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Der Israelit · 1903-04-22 · Heft 30-31 (22.4.1903) · page 38

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 30-31 (22.4.1903)
Date
1903-04-22
Page
– (sequence 38)
Language
German
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Mit diesen Worten schug er die Thiire zu. Etelmann dachte, er hätte sich Vielleicht verhört und klopfte an Nr. 19. Ein junges Mädchen im tiefsten Neglige schaute heraus und sprach unwillig: ..Qu6 d6sirez-vousf monsieur“? Etelmann reichte dem Mädchen die Rechnung hin. ...Je n’en sais rien VlAWez vous en! “ Die Thiire schloß sich und die Rechnung flog Etelmann vor die Füße. Unmittelbar darauf kam auch der Portier und fragte ihn nach seinem Begehr. „Ich möchte zu Herrn Brotzky aus Kiew." „Ein Herr dieses Namens wohnt nicht im Hotel." „Ader er hat es mir doch selbst miigetheilt!". „Thut mir leid! Begeben Sie sich herunter und sehen Sie sich das Fremdenbuch an."-:-: — Etelmann's Entsetzen ist schwer zu schildern. Ms er nach Hause kam, schickte er alle nur verfügbaren Leute in sämmtliche größeren Hotels von L. Umsonst, der Millionär Brotzky war und blieb verschwunden. Der Restaurateur jedoch war wie von Sinnen. Den Kopf zwischen den Händen, lief er im Zimmer umher, fortwährend vor sich hinrufend: „Fleisch haben sie gefressen, Wein getrunken, 200 Rubel mitgenommen! Was soll ich thun? Was soll ich anfangen?" Die Thüre öffnete sich und Jerachmiel kam herein. In gebückter Haltung trat er auf, und er trug wieder seinen alten Kaftan. „Guten Morgen. Herr Etelmann. Ich bitte Sie. verzeihen Sie mir mein Auftreten von vorgestern und geben Sie mir etwas Essen." „Was. Essen!" schrie der aber im höchsten Zorn. „Gestern hat man mich erst ganz bedales gestellt. Zweihundert haben gegessen, Wein getrunken, zweihundert Rubel dazu mitgenommen, und ich habe keinen rothen Heller zu sehen bekommen! Niemand kennt den Millionär Brotzky!" „Wie ist 'das möglich," rief Jerachmiel aus, „vorhin sprach ich einen alten Jüd, der hatte heute erst von ihm fünf RubÄ bekommen!". „Was höre ich, goldener Reb Jerachmiel! Wo ist er, wo finde ich ihn, den Jüd?" „Ich weiß es nicht." „Lieber, guter Reb Jerachmielleben, schafft ihn mir herbei und Ihr erhaltet von mir fünf Rubel als Belohnung. So schnell als möglich macht nur. daß ich die ütdresse Brotzkys erfahre." „Ich werde mir Mühe geben," gab Jerachmiel zur Antwort, „dem alten Rosche noch was Ordentliches einzubrocken," flüsterte er ingrimmig in seinen Bart hinein, als er zur Thür hinausschritt. Er ging schnell zu dem alten Feldscheer Zentnerschwer und klagte ihm mit bekümmerter Miene: „Panie Feldscheer, ich habe einen Vetter, der ist plötzlich verrückt geworden und schreit immer vor sich hin: „Zweihundert gegessen, Wein getrunken, Geld zugenommen! Was ist da zu machen?" „So, das ist eine Kleinigkeit. Bringt ihn nur mal her!" - - - * ' * . * Am Nachmittag kam Jerachmiel zu Etelmann und sagte ihm. daß er es mit 'vieler Mühe fertig gebracht habe, die gewünschte Adresse zu erfahren. Etelmann ging sofort mit ihm. Als sie beim Feldscheer waren, stellte Jerachmiel seinen Begleiter demselben als seinen Vetter vor. Der fühlte Etelmann den Puls. „Sie sind verrückt." schrie der aber. „Zweihundert gegessen. Wein getrunken und noch zweihundert Rubel in baar. Wo ist Herr Brotzky?" Aufmerksam betrachtete ihn der Feldscheer. „Vielleicht helfen die Blutegel," sagte er, und auf seinen Wink stürzten sich seine Gehilfen auf den Ahnungslosen, entkleideten ihn und setzten ihm Blutegel am We rasend wehrte sich Etelmann. „Ein akuter Fall," sprach der Feldscheer. und einige Douchen trafen den Patienten.. JerachMiel hielt sich die Seiten vor Lachen. Ms Etelmann ihn bemerkte, rief er 'ihn erst um Hilfe an, dann aber kam ihm die Erkenntniß des Zusammenhangs. Wüthend wollte er sich auf ihn stürzen, doch die Gehilfen hielten ihn fest. Kurz, eine halbe Stunde später würde er halb bewußtlos in den Wagen getragen; Jerachmiel half noch dabei — und verschwand dann spurlos. In den nächsten Tagen sprach man in ganz T. nur noch von Etelmann's Abenteuer. Und in den Zeitungen stand folgende Anzeige: »Fünfzig Rubel demjenigen, der die Adresse Jerächmiel. Chaimowitzsch mir mittheilen kann. Etelmnnn, Restaurateur."- Jahre vergingen. — Etelmann's Geschäft wollte nicht mehr so recht gut gehen, so daß er vor der Zahlungsunfähigkeit stand. Da erhielt er eines Tages einen Brief, einen Geldbrief aus Chicago. Der Inhalt desselben betrug 2000 Rubel, außerdem lag ein Zettel bei, der folgende Worte enthielt: „Meine heutige Nekome!"

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