Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 30-31 (22.4.1903)
- Date
- 1903-04-22
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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44. Jahrgang.' WWW ""'f MlUchmte uni ihn ritult- ZulWM. Von Dr. P. Münz, (Nürnberg), Badearzt in Bad Kifsingen. (II. Fortsetzung.) Um das Bild dieser aus thierischen Geweben hergestellten Mittel zu vervollständigen, ist es nothwendig, auch auf jene aus Blut gewonnenen Präparate hinzuweisen, welche entweder in flüssiger oder pulverisirter Form in den Handel gelangen und neben ihrer Wirkung eines eigentlichen Medikaments auch die Rolle eines Kräftigungsmittels haben; außer, wechselnden Mengen von Eiweißstoffen des Blutes enthalten sie Eisen, vielleicht auch aromatische und wohlschmeckende Substanzen und gelangen stets dann zur Anwendung, wenn es daraus ankommt die Blutbikdung günstig zu beeinflussen. Fast alle diese Präparate sind durch einen eigenthümlichen Geruch und Geschmack ausgezeichnet und erzeugen oft bei längerem Gebrauche Widerwillen. Da Blut vom religiösen Standpunkte dem Genüsse entzogen ist, so ist es klar, daß alle aus Blut hergestellten Präparate oder mit ihm versetzten Nahrungsmittel unter dasselbe Verbot fallen. Die meisten unter diesen Vlutpräparaten tragen den Stempel der rituellen Unzulässigkeit schon offen zur Schau durch die Bezeichnung Haima oder Sanguis, d. h. Blut. Es gehören hierher in erster Linie Hämatogen, Hämoglobin, Hämalbumin, Niemanns Hämatol, Haimose, ferner Ferrhämin, Hämagallol, Hämol, Hämoferrogen, Sanguinal; Vlutpräparate sind überdies, ohne daß ihre Bezeichnung sie als solche verräth, Carniferrin, Dynamogen, Fersan, Ferratin, Eubiose, Perdynamin, Roborin und Sicco. Wiewohl es nicht in Abrede zu stellen ist, daß sich unter den genannten Präparaten eine Reihe recht werthooller Eisenmittel befinden, so kann doch in vielen Fällen ein Ersatz geboten werden in den rituell zulässigen eisenhaltigen Medikamenten; ich zähle, hierher den Liqor ferro Mangani sacccharati und peptonati, den Liqor ferrijodosini, die tinctura Fern pomata sowie viele andere Eisenpräparate. Gleich den Vlutpräparaten enthält auch die große Schaar der in die moderne Therapie eingeführten und so vielfach empfohlenen Mittel, die nur die Bedeutung eines Medikaments haben, rituell unzulässige Extractivstoffe von Thieren; es stguriren in dieser Gruppe die immer mehr und mehr in Schwung kommenden Organ- Produkte, welche unrituell geschlachteten Thieren entl nommen werden, wie Adrenalin, Cerebrin, Jodothynn/ Medulladen, Ovariin,- Spermin, Thyreoidin, Thyrojodin, Thyradin und viele andere. Das Leciihol-Riedel stellt ein aus Eiern hergestelltes Heilmittel dar. / - Bei der großen Bedeutung, welche die künstlichen Eiweißpr'äparate des Fleisches erlangt haben, konnte e3 nicht ausbleiben, daß die Industrie sich bestrebte, auch andere natürliche Nahrungsmittel, welche durch den Gehalt an guten Eiweißstoffen ausgezeichnet sind, für die Zwecke der Ernährung in Form von künstlichen Nährpräparaten nutzbar zu machen. Es lag vor Allem sehr nahe, aus der Milch, aus jenem Nahrungsmittel, welches durch Nährwerth und Verdaulichkeit alle anderen übertrifft, den Eiweißstoff, das Casein, zu sondern*) und in eine leicht lösliche und leicht verdauliche Form zu bringen. So entstand bald durch Einwirkung verschiedener chemischer Mittel (Ammoniak, Natrium/ Säuren) eine Reihe von recht brauchbaren Nährpräparaten, die, aus der Milch hergestellt, die Eiweißstoffe, zum Theil auch die Salze derselben enthalten und in allen jenen Fällen, in denen die Milch gar nicht vertragen wird und in denen leicht verdauliche Eiweißstoffe gereicht werden sollen, einen guten Ersatz für die Milch bieten. In diese Gruppe gehören Eucasin, Eulactol, Galactogen, Globon, Nutrose, Plasmon, Sanatdgen, sowie die (im Gegensatz zu der aus Fleisch bereiteten) aus Milch gewonnene Somatose. Es läßt sich nicht verkennen, daß die aus der Milch dargestellten Präparate sich durch einen höheren Grad von Verdaulichkeit und Nahrhaftigkeit 'auszeichnen und eben deßhalb,. zum Theil auch wegen ihrer größeren Billigkeit, den Fleischpräparaten erfolgreiche Concürr'enz bieten. "Die genannten Milchpräparake stellen sammt und sonders trockene, p'ulverförmige, weißliche Substanzen dar, die in kaltem oder noch besser in lauwarmem Wasser sich leicht lösen und einen indifferenten, jedenfalls keinen unangenehmen.Geschmack besitzen. Einige unter ihnen ragen besonders hervor, wie Eucasin, Nutrose, Plasmon, Sanatogrn; dem Sanatogen wird überdies wegen seines Gehalts an glycerin-phosphorsaurem Natrium eine günstige Wirkung auf das Nervensystem und die Knochenbildung zugeschrieben, und es wird darum,vielfach bei nervösen Personen angewendet. Den guten Eigenschaften der Caseinpräparaie, vor Allem ihrer Verdaulichkeit und ihrer Schmackhaftigkeit, ist es zu danken, daß sie in größeren Mengen genommen werden können, ohne daß ein Widerwille oder Beschwerden seitens des Magens oder Darms sich einstellen; dies ist stets dann, wenn es auf eine reichliche Eiweißzufuhr ankommt, *) Bei dieser Prozedur wird das Milchfett avaeschi-den und nachher als Butter verarbeitet. . ' ^953