Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 90 (12.11.1903)
- Date
- 1903-11-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449972--59414-2522448- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1970 sehen dürfen. Noch viel Größeres als das, welches jetzt noch Gegenstand unserer Hoffnung ist. wird dann Wirklichkeit werden. Dann werden alle Völker der Erde sehen, wie werthvoll die Lehren sind, die unsere heilige Thora vorschreibt, und wie voller Liebe sie sind für alle Menschen!" Diese Ausführungen hatten den Kanzler so mächtig ergriffen, daß sich seine Augen mit Thrä'nen füllten und sich zum ersten Male sein Mund zu süßen, leutseligen Worten gegen mich öffnete. ' „Ich sehe," hob er an, „Ihr seid würdig, Rabbiner in einer so großen Stadt, wie Prag, zu sein, und Ihr verdient es, daß Euer Name auf der ganzen Erde bekannt ist, denn Ihr besitzt eine ganz ungewöhnliche Einsicht. Eure Religion und ihre Bekenner könnten keinen besseren Vertreter haben, als Ihr seid. Was aber den Gegenstand, der uns hier beschäftigt, betrifft, so haben Euere Ausführungen damit herzlich wenig zu thun. Hier handelt es sich um das strenge Recht und das darf durch den günstigen Eindruck Eurer Persönlichkeit nicht leiden. Zweitens müssen wir der Zeit entsprechend urtheilen, in der wir leben. Die Richter, die in späterer Zeit leben werden, sollen dann ebenfalls ihrer Zeit gemäß ihres Amtes walten. Wir sind nicht im Stande und nicht berufen, die Welt auf einmal weise und gut' zu machen. Wir sind als Beamte gehalten, das Land zu führen, unserer Auffassung und dem Bedürfniß der Zeit gemäß. Ein Lehrer kann mit Kindern auch nur lernen, was ihrem Alter und ihrer Fassungsgabe gemäß ist, obwohl die Schüler später selber über die frühere Stufe und Lehrgegenstände lächeln mögen. So könnte es in Wirklichkeit sein, daß eine spätere Zeit, die weiser als die unferige fein wird, über unsere Gepflogenheit und Rechtsanschauung spotten möge. Hier aber handelt es sich in aller Kürze hauptsächlich darum, daß Ihr Euch selber als Verfasser der genannten, incrimirten Bücher bekennt. Das genügt vollständig, um Euch und Euere ganze Gesammtheit todesschuldig zu sprechen, denn wir sehen daraus, daß Ihr unsere abgesagten Feinde seid. Ihr bedeutet einen schweren. Schaden für unsere Länder, mehr haben wir nicht zu verhandeln." Nach diesen Worten wurde Rabbi Jom tob Lipman Heller wieder in sein Gefängniß zurückgeführt. Wie ernst für ihn und die ganze deutsche Judenheit die Situation war, ergibt sich aus folgenden Worten, die der unschuldig Verklagte an unseren Gewährsmann richtete, nachdem er ihm die Sachlage in der obigen Weise dargelegt hatte: „Du wirst nun selber einfehen, daß diese Denunziation nicht mich allein angeht, sondern sich auf Israels Gesammtheit erstreckt. Für mein Leben habe ich fast keine Hoffnung. Das bereitet mir kein besonderes Weh, was liegt daran, etwas später oder früher zu sterben. Jeder Mensch steht ja bereit für den Tod. Meine Sorge ist nur so groß wegen aller unserer Gemeinden. Aus dieser Sache kann sich ganz leicht eine große, allgemeine Judenvertreibung entwickeln. Geh' und sage dem Hause Israel, sie müßten thun, was in ihrer Kraft liegt. Vater Jakob hat sich seiner Zeit, als er Esaw gegenüber treten sollte, dreifach gerüstet: durch Geldopfer, durch Gebete und durch Vorbereitung zum Kampf. Unsere Leute sollen sich nur zu zweien davon rüsten und der Schöpfer, gepriesen sei Er. möge ihnen helfend zur Seite stehen." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint w5chentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Dogen- Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hoher. Man abonnirt aanzjahrlich. balbjäbrlich oder vierteljährlich Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. A Skeiuackrv, Vripnxl, Notzplatz J6. —- Inserate 25 Pfennig die viergrspaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Ncclametheil 75 Pfennig. — Tirecte Francozusendung unter Streifband oro Iabraana kür Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsendcn. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchcnde und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine Ausgabe deS Israelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere 8eit,^o kann man stck für 25 Pfennige das Vierteljahr, indetz ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonnircn Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Anhalt (Hauptbtatt) r Die Zierde des Alters. — Zeitungsnachrichten und Cocrespondenzen: Deutschland: Verliii. Hegenheim. Rußland- Petersburg. Kischiuew. Warschau. — Evrechsaal. — Feuilleton: Rabbi Jom tcb Lipman Heller (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Risko. — Zeitungsnachrichten und Corrcspondenzen: Deutschland: Berlin. Bingen a. Rh. Schweiz: Lengnau. Frankreich: Paris. m ... . .... Pädagogische Beilage: Israelitischer Lehrerverein für das Königreich Bayern. — Buch,tabenbilder. Extra-Beilage: Spenden-Berzeichniffe. - _- - Verantwortliche Redaction- ÖSear Lehmann in Main». - Expedition des -Israelit". SLottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der stob. W i ctb'schen volbuchdrnckerei Bctien-S-sell chaft kn Main». Hierzu drei Beilage«.