Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 32 (27.4.1903)
- Date
- 1903-04-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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718 ' i ■d nach Bern berufen, wo er (eine ungewöhnliche Ehre) r zugleich Dekan und Rektor der Universität wurde, und während eines Zeitraumes von sechs Jahren eine segensreiche Thätigkeir entfaltete, zugleich in Form - öffentlicher, für ein weiteres Publikum bestimmter Verträge. 1866 führte ihn ein Ruf an die Kriegs- ' akädemie nach Berlin zurück, wo er sich eines zahlreichen, gewählten Zuhörerkreises zu erfreuen hatte — ^'auch^.der spätere Kaiser Friedrich HI. gehörte dazu. 1874' wurde Lazarus außerordentlicher Professor, 1894 wurde er aus Anlaß seines siebzigsten Geburtstages Geheimer Regierungsrath und honoris causa von der Universität Bern zum Dr. jur. und zum Dr. . theol. vom H. U. College in Cincinnati ernannt. Seit einer Reihe von Jahren lebte er, in zweiter Ehe mit der Schriftstellerin Nähidä Remy verbunden, seiner geschwächten Gesundheit wegen in Meran, eifriger, wissenschaftlicher Produktion ergeben. Er zählte in religiöser Beziehung zu den Reformern alten Schlags, welche die altüberlieferte, jüdische Religion bekämpften. In den Rabbiner - Versammlungen dieser Reformer spielte er eine große Rolle. Er ivar der Einzige unter diesen Ultrareformern, der die große EnttäuschüMen noch erlebte, daß das Refcrmjudenihum übgewirthschastet hat. Berlin, 23. April. In der heutigen Sitzung des Pundesrathes wurde dem Ausschußbericht über den Reichsiagsbeschluß zu der Petition betreffend die Ertheilung der Vesugniß zur Ausstellung von Besähigungszcugnissenfür den einjährig-freiwilligen Militärdienst an die nichtstadtlichen Lehrerseminare die Zustimmung ertheilt. Hamburg, im April. (Reue Wohl t hat igck e i t s st t f tu n g.). Der vor mehreren Jahren verstorbene Präses der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, Herr Markus Nor.dheiim, hat bekanntlich aus seinem reichen Rachtgß viele hiesige und auswärtige Wohlthätiakeitslnsiltutionen mit bedeutenden Summen bedacht. Der Verewigte hat außerdem die Verfügung getroffen, daß, falls sich nach Realisirung der Erbschaft noch ein eventl. Ueberschuß ergeben sollte, dieser nach dem freien Ermessen der Testamentsvollstrecker zu Wohlthätigkeitszwecken verwendet werden soll. Die - Exekutoren. die Herren Jakob Nordheim und D. Albert Wolfson, haben jetzt die Bestimmung getroffen, daß dieser Ueberschuß im Betrage, von weit über eine Mill. Mark zur Errichtung eines Seehospizes für schwache, unbemittelte Kinder verwendet werden soll. Das Seehospiz wird in Cuxhaven erbaut weiden, und soll den Namen des Stifters tragen, der sich durch seine Wohlthätigkeit ein unvergängliches Denkmal errichtet bat. Die Testamentsvollstrecker haben ferner im Sinne des Verewigten bestimmt, daß in dem neuen Seehospiz Kinder aller Konfessionen unentgeltliche Aufnahme und Verpflegung finden. Die neue Anstalt, die durch die großen Summen, die zur Verfügung stehen, allen.Anforderungen der modernen Hygiene genügen wird, entspricht einem schon lange gefühlten Bedürsniß der Hamburger Bevölkerung, und wird der Beschluß von allen mit Freuden begrüßt. Posen. Ein beherzigenswertes Wort hat der frühere Oberpräsident der Provinz Posen, v. Bitter, beim Abschied aus feinem Wirkungskreise ausgesprochen: „So groß die Gegensätze sein mögen, in einem Punkte sollen sich alle Deutschen, welchen religiösen Bekenntnissen, welcher politischen Parteistellung sie auch angehören mögen, zufammenfindm, in der Liebe zum deutschen Vaterlande. Das ist die große Ausgabe der Deutschen in der Provinz, das Ideal, dem sie zustreben müssen, dem Vaterlavide dadurch zu dienen, daß sie jederzeit bekennen und bestätigen: „Wir sind Deutsche und wollen es bkeiben." Möchte dies Wort nur überall beherzigt werden! Darmstadt, 23. Apri. Me wir seinerzeit berichteten, wurden von der Darw studier Strafkammer am 17. November vorigen Jahres Amtsrichter Dr. Mahr, Rechtsanwalt Dr. Geßner, Oberrechnungs - Revisor Reitzel und Hofbuchhändler Reitzel wegen Beleidigung des jüdischen Kaufmannes Hirsch zu Geldstrafen von Mk. 150. 75 und 50 verurteilt. Sämmtliche Verurteilten legten, mit Ausnahme des Dr. Mahr, Revision beim Reichsgericht ein,. wurden aber Dieser Tage abgewiesen. Elberfeld. Die hiesige Synagogen-Gemeinde feierte dieser Tage das 25jährige Amtsjubiläum des Vorsitzenden ihres Vorstandes, des Rentners Max Simon. Beim Fesigottesdienst. zu dem ein zahlreiches Publikum erschienen war, wies Herr Rabbiner Dr. Auerbach auf die Bedeutung des Tages hin und gedachte des Jubilars in Worten der Anerkennung für depen verdienstvolles Wirken in der Gemeinde und in Worten des Dankes für die Liebe und Sorgfalt, mit der Herr Simon die. mannigfaltigsten Obkiegenheiten als Präses des Gemeiudewesens erfüllt. Nach dem Gottesdienste erschienen die Deputationen des Gemeinde-Vorstandes und der Repräsentanz im Hause des Jubilars zur Gratulation und überreichten einen werthvollen Poka'l. Andere Abordnungen und Gratulanten reihten sich an. Der Synagrtzenchor erfreute den Gefeierten mit zwei Liederspenden, um dadurch dem Tanke für das ihm von Herrn Simon so oft bethätigte Wohlwollen Ausdruck zu geben. Am Abend fand im Hotel „Central" ein Festbankett statt, zu dem der Vorstand und die Repräsentanz den Jubilar, die Beamten der Synagogen-Gemeinde und einige andere, der Gemeinde-Vertretung besonders nahestehende Herren eingeladen hatten. Die Feier verlief in stimmungsvollster Weise und dürfte allen noch lange in freudiger Erinnerung bleiben.