Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 30-31 (22.4.1903)
- Date
- 1903-04-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Heimath zurück, so lasse man sie mit dem eingebrachten Geschenke ziehen.. Ans diesen Verhältnissen entwickeln sich nun Streitfragen zwischen den Eheleuten und Gläubigern, die aus ihre Personen Anspruch machen (die Frau wird durch rechtzeitigen Vorbehalt geschützt), Eheversprechen werden nicht gehalten, Testament oder Schenkung wird erörtert, Vater- oder Mutierthei! bei der Erbtheilung, Verstoßung von Kindern, Annahme fremder Kinder, die Familie als Pflegestatte für fremde Kinder, die Wittwr im Verhältnis zu den Hauserben, zweite Ehe und Folgerungen für Erbstreitigkeiten, das Recht der Frau, ihr Eigenthum zu vermachen, und vieles Andere. ... - - Außer den Freien gibt es Freigelassene und Sklaven, die in jeder Beziehung eine Stufe tiefer stehen, deren Verhältnisse das Gesetz aber auch schon in milderem Sinne zu behandeln beginnt. Diese Darstellung. zeigt manche Ähnlichkeit mit den Zeitumständen der Stamwväter in der Bibel. Sarah uyd Hagar, Rahel, Lea, Bikha, Silpah — da haben wir Frauen und Nebenfrauen. Jakob darf, da er in den letzteren Mägde und Nebensrauen mit Kindern hat, nach Labans Warnung keine weiteren Nebenfrauen nehmen. Hagar überhebt sich der Sarah gegenüber und wird mit ihrem Sohne entlassen. Eine Magd soll sie nicht bleiben, sie weilt dann in Egypten, ihrem Geburtslande. - i Und mit Recht vermuthet die Ueberlieferung, daß Elieser Geschenke zur Verlobung, ja eine Verschreibung aller Güter nach Haran mitgenommen. In diesen Punkten bildet das Hammurabigesetz eine glänzende Bestätigung jener Urgeschichten,. deren Träger aus Mesopotamien, stammen, und die von den Verhältnissen jener Zeit ausgehen. Ist nun Hammurabi wirklich der Amraphel der Bibel (was Qppert in einer Zuschrift an mich für unmöglich hält — ich hatte es nur bezweifelt—), so wäre es kein Zufall, daß Abraham zu ihm in Beziehung gebracht wird, und daß Amraphel von Sinear und Kedarlaomer der Elanüte auf einer Seite und die fünf kanaanitischen Stadtkönige (H'ammurabi nennt sich den Ersten der Stadtkönige) auf der anderen Seite stehen. Der Elamite steht an der Spitze, also mutz Hammurabi entweder vorher oder nachher Großlönig geworden sein. Hat man diese ganze Erzählung für so ungeheuerlich gehalten, als eins der spätesten Bestandtheile der Thora feststellen wollen, so müssen nun, wenn man Beziehungen zwischen dem Hammurabigefetz oder Thora entdecken will, diese Fragen von Neuem geprüft werden. Aber diese Verhältnisse werden von der Thora als v o t m o s a i sch h'mgestellt, diese Verhältnisse verschwinden im Mosaismus, da ist von Nebenfrauen, von Ehen mit Sclavinnen keine Rede mehr. Höchstens kann der Herr dem gekauften Hebräer eine Sclavin geben, mit der er Kinder erzeugt, die aber bei seiner Freilassung dem Herrn oerbleiben. Hat man die heidnische Kriegsgefangene zur Gattin erkoren, so darf sie nie mehr als Sclavin verkauft werden. Wer ein Mädchen bethort oder vergewaltigt, darf jte, wenn die Ihrigen die Ehe mit ihm zugegeben, nie mehr entlassen. Wenn er von zwei Frauen die Eine mehr liebt, als die Andere, darf er ihre Kinder trotzdem nicht bevorzugen. Eine Scheidung gibt die Thora nur im Falle der Unzucht zu, unter der Voraussetzung, daß wahrscheinlich der nächste Mann sich auch von der Zuchtlosen trennen wird. - (Fortsetz. folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deut sch l a n b. Frankfurt a. M., 21. April. Ihrem Badebrief in voriger Nummer Ihres gesch. Blattes habe ich, als langjähriger Kurgast dieses freundlichen Badeortes, bezüglich dessen Vorzüge nichts hinzuzufügen. Wenn ich mich trotzdem veranlaßt sehe, zu Ihrem Artikel das Wort zu ergreifen, so bewegt mich dazu nur der Umstand, daß Ihre Correspondenz nur geeignet ist. in weiten Kreisen Befremden hervorzurufen. Der Schreiber eines Artikels, der die Hotel- und Kaschruthverhältnisse Kissingens bespricht, hätte, wenn er nicht thatsächlich Reklame im redaktionellen Theile Ihres Blattes beabsichtigte, doch in erster Linie Hotel und Pension Ehrenreich erwähnen müssen. Ist es doch'jedem Kenner der dortigen Verhältnisse bekannt, daß gerade dieses Hotel seit den 25 Jahren seines Bestehens sich stets mit Recht des besonderen Vertrauens gerade der streng orthodoxen Kreise des Judenthums, erfreut. Dies Vertrauen hat sich nach dem leider allzu früh erfolgten Tode des Ehepaars Ehrenreich s. A. in unvermindertem Maße auf deren Kinder übertragen,, die das Hotel streng im Sinne ihrer Eltern weiterführen. Ich bin überzeugt, daß gerade aus dem Kreise Ihrer Leser mir viele dafür Dank wissen werden, daß ich dies ausgesprochen habe. Hotel Ehrenreich ist thatjachlich im Sommer ein Sammelpunkt aller Erholungsbedürsrigen ans den Kreisen des konservativen Judenthums und mit Recht; denn ebenso wie das Kascheruth, entspricht auch Küche und Keller den weitgehendsten Ansprüchen. H. B. in F. Anmerkung der Redaktion: Indem wir mit Vorstehendem die Besprechung der Kissinger Verhältnisse beschließen, bemerken wir außerdem, daß uns noch mehrfach von geschätzten Seiten Zuschriften ähnlichen Inhalts zugeganKn sind. ’