Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 32 (27.4.1903)
- Date
- 1903-04-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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. Oe ste r reich. Lemberg, 23. April. In U h n o w, Bezirk Plawa Ruska, brannten vierzig Häuser ab. Gleichzeitig fanden judenfeindliche Exzesse statt. Mehrere Personen wurden schwer verwundet. — In Folge der in Uhnow ausgebrochenen Unruhen, bei denen mehrere Juden schwer verletzt wurden und viele sonstige Gewaltthätigkeiten vorkamen, ist dort Militär elngetroffen. 'Rußland. Petersburg, 23. April. Am 19. und 20. d. Mts. erfolgten in Kischinew Ausschreitungen von Arbeitern gegen die Juden, bei denen 25 Personen getödtet, gegen 75 schwer und gegen 200 leicht verwundet wurden.' Der Minister des Innern erklärte für die Stadt und den Kreis Kischinew den Zustand eines verstärkten Schutzes. Level. (Ein jüdischer Kontroleur der russischen Reichsbank.) Der Kontrolcur der Filiale der russischen Reichsbank Hierselbst, Herr Leopold Feitelsohn, starb vor einigen Tagen daselbst im Alter von 52 Jahren. Es gehört zu den größten Seltenheiten, daß ein Jude in Rußland einen solchen öffentlichen Vertrauensposten bekleidet, wie er von Herrn Feitelsohn 'während einer langen' Reihe von Jahren eingenommen wurde. Wiederholt wurde dem äußerst befähigten jüdischen Beamten ein Avancement angeboten für den Fall, daß er die orthodoxe Staatsreligion annimmt. Herr Feitelsohn schlug aber ein solches Anerbieten konsequent ab. Bei seinem Leichenbegängnisse waren die angesehensten Bürger der Stadt, die höchsten MilitäruUd Zivil-Autoritäten, sowie der Vize-Gouverneur von Esthonia anwesend. Rumänien. Bukarest, 23. April. Die polnische Jsraeliiengerneinde weihte heute die neue Synagoge ein. Bei der Feier wies der Bürgermeister Robesco in einer Ansprache daraus hin, daß die rumänischen Behörden allen Bewohnern die gleiche Fürsorge angedeihen lassen. Unter der Negierung des Königs Karol erfreuen sich die Juden in Rumänien der gleichen Freiheiten, wie in allen zivilisirten Ländern. (?) Der Vorsitzende der Gemeinde dankte dem Redner auf das Wärmste. Dem Gottesdienste in dem israelitischen Tempel anläßlich des Jahrestages der Erwählung des Königs wohnten ein Adjutant des Königs und Bürgermeister Robesco bei. —r. . - Marmoriha (Moldau). In dem hiesigen Orte wohnte ein jüdischer Fleischhauer, Vuca Apvel, mit seiner Familie. Derselbe beging vor zwei Jahren eine Reihe grober Unvorsichtigkeiten. Er hatte dem Amtsleiter und mehreren Beamten Fleisch auf Borg geliefert und hatte die Schuld zwei Monate lang bis auf 180 Lei (Franks), bei dem Amtschef allein bis auf 93 Lei anw'achsen lassen. Und nun hatte er gar von dem Amtschef Zahlung verlangt. Er sei ein armer Mann, er könne ohne Geld nicht weiter liefern. Die Antwort hierauf war ebenso kurz als schlagend — ein Paar Ohrfeigen. Zufällig kam der GendarMerie-Hduptmann aus der Nachbarstadt des Weges. Die Beiden, der Hauptmann und der Amtschef, durchsprachen den Fall gründlich im Wirthshause bis um Mitternacht. Das ' Resultat war, daß Appel in der Nacht mittelst Escorde nach Dorolwy geführt und dort auf acht Tage eingesperrt wurde. Der Amtsleiter, hiermit noch nicht zufrieden, wendete sich an den Präfekten. Der ging energischer vor. Er erklärte kurz und bündig, Äppel habe binnen 24 Stunden das Land zu verlassen. Vergebensberief sich Appel, darauf, er sei in M'armoritza geboren, / er habe drei Jahre in der rumänischen Armee gedient; vergebens wies er Geburtsschein, Militärabschked. und sonstige Papiere vor. Der Herr Präfekt - zerriß dieselben und ließ d^i Mann bei Nacht über die Grenze escorkiren. Appel beschwerte sich nun beim österreichischen Grenzkommiffär^ Dieser, ein sehr humaner Mann, erklärte sich bereit, die Beschwerde zu Protokoll zu nehmen und sie der Landesregierung 'vorzulegen. Aber die Sache werde ini diplomatischen Wege durch das Ministerium des Aeußeren gehen, und da sei ein Ende nicht leicht abzusehen. So unterließ denn Appel die Beschwerde in Anhoffnung — eines Ministerwechsels, der bekanntlich in Rumänien nicht gar so selten eintritt. Sieben Monate weilte Appel in Zuren (Bukowina). Da kam das Ministerium Carp. Der Ausweisungsbefehl gegen Appel wurde ignorirt. Der Mann durfte wieder in sein Heimathland zurück und sein Gewerbe ausüben./ Dies dauerte so zwei rumänische Ministerien lang — IV* Jahr. Unter dem dritten, dem jetzigen Ministerium, lebte der Ausweisungsbefehl wieder auf, derselbe wurde auch, und zwar im allerkürzesten Wege, in Vollzug gesetzt, Appel wurde einfach an die Grenze eslortirt. Aber nun weigerten sich in verschiedenen österreichischen Grenzortcn dir Behörden, den Fremden zu übernehmen. Nach vier Orten wurde der Mann geführt, jedesmal mußte er zurückkehren. Da heckte nun ein Amts-Sekretär den schlauen Plan aus, den Mann bei Nacht —. nicht bis zum österreichischen Grenzkommiffariate — nur über die territoriale Landesgrenze zu schmuggeln; er möge dann selber schauen, wie er weitrrkcmme. .Gedacht, gethan! Appel wurdr eines schönen Tages wieder einmal in Haft gebracht, Ltbends 9 Uhr zum Commissär berufen, der ihm bedeutete, er müsse heute Nacht über die Grenze. Appel's Bitten und Remonstrationen wurden, wie landesüblich, mit Ohrfeigen erledigt. Nachts 12 Uhr erschienen mehrere Gendarmen und Soldaten, welche den unglücklichen Mann ergriffen, und da er sich sträubte, er wisse nicht, was man mit ihm vorhabe, er wolle nicht mitgehen, ihn mit V.ijonnett und Klinge blutig schlugen. So wurde er mit Gewalt zur Landesgrenze geschmuggelt. Er ging dann seines