Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-04-22 · Heft 30-31 (22.4.1903) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 30-31 (22.4.1903)
Date
1903-04-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449919--58062-2522394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

handensem eines Tempels konffatirk, dessen Grundriß sogar Nach eigenartigen Erscheinungen der Feuchtigkeit . noch vor der Ausgrabung festgestellt werden konnte. , Die Probe auf diesen unerwarteten Triumph der Wissenschaft wird jetzt durch ArMrabungen gemacht, . und Prof. Delitzsch erklärte es für selbstverständlich, daß er vorläufig die fragliche Gegend nicht näher bezeichnen könne. Endlich gab der Vortragende, indem er von der Bedeutung der Ausgrabungen für die allgemeine Geschichte sprach, eine realistische Erklärung der Keilschrift, die er aus Abbildungen von Naturformen ableitet. Er schloß feine mit allgemeinem Beifall aufgcnomMenen Ausführungen, die bis zum Schluß keinerlei religionsphilofophischen Anspielungen enthielten, mit einem direkten Hinweis darauf, was dieses Land auch heute noch, nicht nur unserem Wissen, sondern auch Empfinden bedeuten komw. Nach Schluß des Vortrages wurde er vom Kaiserpaar empfangen, das sich kurz darauf entfernte. Komtz, 16. April. Heute Vormittag wurde, der „Ostdeutschen Tageszeitung" zufolge, an einem Abort der städtischen Volksschule eine Anzahl Menschenknochen, darunter ein SchÄnbem, aufgefunden. In der Stadt herrscht große Erregung, da man den Fund mit der Ermordung des Gymnasiasten Winter in Zusammenhang bringt. — 17. April. Zu dem Funde von Menschenknochen ist weiter zu berichten, daß nach dem. „Lok.-Anzeiger" am gestrigen Nachmittag die großen Knochen eines linken Armes und linken Unterschenkels, sowie die Knochen eines ganzen rechten Beines gefunden wurden. Der seit drei Jahren nicht gereinigte Abort, wo die Knochen gefunden wurden, liegt neben der Stelle, wo vor zwei Jahren Winters Ueberzieher gefunden wurde. — 17. April. Aus Könitz meldet das „Tageblatt": Kreisarzt Dr. König stellte fest, daß die jetzt gefundenen Gliedmaßen menschliche Knochen sind. Ferner wurde festgestellt, daß die jetzt entdeckten Knochen ' diejenigen sind, welche an der Leiche des Winter fehlten. In der Grube 'wurden gefunden: der Knochen des rechten Oberschenkels, zwei Knochen des rechten Unterschenkels, zwei Knochen des linken Unterschenkels, der linke Oberarmknochen und beide Unterarmknochen des linken Armes. An einem Armknochen hing eine gut gearbeitete Herrengamasche, welche entweder dem Winter gehört hat, oder von einem Thäter bei der Verbergung verloren wurde. Vom Skelett des unglücklichen Winter fehlen nur noch die Knochen zur Handwurzel und die Finger. Man nimmt an, daß diese dünnen und knorpligen Glieder wahrscheinlich von der pneumatischen Reimgungsmaschine zerquetscht sind. . Die Remigungsmaschine hat sich die Stckdt Komtz erst kürzlich angeschafft Und sie trat gestern .zum ersten Male in Thätigkeit. Die Abortgrube ist nach' dem Winter'schen Morde zweimal gereinigt worden. Kurze Zeit nach dem Mordtage wurde die Grube von Arbeitern der Veffernngsanstalt geräumt und ungefähr vor einem Jahre nahm die Entleerung ein Konitzer Fuhrhalter vor. In Komtz ist die Erregung wieder sehr groß und die weitere Untersuchung der mysteriösen Angelegenheit eifrig im Gange. Daß die gestrudenen Gliedmaßen die des Winter sind, ist außer allem Zweifel. In anderen Telegrammen ist von Stiefeln die Rede, die in der Grube gefunden und als diejenigen Winters erkannt wurden. — 18. April. Dem „Verl. Tageblatt" zufolge hat der Landrath des Kreises Komtz eine amtliche Bekanntmachung über den Fund von Leichentheilen in der Abortgrube der städtischen Schüle erlassen, in der es heißt: Die gefundenen Knochen entsprechen genau denjenigen Leichentheilen Winters, welche bisher noch fehlten. Es sind nunmehr sanrmtliche Leich'entheile gefunden, und es ist mit Sicherheit anzunehmey, daß die Leichentheile spätestens einige Tage nach der Mordthat in die Abortgrube geworfen worden sind. Ob die gefundenen Stiefel Winter gehörten, bedarf noch der Feststellung.' Straßburg i. E., 16. April. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die zionistische Bewegung ist glücklicherweise bereits soweit erstarkt, daß sie jeden Versuch einer leichten Anrempelung oder auch eines heftigen Angriffs -mit Nichtbeachtung strafen darf. Es geschieht daher nicht im Interesse des Zionismus, sondern im Interesse der Wahrheit, wenn ich die Entstellungen, die in dem Artikel „Die Zionisten unter sich" in Nr. 28/29 dieses Blattes enthalten sind, richtigzustellen Unternehme. Es ist zunächst eine durch nichts bewiesene, den thatsächlichen Verhältnissen kraß widerstreitende Behauptung, „daß das Interesse für den Zionismus von Tag zu Tag mehr und mehr zu erkalten im Begriffe.ist." Wer Augen hat, zu sehen, und Wahrheitsliebe genug besitzt, um dem Augenschein zu trauen, mag er rm klebrigen Anhänger des Zionismus oder heftiger Gegner desselben sein, wird zugeben müssen, daß gerade im deutschen Reiche und zwar in allen Theilen desselben, die zionistische Bewegung in einem fortwährenden Aufschwünge begriffen ist, den noch vor wenden Jahren selbst unsere optimistischsten Anhänger nicht erhofften. Wenn der Herr Einsender seine Behauptung in gutem' Glauben ausgestellt hat, dann lade ich ihn ein, zu uns nach Straßburg zu kommen, und er witd sich auf diesem vorgeschobenen Posten, den noch alle vor ganz kurzem für ein völlig unfruchtbares Feld gehalten hatten, überzeugen können, welche Werbekraft dem Zionismus nmewohnt. Iw Uebrigen hat der Herr Verfasser diese weite Reife nicht nöthig. Bei einer geringen Dosis von Wahrheitsliebe wird er auch in feinem Wohnorte Berlin, in dem die zionistische Und nationale Bewegung in krästtzem Strome vorwärts treibt, die Grundlosigkeit .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.