogar noch einen jährlichen Beitrag von fl. 60 zeichnete. Das Protektorat wurde später auch von seinem Nachfolger übernommen. Trotzdem sich Herr S. M. Goudsmit kurz darauf nach Deutschland zur Schule begab, widmete er sich mit allen seinen Kräften dem Vereine, der sich denn auch herrlich entwickelte, und in den 40 Jahren seines Bestehens viel Roth hat lindern helfen, und jetzt eine Mitgliederzahl von über 6000 ausweist, was dem Gründer, der dem Vereine während dieser Zeit stets treu