Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 30-31 (22.4.1903)
- Date
- 1903-04-22
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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69ft wenn ein Ansatz von Korperekweiß erzielt werden soll, nicht Hoch genug anzüschlagen. . }■.? Vom religionsgesetzlichen Standpunkte steht der Verwendung der Caseinpräparate kein Bedenken entgegen, sofern die Gewinnung und die FaLrikationsart des betreffenden Präparates genügende Garantieen für rituelle Reinheit bieten; ebenso ist es klar, daß die Milchpräparate nur als Zusätze zu denSpeisen gebraucht werden dürfen, die zur Gruppe der Milch- oder Minnignahrung gehören, da religionsgesetzlich der gleichzeitige Gemlß, also auch die Mischung von Milch- und Fleischprodukten unzulässig ist. Als ein rituell einwandsfreies Casein-Präparat gelangt die Nutrose, welche die Höchster Farbwerte unter geeigneter Aufsicht fabriziren,. durch die Firma David Bauer-Frankfurt a. M. in den Handel. Die Nutrose, ein weißes, fast geschmackloses Pulver, löst sich leicht in warmem Wasser und ist ein durch seine Nährkraft und seine Verdaulichkeit ausgezeichnetes Präparat; es enthält etwa 900 Eiweiß, welche vollständig verdaut und aUsgenutzt werden. Die Nutrose gelangt in gleicher Weise bei Erwachsenen, wie bei Kindern zur Verwendung, und ihre guten Wirkungen werden bei einer Reihe von Krankheiten — bei Tuberculose, Herz- und Nierenaffektionen, Diabetes, Magenkrankheiten — die mit einer Schwächung, . einem Verfall der Kräfte einher- ‘ gehen, sowie bei allen schwächlichen, erholungsbedürftigen Personen, zumal in der Reconvalescenz nackschweren Krankheiten, gerühmt; ebenso ist die Darreichung der Nutrose für Gichtkranke und solche, die an harnfaurer Diathese leiden, recht empfehlenswerth, da sie, gleich den anderen Caseinpräparaten, die' Harnsäurebrldung in keiner Weise beeinflußt. Am besten wird die Nutrose in Dosen von 1—2 Theelöfseln, als Zusätze zu Suppen. Cacao, Reis, Gries, zu Wein, Milch oder Thee verabfolgt; sie kann auch zu Mehlspeisen, Zwieback oder Brod verbacken werden.- Deutschland. Frankfurt a. M. Die soeben erschienenen „Mitthcilungen" aus dem „Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" (mp 'nctr) machen zum Jahresbericht 1902 folgende Bemerkungen: Betrachtet man die. Leistungen des Vereins an und für sich, so könnten sie als zufriedenstellende gelten. Es sind beinahe Mk. 3000 aus der Versicherungslasse an Gehülfen zur Auszahlung gelangt und haben es diesen so erleichtert, über die schwere Zeit der Stellenlosigkeit hinwegzukommen. Die Stellenvermittlung hat mit größerem Erfolge als im Vorfahr gearbeitet. Der Dispositionsfonds konnte in einigen außerhalb des Rahmens der eigentlichen Vereinsaufgaben liegenden, dringenden Fällen Hilfe gewähren. Trotz dieser gesteigerten Leistungen vermehrte sich das Vereinsvermogen um einen, wenngleich sehr bescheidenen Betrag. Ein ganz anderer Eindruck aber ergibt sich, wenn man statt dessen, was der Verein geleistet, in's Auge faßt, was er eigentlich leisten sollte. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß unser gesetzestreues Juoenthum innerhalb Deutschland seine Stützen fast ausschließlich im Kaufmannsstande findet. Alle anderen Berufsarten sind in unsrem Kreise so vereinzelt vertreten, daß sie, selbst zusammengenommen, für die Allgemeinheit nicht in Betracht kommen können. Was ergibt sich daraus? Nicht mehr und nicht weniger, als daß die Zukunft des gesetzestreuen JuDenthums Deutschlands unaufiösbar verknüpft ist mit der Hut, die der Sabbat in unsrem Kausmannsstande findet. Welche einflußreiche Faktoren am Werke sind, um die strikte Jnnehaltung des Sabbatgesetzes zu erschweren, ist allen zur Genüge bekannt. Auf der einen Seite die sich mehr und mehr verschärfende Concurrenz, auf der anderen Seite das Gesetz über die Sonntagsruhe, dem die Tendenz innewohnt, sich nach und nach zu einem völligen Verbot der Sonntagsarbeit auszuwachsen. So ist in der Zahl der am Sabbat geschlossen haltenden Geschäfte ein Fortschritt seit Jahren nicht zu verzeichnen und wir müssen den Stillstand schon als etwas Wünschenswerihes ansehen. ' Man sollte denken, daß wenn in einer so ernsten Situation ein Verein m’2 Leben gerufen wird, wie der unsrige, ein Schomre-Schabos-Vereln, der den schlimmen Wirkungen der oben geschilderten Faktoren entgegenarbeiten will, daß dann das Häuflein derer, die es ernst meinen mit dem Sabbat, sich wie ein Mann um die von uns erhobene Fahne schaaren würde. Man sollte denken, daß, wie vielgestaltig auch die Anforderungen sind, die unsere Gegenwart an die Zeit, den Geldbeutel und das Interesse jedes Einzelnen stellt, sich doch Jeder sage: Der Sabbat ist der unerschütterliche Fels, mit dem das Judenthum begonnen hat, und mir dem es in alle Ewigkeit steht und fällt. Gilt es seiner Wahrung, so kann alles, was ich in anderer Richtung thue, mich nicht.davon entbinden, hier mein Scherflein öeizutragen und an den Arbeiten des Vereins nach besten Kräften theilzunehmen. So sollte es sein. Statt dessen sehen wir, daß unser Verein, der über ganz Deutschland seine Wirksamkeit erstreckt und überall Mitglieder wirbt, es in den bald fünf Jahren seines Bestehens noch nicht auf 600 Mitglieder gebracht hat. Wir finden Prinzipale, die ihr Geschäft am Sabbat geschlossen halten, denen es aber, wenn sie einen Gehülfen brauchen, ganz gleichgültig ist, ob dieser auf Sabbat reflektirt oder nicht.