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Der Israelit · 1903-11-12 · Heft 90 (12.11.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 90 (12.11.1903)
Date
1903-11-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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yi_ Warschäs. (A u -Wanderung.) Unter den Züdrn des Gyüdernement Lomsa wüthet ein wahres AuÄsökisrunzsfreöer. Tie Zahl der aus allen Städten'.und Städtchen dieses Gouvernements auswändernden Juden ist so groß, daß die Emigranten für ihre.Däuser um.keinen Preis Käufer finden können und -sie dieselben ihrem Schicksale überlassen müffen. In zahlreichen Ortschaften ist kein jüdischer junger Mensch zu sehen, da die gesammte jüdische Jugend nach' Amerika ausgewandert ist. Bei dieser Gelegenheit eine Nachricht, welche weite Kreise auch der nichtjüdischen Bevölkerung intereffiren dürste: die russische „Freiwillige Flotte" hat nämlich beschlossen, einen Pässagierdirmpfer-Verkehr zwischen Odessa und New- Aork zu eröffnen. Zahlreiche jüdische Auswanderer haben bereits für das nächste Jahr bei dieser Gesellschaft Plätze belegt, da die Auswanderung über Bremen und Hamburg mit argen Schcerereien und Chikanen verknöpft ist. Jeder mit dem Auswanderungswesen näher Vertraute weiß, daß diese Klagen nicht ganz unberechtigt sind, und die deutschen Schifsfahrtsgesellschaften werden angesichts der drohenden Conkurrenz gut thün, mildere. Seiten aufziehen zu lassen. Auch der Wurm krümmt sich, wenn er getreten wird, selbst wenn dieser Wurm auch nur ein russischer Jude ist. r /P x 6 f fr * U ' Hanau, 10. November. ' Sehr geehrter Herr Redakteur! 8i ckuo fueiunt ickam, uon est ickem so dachte ich. als ich die Berichtigung meines Freundes Sulzb a ch in der neuesten. Nummer Ihres gesch. Blattes las und nun zur Kontrole seiner Richtigstellung die Bar-Mizwoh-Tabelle des von Herrn Dr. Loevv in Graudenz berechneten, bei S. Lehrberger in Rödelheim erschienenen Kalenders verglich. Diese Tabelle zeigte zu meinem Erstaunen denselben Jrrthum, den Herr Sulzbach soeben berichtigt, und legt den Verdacht nahe, daß sie nicht selbstständig berechnet, sondern ohne Weiteres nachgedruckt ist. — Ich vermuthe. daß der Fehler diesen und nicht den entgegengesetzten Weg gemacht hat. weil ich. weiß, wie früh das Manuskript des Sulzbach'schen Kalenders (Verlag M. Lehrberger & C o.) in jedeni Jahre fertiggestellt wird und ferner, weil ich bereits im Jahre 1899 Gelegenheit hatte, nachzuweisen (Nr. 37 und 38 des „Israelit", 1. Beilage), daß -Herr- Dir Loevy unvorsichtig und unzuverlässig bei der Berechnung seines Kalenders zu Werke geht. Die'Besitzer'des Loevy'schen. Kalenders seien deßhalb hierdurch wiederholt zur nöthigen Vorsicht bei der Benutzung des Kalenders gemahnt, und Herr Dr. Loevtz darum gebeten, dä er nun einmal ein Spruchwort Lügen gestraft hat, ein anderes zu beachten, nämlich, nachdem er „A" gesagt, nun auch „B" zu sagen und ebenso wie die Tabelle, nun auch die „Berichtigung" nachzudrucken. Ich bin überzeugt, daß Herr S. das zweite Plagiat weniger bedauern wird, als das erste. - Dr. Salomon Bamberger, Prov.-Rabb. OfettUieto rr. Mi Im tob LlUM leier. i5j Von Heinrich Lebermann. „Verehrter Herr!" entgegnete ich. „Derartige Lugen können nur Leute gegen uns ersinnen, die nicht die Grundlagen unserer Religion in Wirklichkeit kennen; vielleicht auch Fürsten und Richter, die wichtigere Dinge zu wissen haben, als die Gesetze, . Bestimmungen und Erklärungen unserer Thora. Detzwegen will ich mich auch nicht in weitschweifige Disputationen und weit hergeholte Erklärungen einlaffen. Ich will Sie nur auf den Kommentar einiger Stellen des Propheten Ezechiel verweisen, wo der Prophet den König Zidkijah zur Rede stellt, weil er seinen dem König Re-, buchadnezar geleisteten Schwur gebrochen hatte, und Rebuchadnezar war doch der Zerstörer unseres Landes, der unser Blut in Strömen vergossen hatte. Wie müssen wir erst unseren Eid den Königen zu halten verpflichtet sein, die uns Schutz gewähren und Wohlthaten erweisen!" (Ezechiel, Cap. 17 und Cap. 21.) Solche Stellen finden sich in unseren heiligen 24 Büchern die Menge, welche unzweideutig darthun, daß der Jude auch gegen Heiden seinen Eid zu erfüllen und hochzuachten hat. Was braucht man da lange nach Beweisen zu suchen, wo wir doch sehen, daß die Juden ihren den' Gibeoniten geleisteten Eid gehalten haben, obwohl sie von ihnen getäuscht worden waren. Wie können Sie, hochwürdige Herren, auch nur glauben, daß wir Juden, die wir unser Leben der Beschäftigung mit der Thora weihen und ihrethalben alle Leiden ertragen, uns über ihre fundamentalsten Bestimmungen hinwegsetzen sollten? Was nun die zwei Juden betrifft, die geschworen haben, meine Bücher seien gegen Euch Christen gerichtet, so haben sie diesen Eid sicher nicht aus Liebe zu Sr. Majestät den Kaiser/ sondern aus Haß gegen mich abgelegt, vielleicht auch aus Haß gegen die ganze Gesammtbeit Israels. Dann sind das aber verkommene Menschen, .die man als verlogene Verleumder brandmarken'muß, denen man aber jedenfalls keinen Glauben schenken darf. Aussagen solcher

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