Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 30-31 (22.4.1903)
- Date
- 1903-04-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Larrtcnbtirg (Westpr.), 16. April. s'VV px pro jn btoi .c’ff’nA rwsz. Den frommen, tugendhaften Menschen errichtet man keine Denkmäler, ihre Handlungen genügen, um ihr Andenken der Nachwelt zu erhalten. Von einem herben Verlust würde unsere Gemeinde betroffen. Am ersten Tage um bin wurde Herr Selig Karo im Alter von 74 Jahren aus unserer Mitte in ein besseres Jenseits abgerufen, ein Mann, auf den man mit Recht die Worte unserer heil. Thora anwenden kann: .'i Tpts» t&x nsnan rirr 23' brr-.V' jv3 V21 Me ganze Gemeinde beweint den Brand, den der Ewige entzündet hat, trauert über den Tod eines ihrer besten Mitglieder, über einen glaubenstreuen, gottessürchtigen Israeliten, über einen Zadik in des Wortes schönster Bedeutung. Was er seiner Familie gewesen, ist nicht zu ersetzen. Wahrhaft rührend war seine Liebe zu seinem Sohne und dessen Gattin, in deren Hause er nach dem Tode seiner Frau lebte, wahrhaft herzerquickend seine Liebe zu seinen kleinen Enkelinnen, wie ja auch Sohn und Schwiegertochter den leidenden Vater mit größter Sorgsalt und Zärtlichkeit hegten und pflegten. Aber die Liebe des Verstorbenen war wie die eines wahrhaft edlen Menschen, umfassender Art. Und aus dieser Liebe gingen denn auch die Eigenschaften hervor, welche ihn in so hohem Maße zierten, die Tugenden der Wohlihätigkeit und der Gastfreundschaft, die er stets in edelster Weise übte, Mildthätigkeit im Verborgenen. Aber selbst diese herrlichen Eigenschaften wurden überstrahlt von seinem Gottvertraüen, seiner Ergebung in Gottes unersorschlichen Willen, seiner Fügung in Gottes Schickungen, hie ihn, der von schweren Leiden geplagt, fast ein volles Jahr bis an sein Lebensende im Bette zubringen mußte, stets noch ein tröstendes Wo'-r für seine bangende.Umgebung finden ließ, stets ein N3wb n m aus die Lippen legte. Und solche Festigkeit im Glauben an Gott war die schönste Frucht seines lebenslänglichen, tiefen und gründlichen Talmudstudiums, wie ja auch sein Vater lernend zu Füßen des großen Rabbi Akiba Eger s. A. saß. vL»n p'NL r.x’X’. Auch das Scheiden dieses Gerechten und Frommen, der bis zum letzten Athemzuge für das Festhalten am göttlichen'Gesetz, an unseren religiösen Institutionen eintrat — die rituelle Tauche, wie auch das Beth Hamid rasch Hierselbst sind seine eigensten Werke und Lieblingskinder — verursacht eine Lücke, die kaum auszusüllen ist. Welche Liebe und Verehrung der Verblichene genoß, zeigte sich auch bei dem Leichenbegängniß. Groß war die Menge derer, aus Stadt und Umgegend, die dem Verstorbenen das letzte Geleite gaben, die es sich nicht wollten nehmen lassen, ihrem Glaubensgenossen, Freunde und Mitbürger, aber auch Wohlrhäter, die letzte Ehre zu erweisen, einen letzten Abschiedsgruß zuzurusen. Am Grabe selbst gab Herr Rabbiner Dr. P i ck , Straßburg, in meisterhafter Rede.ein getreues Vild von dem Leben und Wirken des Verstorbenen, dessen treffliche Eigenschaften ihm auch über das Grab hinaus ein treues Andenken sichern werden. 7i'"rx-rn. \\ Tr. Würzburg, 20. April. In der Predigt, welche Herr Distriktsrabbiner Nürnberger am ersten israelitischen Osterfeiertage in der hiesigen Synagoge gehalten, hat derselbe die sehr dankenswerthe Ausgabe unternommen, vor einem größeren Publikum auch einer anderen Auffassung über die babylonischen Ausgra-- bungen Ausdruck zu verleihen, als sie Professor Delitzsch gewonnen hat. In sein durchdachtem, sormge-' wandten Vortrag trat der Redner unter voller Anerkennung der hohen Kultur der Babylonier der „Babylomanie" entgegen und suchte nachdrücklich dem alten Testament seine Selbstständigkeit zij Wahren. . Oesterre ich. Wien, 20. April. Dem hier erscheinenden „Jüdischen Volksblatt" ist in dem sonst so judensreundlichen Ungarn das Postdebit entzogen worden. Das Blatt hatte durch seine Stellungnahme in der ungarischen Nationalitätenfrage schon seit einiger Zeit die. Aufmerksamkeit aus sich gezogen, da es die ungarischen Juden eindringlich davor warnte, den Magyaren in ihrer chauvinistischen Politik Vorspanndienste zu leisten, damit nicht einmal der allgemeine Groll sich gegen die Juden wende und sie die Kosten für diese Politik tragen. Diese Warnung scheint der ungarischen Regierung staatsgesährlich erschienen zu sein. Belgien. Brüssel. Nicht za oft bietet sich Veranlassung, Erfreuliches über den Fortschritt unserer heiligen, jüdischen Sache aus unserer Gemeinde zu berichten. Um so lieber ergreife ich daher die Gelegenheit, Ihnen über eine Vereinigung zu referiren, die sich in jüngster Zeit hier gebildet, und deren Zustandekommen eine entschiedene Wendung zum Bessern bedeutet. Wir meinen den ..Cercle israelite d’aerrement“ -in' w dtnie* Ganz abgesehen von den materiellen Unterstützungen, die durch einen Verein wesentlich nachhaltiger sein können, als Einzelspenden, so liegt schon ein großer Gewinn in einer Vereinig.mg aller solcher, die noch Herz und Hand offen haben für jüdische Interessen.. Freilich pflegt sich bei ähnlichen Vereinigungen die Divergenz der religiösen Anschauungen der einzelnen Mitglieder recht unangenehm bemerkbar zu machen, doch ist diese Befürchtung hier ausgeschlossen. Ist es' doch ausdrücklich in den Vereinsstatuten ausgesprochen — was hierzulande gar nicht so selbstverständlich ist—daß das Vereins-Buffet koscher geführt wird, und daß an Sabbatu. Jomtosabenden, sowie am 2x2 'o der. Cercle ge- 1 schlossen ist. Sir Samuel, Lordmayor von London,