Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 30-31 (22.4.1903)
- Date
- 1903-04-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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671 Alles. Er mache die Leute arbeitsscheu, Werl Ile ohne regelmäßige Arbeit leichter ulld rascher größere Beträge verdienen können, wenn sie sich in den Dienst des SchmüMls stellen. Der Verwalter gestattete sich nun, nach dem Stand des Schloßgutes und Nach seinem Verwalter sich zu erkundigen. Der Baron erwiderte, der neue Verwalter habe alles in so vorzüglichem Zustande angetroffen, daß er schon recht nachlässig sein müsse, wenn er bereits in den ersten fünf Monaten seiner Verwaltung Anlaß zu Klagen gebe. Er brauche nur alles in der bisherigen Weise sortzuführen, und -das sei auch der Fall, ein endgiltiges Urtheil habe er noch nicht über ihn. Porikonski benutzte den Anlaß, zu bemerken, wie schwer ihm der Abschied von dem Schloßgut geworden sei, wenn er sich auch pekuniär jetzt nicht schlechter stelle. Aber das Schloßgut und süne Verwaltung sei ihm so an's Herz gewachsen gewesen, daß er immer gezittert habe vor der Möglichkeit, es könne ein Verwalter folgen, unter dem der bisherige Musterzustand,des Gutes leide.. Es habe ihn daher doppelt gefreut, in seinem jetzigen Wirkungskreis nur GNtes über Herrn Schick gehört zu Haben. Derselbe habe früher ein Gut in Galizien verwaltet und alljährlich zur Erntezeit aus den Dörfern, die zu den Besitzungen des Herrn Baron gehören, Arbeiter engagirt. Die älteren Arbeiter sind des Ruhines voll über Herrn Schick, was Porikonski eine große Beruhigung gewesen sei. Für einen so schlauen Fuchs hätte der Baron seinen früheren Schloßgutsverwalter doch nicht gehalten. Vom Fuchse berichtet man, daß er mit seinem Schweife die Fußspuren verwischt, die er im Schnee zurückläßt. So sollte der Weihrauchwedel die schwarze That verhüllen, die Porikonski auf dem Gewissen hatte. Aber die Schlauheit des Fuchses hatte dieses Mal ihren Meister gefunden.' Mit diesem Bewußtsein verabschiedete der Baron seinen Verwalter. , Pater Firmian kam erst Nachmittags zurück. Er hatte mit Hilfe des Popen alles, was er wissen wollte, erfahren. Nur über Maria Makofski wußte Niemand etwas; sie mußte eine Fremde sein. Ihre Spur war auch nirgends aufzufinden. Nach seinen Ermittlungen war schon mehrere Jahre der 'Geschäftsneid und der Religionshaß in der Stadt und Umgebung auf ein derartiges Komplott bedacht. Es scheiterte nur daran, daß sich Niemand fand, es auszuführen. Der Umstand, daß Porikonski seit Monaten von de'm Thatort entfernt lebt, verbunden mit dem Haß, der ihn für seinen Nachfolger erfüllt, bestimmten ihn, die leitende Rolle zu übernehmen. Das geschlachtete Kind war vorher schwer krank; ob es gestorben und dann der Halsschnitt vollzogen würde, oder ob es getödtet würde, konnte Pater Firmian noch nicht feststellen. Die Makofski scheint die Thäterin gewesen zu sein. In d'er jüdischen Gemeinde war alles in Furcht und Schrecken wegen der möglichen Folgen dieser Un- 1 that. Ihren Höhepunkt erreichte diese Aüfregung in der Familie des gefänglich eingezogenen Verwalters, da nur Joseph über den wahren Stand der Sache unterrichtet war und dieser durch Handschlag sich verpflichten müßte, nichts davon über die Lippen zu bringen. Die Verwalterin, die persönlich den Baron aufsuchen und ihn um Gnade für ihrenMann bitten wollte, würde nicht vorgelassen. Ebenso wies der Baron den Empfang einer Deputation der jüdischen Gemeinde rund ab. Die Judenfeinde jubelten über diese Beweise für die Gesinnungsgemeinschaft des obersten Gerichtsherrn. Täglich meldeten sich bei demselben neue Zeugen, welche Belastendes und Ungünstiges über Feiwel Schick aussagten. Der Gerichtsherr hatte Feiw'el wiederholt verhört, ihn mit den Zeugen konfrontirt. Er blieb bei seiner Leugnung, und die Zeugen verblieben bei ihren Aussagen.; - ° Inzwischen hatte Joseph festgestellt, daß die Makofski auf dem von Porikonski verwalteten Gute resp. in dem daran stoßenden Dorfe wohne. Der Verwalter hatte sie in der Nacht vor Ostern mitgenommen, damit sie hier die Unthat begehe, und ließ sie dann in derselben Nacht wieder zurückkehr'en, so daß Niemand etwas von ihrer Anwesenheit wüßte. / Auf diese Nachricht ließ der Baron den Verwalter und seine Helfershelferin in aller Stille festnehm'en und sie gefesselt nach dem Thatorte transportiren, ohne daß. der eine von des andern Verhaftung wüßte. - Jetzt Waren alle vorbereitenden Schritte geschehen, . um die öffentliche Verhandlung anzuberaumen. Dieselbe war auf den 8. Jjar festgesetzt. ,XXIV. Um der Gerichtsverhandlung die größtmöglichste Oeffentlichkeit zu sichern, hatte sie der oberste Gerichtsherr im Freien, auf einer großen Wiese anberaumen und vorher bekannt machen lassen, daß der Zutritt Je-. dermann gestattet sei. Die Judenfeinde aus Stadt und. Land waren in Hellen Haufen erschienen, da ihnen der Ausgang zu ihren Gunsten Nicht zweifelhaft war. Von. den Juden war aus Furcht vor Ausschreitungen der, großen Masse Niemand erschienen. Auf der Anklagebank saß Feiwel Schick; ihm gegenüber standen einige und dreißig Zeugen, die bereit , waren, alle möglichen und unmöglichen Schandthaten des Angeklagten zu beschwören. Dieser betheuerte seine Unschuld und wies darauf hin, daß ihn doch Niemand . für so dümM halten könne, falls er wirklich das Kind gemordet habe, die Leiche offen unter einem Baume siegen zu lassen. > .; Dieser Aussage trat ein betrunkener Holzfäller - entgegen, der deklarirte, er habe Feiwel in der Nacht mit Schaufel und Spaten am Fundorte gesehen, wie er sich