Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 30-31 (22.4.1903)
- Date
- 1903-04-22
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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44» Jahrgang I. Gossel. Populär - Wiffcnschöstliche Vorträge über jüdische Geschichte und Litteratur. I. Bd. VIII und 372 S. I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1902. . Es war ein glücklicher Gedanke des Sammlers, eine Reihe von Vortragen, die in Litteraturvereinen Beifall gefunden hatten, zusammenzustellen, um diese der großen Leserwelt zugänglich zu machen. Ein Litteraturverein hat drei Winter nöthig, um 18 Vorträge absoldiren zu lassen, hier wird die Möglichkeit gegeben, in wenigen Tagen, in den Stunden der Muße, über eine reiche Fülle von Problemen auf biblischem,. geschichtlichem, schöngeistigem, politischem und philosophischem Gebiete sich zu unterrichten. In ebenso buntem Wechsel, wie in den Litteraturvereinen, ziehen hier die Vorträge an uns vorüber. Ein dreifaches Winterleben eines Litteraturvereins wird mit dem Griffel feffaehalten, und offenbart uns neben den Vorzügen,' besonders deutlich auch die Mängel desselben. Ganz genau, wie an den Vereinsabend'en, kommen auch in unserem Buche Redner verschriener religiöser Richtungen zu Wort, Gleichgiltiges wird mit demselben Pathos wie das Wichtigste und Erhabenste vorgetragen, und dasselbe Gefühl der Unklarheit und Enttäuschung, das bei uns häufig das Resultat eines Eyclus litterarischer Vorträge ist, herrscht vor, . wenn wir nach der gar zu großen Abwechslung bietenden Lektüre unser stattliches Buch unbefriedigt aus der Hand legen. Herr Gossel hat es zu 'genau mit seiner Aufgabe genommen, einen Ersatz für Litteraturvereine zu schlaffen; sein Buch hätte nur die Lichtseiten wiederspiegeln sollen, auf den Schatten 'hätte man gern verzichtet. Hoffentlich wird der zweite Band einheitlicher nach der guten Seite hin gehalten seid. Trotz der Mängel wird sich das Buch viel Freunde erwerben. , Ursprung und Wiedergabe der biblischen Eigen- . nameu im Koran. Von Dr. S. S y c z. 64 S. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. 1903. Preis 2 Mk. Eine sehr interessante Studie über die eigentliche Schreibung und häufig auch vollständige lautliche Veränderung der biblischen Namen im Koran. Der Verfasser versteht es, auf Grund dieser Abweichungen festzustellen, auf welchen Wegen Möhamed zur Kenntniß von Jahren und Erzählungen der Bibel gelangt ist. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Abhandlungen über' die völlig anders wiedergegebenen Namen, wie Jdris für Hennoch, Ilnch für Eber. Asar für Terach. Schueib für Jithroh, Talut für Saul. Wenn man die Ansichten des Verfassers auch nicht immer theilen wird, so wird die Lektüre feiner gehaltvollen Aus- : führungen doch stets anregend wirken. Wirempfehlen ■ das Büchlein : •/>" - s V:- Die messianisch - apokalyptischen Hoffnungen des Fudenthums. Von W. Bälden sp erg er. Dritte, völlig umgearbeitete Auflage. Straßbürg. - I. H. Cd. H e i tz (Heitz und Mündel). : 1903. - XII UNd 240 <§. - ' . ", -- l. -;V^' . Zwischen Altem und Neuem Testament finden sich' r in den christlichen Vibelausgaben die Apokryphen. Der : ■ gelehrte . und scharfsinnige Verfasser unseres BucheS - will zeigen, daß der Weg vom Iud'enthuM zur Religion des Neuen Testamentes über die Apokryphen hinwegführe. Es ist bekannt, daß die Messiasidee, wie sie vom Christenthüm entwickelt wurde, eiüe völlig andere - . Gestalt und einen ganz anderen Inhalt bekam, als die jüdische Hoffnung auf Erlösung. Es ist von beson- V; berciti Interesse, im vorliegenden Buche zu beobachten, wieder Verfasser sich wohl redlich Mühe gibt, der Anschauung des Iudenthums gerecht zu werden, und wie . . ihm das so wenig gelingen will, daß er Nomis'müs und Messianismus, die Anhänglichkeit an das jüdische .Re- . ligionsgesetz und die lebendige Hoffnung auf die Be- . lohnung dieser Tugend durch die Erlösung, als Gegen- -. sätze ansieht. Die Verkennung des Iudenthüms seitens / hervorragender, nichtjüdischer Gelehrter hat nicht nur seinen Grnnd in der anderen religiösen Gedankenwelt, in der sie leben, sondern Hauptsächlich darin, daß. die ' Kenntniß auch nur des agadischen Theils des. Talmud, bei dem Gros der nichtjüdischen Gelehrten, immer noch keine nennenswerthen Fortschritte gemacht hat/ Sehr lehrreich ist, was der Verfasser darüber S. 63, 64 sägst. Die ersten Auflagen des Büches sind , von den Freunden der Religionsvergleichüng mit großem Beifall entgegengenommen worden, die fast auf doppelte Seitenzahl gewachsene dritte Auflage wird das Ansehen des Verfassers noch erhöhen. Auf unsere Aufmerksamkeit können die Betrachtungen Baldensp'ergers deßhalb Anspruch machen, weil darin immerhin viel Licht fällt auf Veränderungen, die grundlegende jüdische. Anschauungen im werdenden Christenthum gefünden haben.; ■; . Geschichte der Jude» in Vromberg. Zugleich ein? Beitrag zur Geschichte der Juden des Landes Posen. (Mt Illustrationen.) '.? Nach gedruckten und ungedruckten Quellen darge- - stellt von I. H e r z b e r g. Frankfurt a. M. 1903. I. Kauffmann. 106 S. Ü '