Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-11-12 · Heft 90 (12.11.1903) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 90 (12.11.1903)
Date
1903-11-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449972--59410-2522444
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

I i mit Ansichtskarten eine solche Karte mit der Darstellung eines jüdischen „Ritualmordes" nach einem alten Kupferstich angeboten wurde, ist von der Münchener Staatsanwaltschaft zum Gegenstände einer strafgerichtlichen Untersuchung gegen jenes Münchener Atelier gemacht worden. Zugleich wurde in Oesterreich die weitere Verbreitung dieser Zirkulare durch Beschlüsse der Landgerichte von Wien und Prag verboten. Es war aber geschrieben worden, daß die Zirkulare von München aus in großer Zahl besonders nach Tirol versendet worden find, und daß gerade dort solche aufreizende Darstellungen leicht eine gefährliche Wirkung auf die Landbevölkerung ausüben können. Weiter wird daraus aufmerksam gemacht, daß Tirol eigentlich auf den Import aus München gar nicht angewiesen sei, sondern schon seit längerer Zeit seine eigene heimische Produktion von „Ritualmordpostkarten" besitzt. Zum Beweise dessen sei auf solche photographische Postkarte, hingewiesen, welche im Verlage von A. Czichna in Innsbruck erschienen und mit der bildlichen Darstellung des Vlutmärchens von dem „Ritualmorde" versehen sind, der am 10. Juli 1462 an dem heiligen Ander! von Rinn verübt worden sein soll. Dieser „Ritualmord" ist in der Kirche von Rinn durch eine Gruppe lebensgroßer geschnitzter Holzftguren dargestellt, und die Postkarten zeigen die Photographien dieser Gruppe, welche sich in einem Seitenschiffe der Kirche befindet. Vor der Kirche liegt ein Steinblock, auf dem der Lage nach der Knabe ermordet worden sein soll. ' Man ersieht daraus, daß in Tirol seit jeher für die Verbreitung des Blutmärchens, unter der Bevölkerung gesorgt worden ist. Hcgenhcim, im Nov. Die Verwaltung des isr. Friedhofes Hierselbst, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. S. Schüler, M. D r e y f u s, M. N o r d m a n n - Hegenheim, E. Weil - St. Ludwig, L. E i s e m a n n - Basel und Dr. A. N o r d - mann-Basel sieht sich veranlaßt, folgenden Appell an das jüdische Publikum zu richten: Der altehrwürdige, im Jahre 1663 begründete israelitische Friedhof in Hegenheim, der bis vor kurzem so vielen Gemeinden des Oherelsaß und der Schweiz als Begräbnißstätte diente, und auf dem so viele liebe Familienangehörige der jetzigen Generation ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, ermangelt der Mittel zü seiner Erhaltung und zu seiner wenn auch beschränkten Fortdauer. Die unumgängliche Erwerbung neuen.Terrains, die Einfriedigung desselben/ die dringend nothwendige Herstellung neuer Gebäulichkeiten und namentlich die laufenden Ausgaben für den Unterhalt erfordern Mittel, die unserer Verwaltung leider nickit zu Gebote sieben und die, da die früher zugehörigen Gemeinden größten Theils jetzt eigene Friedhöfe besitzen, wir auf dem Wege der regelmäßigen Einnahmen nicht aufbringen können. Unter diesen Umstanden haben wir uns verpflichf tct gefühlt, rechtzeitig Schritte zu unternehmen, um j den Fortbestand unseres Friedhofes zu sichern und ihn jj vor dem Verfall zu bewahren. In diesem Sinne ist die; Verwaltung beauftragt worden, - Mittel zu einem f Fonds zu sammeln, der dazu dienen soll, den Friedf Hof für ewige Zeiten in einem würdigen Zustand zu ß erhalten. 8 Wir wenden uns auch an Sie mit der Bitte, schon jj| aus Verehrung für Ihre Vorfahren, uns in unserem f Unternehmen unterstützen zu wollen und diejenigen | Ihrer Verwandten und Bekannten, deren Adressen wir J nicht kennen, zu veranlassen, zu diesem guten Werke } beizusteuern, irr.sn -r-^5 cvm -r.zzb Zur Ehre der Lebenden sowohl wie zur Ehre der Todten! ß Wir unterscheiden bei unserer Sammlung zweier- F lei Arten der Zeichnungen, nämlich erstens einmalige ß und zweitens jährliche Beiträge, und überlassen es den t geehrten Gebern, ob sie für beide oder nur für eine Art } derselben zeichnen wollen. Die Liste der Gaben wird im geeigneten'Zeit- | Punkt veröffentlicht werden. Die Verwaltung ist bef reit, Zeichnungen ober Gaben entgegen zu nehmen. *! Wir sprechen Ihnen schon im Voraus unseren j innigsten Dank aus für ihre eigenen Beitrage sowohl, ß wie für Ihre Bemühungen zur Unterstützung unseres f Werkes. Anmerkung der Redaktion. Wir befürworten den Aufruf für diesen edlen Zweck auf das Kräftigste und hoffen, daß viele Leser unseres Blattes, die noch Beziehungen zu jener ehrwürdigen Ruhestätte haben, derselben nunmehr gedenken werden. Rußland. F. Petersburg. (Verstärkte Knabengebürten unter den. russischen Indem) In den drei Monaten. Juli bis September, wurden; hier 26b Knaben und 189 Mädchen geboren.. Es i kamen demnach auf je 100 Mädchen 149 Knaben. Bei 1 dieser Gelegenheit sei die merkwürdige Thatfache aufgej frischt, daß laut Ergebnitz der 1897 in Rußland vor- ) genommenen Volkszählung dieser Ueberschuß der! Knabengeburten über die der Mädchen bei den Juden! des gesammten russischen Reiches konstaiirt werden j konnte. Während bei der nichtjüdischen Bevölkerung \ auf je 100 Mädchen 106 Knaben kamen, hatten die i Juden auf 100 Mädchen 130 Knaben. Von den in ■ diesem Jahre geborenen 61,496 Kindern waren 34,754! Knaben und 26.741 Mädchen gewesen.! F Kischinelo. Der Prozeß gegen' die Theilnehmer am Kischinewer Krawall wird 47 Tage, und - zwar vom 19. November bis 2. Januar dauern. Die! Angeklagten sind, wie bereits gemeldet, in 22 Kategorien eingetheilt. von denen die erste. 37 Angeklagte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.