Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 30-31 (22.4.1903)
- Date
- 1903-04-22
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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Mev Zeitgemälde von I. I. Krsszewski in autorisirter Übertragung. 241 . - , v - ^. . •/ ■ . „Wieso? Trügen wir sie etwa nicht?" brauste Mann wieder auf. „Wir entziehen uns ihnen durchaus nicht. Weißt Du aber auch, daß der Adel uns aus dem landwirthschastlichen Verein ausschließt, und uns nicht aufnehmen will?" „Wir hatten bisher mit der Landwirthschaft nicht viel tzemein," entgegnete Jakob. „Uebrigens thut der Adel übel daran?" „Ich denke, sehr übÄ!" rief Mann. „Und was bedeuten die Gesellschaftshäuser? Wollen sie uns nicht den Handel fortnehmen?" „Vielleicht leisten sie uns damit einen großen Dienst," warf Jakob wieder ein. „Denn bei diesem Handel allein, der uns in Knechtschaft halt, sind wir kleinlich und nichtswürdig geworden. Zwingen sie uns, ihn aufzugeben und andere Arbeit zu suchen, desto besser! Sind wir aber die Geschickteren und Fähigeren, warum sollen wir ihre Konkurrenz fürchten?" „Wird aber 'der Handel nicht ihr Monopol werden?" „Ja! ja! Das sind schreckliche Leute," unterbrach ihn <Nmon, „vor allem im Handel. Das beweisen schon ihre Sprichwörter, und daß diese Nicht auf uns anzuwenden sind, dafür erbiete ich mich zum Schewuoß haddajonim (gerichtlichen Eide) oder auch zum — Hesfts!" „Still doch mit diesem jüdischen. Zeuge!" rief voll Aerger und Ungeduld Tilda's Vater. „Ah! Wahrhaftig! — Vitt' um Entschuldigung. Ich vergaß, daß ich schon lange kein Jude mehr bin! Also auf Ehrenwort!" „Ja! Und daß Du das Gespräch unterbrachst war noch schlimmer," fuhr Mann fort. „Diese Gesellsch'astshäuser sind 'gegen die armen Juden gerichiet. Dieser tandwirthschaftliche Verein ist auch nur eine Verschwörung gegen uns. Ihr alter Hatz beharrt auf's Beste!" ' „Ich sehe nur nicht ein," unterbrach ihn Jakob, „daß auch wir sie sehr geliebt haben. „Dazu hatten wir auch wahrlich keinen Grund!" warf Heinrich ein. „Bei alll ihrer Artigkeit und Höflichkeit — nähere Dich ihnen nur etwas, und seiest Du noch so gut erzogen, sie lassen Dich nicht in ihren engeren Kreis; sie gestatten Dir nicht, vertrauliche Beziehungen anzuknüpfen. Du erfährst von ihnen nicht die Wahrheit, und genießest nicht ihre Freundschaft!" . „Aber wir?" fragte Jakob. „Was wir?" sprach Mann. „Mr haben das Recht, so zu sein, wie wir sind! Wir haben Gründe, sie zu hassen!". „O ja!" fügte Simon hinzu. „Wir haben das Recht, sie zu hassen. Und sie müssen uns dafür herzlich ° lieben. So will's doch ihre Lehre und ihr Gesetz! Geben wir ihnen einen Backenstreich, müssen sie uns die andere Backe Hinhalten!" Alle blickten sich schweigend an. Auch Simon wurde ernster. „Nun? Was aber erwächst aus all' diesem?" fragte Tilda's Vater.. . „Frage lieber, was zerstört wird!" verbesserte ihn Simon. „Verrückt sind sie, daher können sie nichts Vernünftiges'thnn!" brummte Mann. „Verluste, Unglück, Blutvergießen, Feuersbrünste, weiter nichts! Stellt Euch vor, sie glauben an den Kaiser Napoleon, an Eng-, land, an Italien, Ungarn, an die Türkei und an Schweden; Manche sogar an eine deutsche Revolution, an einen — Kartoffelkrieg! Und die Letzten sogar an . eine russische. Und mit alledem wollen sie etwas für sich aufbauen! Hat man jemals eine solche Dummheit gesehen?!" - . Simon lächelte. •' „Am schlauesten haben sie sich diesen Napoleon auserwählt. Das ist ein fundamentaler Kerl, der niemals seine Meinung 'wechselt, und sich immer nach dem Gefühle richtet!" . Alle blickten sich an, ob er wohl im Ernste spreche. „Komme aber, was da wolle," fuhr Tilda's Vater fort. „Wir sind in einer sehr schwierigen Lage. Mit. ihnen oder gegen sie zu gehen, ist gleich gefährlich. Der. Sieg wird bei Rußland sein, das unterliegt keinem Zweifel. Aber im Momente der Anarchie können sie uns erdrücken und unsere Einbürgerung auf lange Zeit hinausschieben!"' „Da irrst Dü Dich," sprach Heinrich. \ „Ja, Du irrst Dich!" wiederholte Simon. „Wir setzen uns auf zwei Stühle. Wird uns der.eine fortgezogen, bleibt uns der andere!" „Das unterliegt keinem Zweifel," bestätigte der Erste. ‘ * . „Für mich," wandte Jakob ein. „ist nur Eins klar: Mag auch die Niederlage vorherzusehen sein, man muß aufrichtig mitgeh'en und die Geschicke des Volkes theilen! Dies Opfer ist das beste Mittel, um uns das Bürgerrecht zu erwerben. Wie es auch ausfalle," unser Verdienst muß anerkannt werden. Mir rühmen uns heute noch des einzigen Obersten Berk!" - 7;