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Der Israelit · 1903-11-12 · Heft 90 (12.11.1903) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 90 (12.11.1903)
Date
1903-11-12
Page
– (sequence 18)
Language
German
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es ist unbegreiflich, daß solche immer noch nicht in gebührender Weise gewürdigt wurden. . Auch in diesem Jahre blieb dem Vorsitzenden die traurige Pflicht nicht erspart, von Verlusten melden zu müssen, die durch den unerbittlichen Tod..unsere Reihen getroffen. Wir verloren die Herren Weißbart- Allersheim, S. Falk-Aub und den uns allen bekannten und hochverehrten Seminarlehrer Jsak Schlenker zu Würzburg, der zu den Mitbegründern des Vereins zählte und mehrere Jahre die Vorstandschaft führte. Redner setzte auch bet dieser Gelegenheit diesem Ehrenmanne eine Erinnerungstafel in unserem Herzen, indem er seinen edlen Charakter, seine herrlichen Tugenden, seine Liebe zu den Schülern, die hingeöende Geduld beim Unterrichte, seine segensreiche Wirksamkeit einer eingehenden Schilderung unterzog. Im weiteren' wurde das geplante Lotterieunternehmen ausführlich besprochen und die Mitglieder zu eifriger Mitarbeit aufgefordert. Der Mitbegründer des Vereins, das mehrjährige Verwaltungsmitglied, der nunmehr in Ruhestand getretene Kollege Herr S. Frankel zu Bamberg, wurde auf Vorschlag der Verwaltung in Folge seiner vielfachen Verdienste um den Verein einstimmig zum Ehrenmitgliede der Verwaltung ernannt und ihm ein Diplom hierüber übermittelt. Einem dem „D.-J. G.-B." gegebenen Versprechen gemäß referirte der Vorsitzende über Rr. 59 der „Mittheilungen" und zwar über das neue Vertragsverhältniß mit der Friedrich-Wilhelm-Viktoria- Stiftung und über den Normalvertrag für die Anstellung der Kultusbeamten. Die Vorzüge desselben, bte im Anspruch auf Pension und Reliktenvcrsorgung bestehen, werden aber durch die ungünstigen Anstettungsverhältnisse mehr als ausgewogen. Die erste Anstellung solle auf drei Jahre und dann immer auf 32 Jahre erfolgen. Dabei liegt aber die Möglichkeit nahe, daß ein Lehrer, nachdem er seine Kräfte und die schönste Zeit seines Lebens im Dienste von Schule und Gemeinde geopfert, die Kündigung zu gewärtigen hat, ohne Aussicht auf anderweitige Anstellung zu haben. Die Frage der Fortbildung wurde, wie schon öfters, auch diesmal in den Kreis der Erörterung gezogen. Mittel und Wege hierzu besprochen und verschiedene Werke genannt, die sich zur Fortbildung eignen. Der Vorsitzende besprach noch einige interne Angelegenheiten, wies hin auf die Vorzüge des Marxschen Leseapparates, auf die „Kleine Bibel" von S. Müller, brachte aus der von dem um das Versorgungswesen der jüdischen Lehrerschaft verdienten A. Peritz verfaßten Statistik über die Versorgungskaffen der jüdischen Lehrer und Kultusbeamten in Deutschland mehrere sehr bemerkenswerthe und intereffante Pimkte zum Vortrag und begründete dann den von der Verwaltung gestellten Antrag auf Abänderung deS § 34 der Satzungen, bei welchem einzufügen sei: Wer vor Ablauf zehnjähriger Mitgliedschaft eine Lehrerstelle in einem andern Staate des deutschen Reiches annimmt, verliert seine Mitgliedschaft." Dieser Antrag fand einstimmige Annahme. Der sich hieran anschließende Bericht der Rechnungsrevisoren hatte keine Beanstandung der Rechnung zu verzeichnen und so konnte die Generalversammlung die Entlastung der Verwaltung bethätigen. Zu Revisoren pro 1903 wurden die Herren Klepadt- Bamberg und Rau-Hirschau gewählt. Als nächster Versammlungsort wurde Bamberg bestimmt. Rach Erledigung des geschäftlichen Theils wurde zur Erstattung des Vortrages geschritten: „Die jüdische Volksschule in Bayern." Ein Rück- und Ausblick. Referent war Herr S. Dingsfelder-Ansbach. In seinem einstündigen Vortrage gab er einen Abriß von der Geschichte und Entwicklung der jüdischen Volksschulen und unterzog die rechtliche und finanzielle Stellung derselben an der Hand einer Siaristik einer eingehenden Kritik. Die rechnerischen Grundlagen für seine Ausführungen bildeten die von der Mehrzahl der jüd. Volksschullehrer in dankenswerther Weise beantworteten Fragebogen. Zum Vergleiche stellte nun der Referent der jüdischen Volksschule die Religionsschule und die Simultanschule gegenüber und faßte endlich den Inhalt seiner Arbeit in folgende Sähe zusammen: Die Erhaltung jüdischer Volksschulen und Umwandlung von Religionsschulen in Volksschulen liegt: a) im Interesse des Judenthums: 1) Die jüdische Volksschule vermag am besten den Geist des Hauses und der Gemeinde der Heranwachsenden Generation zu vermitteln. 2) Sie vermag den Zwiespalt zwischen religigiösen und profanen Lehrgegenständen zu vermeiden. 3) Sie bewahrt unsere Kinder vor den bitteren Erfahrungen des Judenhasses, dem sie in allgemeinen Schulen nicht selten schutzlos preisgegeben sind. 4) Sie hat sich vor staatlichen und religiösen Autoritäten bewährt. b) Im Interesse der jüdischen Gemeinden Bayerns: . 1) Wegen ihrer Leistungen gegenüber den meist überfüllten allgemeinen Volksschulen. 2) Wegen der finanziellen Entlastung der Gemeinde-Mitglieder. 3) Wegen des seltenen Wechsels der Lehrer und der dadurch verbürgten sozial-pädagogischen Wirksamkeit. «•) Im Interesse der Lehrer: ' 1) An der Volksschule hat er eine gesicherte, unabhängige Stellung. -

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