Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 30-31 (22.4.1903)
- Date
- 1903-04-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gelehrtenwelt. sowie b*et israelitischen Kultusgemeinden von Wien, Prag, Budapest und Berlin waren erschienen. Im' Leichenhause sprach über Lazarus' Leben und Wirken der Münchener Rabbiner Dr. Werner, am Grabe über Lazarus' ideal; Weltanschauung der Landesrabbiner Dr. Tänzer aus Hohenems. Frau kr eich. PariS, 17. April. Bei seiner Ankunft in Algier wurde Herr Loubet unter anderem auch vom Rabbiner begrüßt, der ihm die Mitglieder des jüdischen Konsistoriums vorgestellt hatte. In trefflichen Worten hat Herr Vldch, der Großrabbitter von Algier, der Freude Ausdruck gegeben, die die Juden von Algier über den Präsidentenbesuch empfinden. Die Juden von Algier haben am meisten unter den blutigsten Verfolgungen und niederträchtigsten Schmähungen einer gewissenlosen Bande zu leiden gehabt, und für sie bedeute der Prästdentenbesuch den Beginn einer neuen Epoche, einer Epoche des Friedens, der Beruhigung und des Fortschrittes. In seiner Antwort hat Herr Loubet hervorgehoben,' wie sehr sich die Regierung der Republik für das Schicksal der Juden von Algier interessire. Die Regierung 'wisse sehr wohl, unter welchen schweren Bedingungen sie zu leben haben. Und wenn es einerseits die Pflicht der französischen Regierung sei, diese Bürger nach Kräften zu schützen und zu fördern, so sei es andererseits die Pflicht der Juden von Algier, zu Frankreich und zur Republik treu zu halten, denn der Republik verdanken 'sie ihre Freiheit und ihre Bürgerrechte. Zum Schlüsse fügte noch Herr Loubet hinzu, daß er bei jeder Gelegenheit Frieden und Toleranz empfehle. Die französisch-jüdische Presse begrüßt mit Freuden die Worte des Herrn Loubet Und stellt mit Genü'gthuung fest, daß die Regierung dem Grundsätze der Gleichheit alter Bürger treu zu blüben entschlossen ist.; . Pi. Ae Wirret o« KM Von Wobevt -Känveirr. 133 Schon morgens in aller Frühe suchte Baron von Korff Pater Firmian auf und erzählte ihm das Vorgefallene mit der Bitte, ihm durch seinen Rath in dxr schwierigen Angelegenheit zur Seite zu stehen. Der treue, väterliche Freund bewunderte die klage, kaltblütige Haltung. seines Schülers und zollte seinem Plane vollen Beifall. Sie besprachen alle zu treffenden Maßregeln bis in die kleinsten Details, und Pater Firm'ian faßte alles Besprochene in folgendes Resumv zusammen: «Wenn in wenigen Stunden die Leiche gefunden wird, so müssen Sie, als oberster Gerichtsyerr, ostentativ in die Angelegenheit eingreifen, den Verdächtigen verhaften lassem und so jeden Schein vermeiden, als ständen Sie auf Setten irgend einer Partei. Sie brechen jeden Verkehr mit der Familie des Schloßgutsverwalters' ab, bis die Sache ausgetragen und die Unschuld des Verwalters vollständig festgestellt sein wird. Joseph werde ich übev den wahren Stand der Sache unterrichten, damit er seine Mutter im Allgemeinen beruhigt. Den wahren Sachverhalt darf auch sie nicht wissen, denn würde sie, durch diese Kenntuiß beruhigt, dem Ausgang der Sache entgegen sehen, so könnte Liese Ruhe Verdacht, und Argwohn wecken. Dagegen bin ich dafür, daß Ihr Pflegevater über Alles unterrichtet Mrde. nicht durch Sie, sondern durch mich. Er Muß ein ordentliches Zimmer haben, da es sich ja nur Um Untersuchungshaft handelt. Ich gehe sofort vor der Verhaftung in's Gefängniß und benütze den ersten Ostertag, um dem Gefangenen an diesem Tag geistlichen Zuspruch zu bringen. Bei diesem Anlaß hoffe ich dann alles selbst ohne Aufsehen arrangiren zu können. Auch Mazzos, Wein, Charauses und alles andere will ich ihm für den zweiten Söderabend und die ganzen Peßachtage besorgen. — Bei der Geistlichkeit muß ich zu erfahren suchen, welche Compkicen der frühere Schloßverwalter hier Hai Das wird wohl das Wesentlichste sein." „Noch eins," ergänzte der Baron, „informiren Sie sich doch einmal, wer die alte, blödsinnige Frau ist, welche das Werkzeug der Elenden war. Ich erinnere mich niemals, die Person gesehen oder den Ramen Marie Makofski gehört zu haben." Pater Firmian versprach, sich die Sache angelegen sein zu lassen und verabschiedete sich, um sofort an die Arbeit zu gehen. Kaum hatte sich der Pater enffernt, als dem Baron der Besuch des früheren Verwalters. Herrn Porikonski, gemeldet wurde. Er wurde freundlich empfangen und erzählte, daß er die Osterfeiert'age benützt habe. Um feine alten Freunde und Bekannte wieder zu besuchen. Auf Befragen sagte er, erst heute morgen aUgekomMen zu sein. Das stimmte jedenfalls nicht, und war somit die erste Unwahrheit, in die sich der Verwalter verwickelte. Der Baron erkundigte sich über den Stand des Gutes, das Herr Porikonski seit fünf Monaten verwaltete. Er sagte, daß er es in schlechterem Zustande angetroffen habe; es sei dies jedoch nicht lediglich Schuld des früheren Verwalters, sondern der Umstand, daß es hart an der ruffisch-galizlschen Grenze liege, trage viel dazu bei. Der Schmuggel, der in diesen Grenzdistrikten in vollem Schwange fei, demoralistre Alle Mü»