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Der Israelit · 1903-04-22 · Heft 30-31 (22.4.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 30-31 (22.4.1903)
Date
1903-04-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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den. Er ist vollauf qualifizirt, die Zöglinge sowohl praktisch, wie theoretisch für ihren zukünftigen Beruf auszubilden. Diese haben alles von Grund auf selbstthätig zu erlernen und werden zu allen Arbeiten, wie ste die verschiedenen Jahreszeiten erfordern, herantzezogen. Im Winter werden sie außerdem Unterricht von Lehrern der landwirthsch'astlichen Schule zu Samter erhalten. Schon jetzt, trotz der kurzen Zeit ihrer Anwesenheit, läßt sich bei den dortigen Zöglingen konstatiren, wie' ihnen Lust zu ihrem Berufe eingeflößt wird, wie sie Freude empfinden an all dem Herrlichen' und Schönen, das der landwirthschaftliche Beruf mit sich bringt, wie sie beginnendie Natur zu lieben, und zu horchen auf das, was sie uns leise, aber eindringlich predigt, — und wahrlich, wir Juden haben allen Anlafc; uns der Natur, der wir so lange gewaltsam ferngehalten wurden, zu nähern. — Hier in Neuhof wird das Samenkorn gepflanzt, aus dem der starke Stamm, der jüdische Bauernstand, ersprießen soll. \ Das für die Aufnahme von zehn Zöglingen eingerichtete Haus enthält 'luftige und helle Schlaf- und Speisezimmer, einen größeren Lehrsaal und für etwa vorkommende Fälle ein Krankenzimmer, sodann die Wirthschafisräume, wie Küche, Badezimmer u. s. w. Die Verpflegung ist streng rituell und steht unter der Oberaufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Feilchenfeld in Posen. Die gesammte innere Einrichtung des Hauses haben in anerkennenswerthester Weise ein Damenkomitee in Posen, bestehend aus Frau Medizinalrath Dr. Mankiewicz, Frau I. Rosenthal, Frau D. Geliert, Frau Heinrich Herz und Frau Licht übernommen. Die Damen, die alle auch an anderen Wohlfahrtseinrichtungen thätig sind und dort ihre Erfahrungen sammelten, haben diese für Neuhof in ausgiebigstem Maße verwerthet, und so mit verhältnismäßig kleinen Mitteln Schönes geleistet. Sie haben auch einen vollständigen Wirthschaftspkan für Verpflegung Wäsche u. s. w. ausgearbeitet, nach dem nunmehr gearbeitet wird, uNd unterziehen sich auch der Mühe, öfters den Betrieb zu kontroliren. Ihnen gebührt reicher Dank. So ist denn jetzt in der That Neuhof nach jeder Hinsicht zu einer praktischen Landwirthschaftsschule ausgestabtet. Hier sollen die Pioniere herangezogen werden, die berufen sind, Jahrhunderte alte Vorurtheile zu brechen, der deutschen Judenheit neue Wege zu weisen, ihr einen Beruf zu erschließen, der ihren Söhnen einen sicheren und geachteten Lebensunterhalt bieten wird. Gerade jetzt, wo zahlreiche junge Leute aus der Schule entlassen werden und vor der Wahl eines Berufes stehen, halten wir es für unsere Pflicht, die jüdischen Eltern auf dieses Unternehmen nachdrücklichst Hinzuwersen. . v Anmeldungen sind zu richten an Herrm Mühlenbesitzer I. Rosenthal in Posen, NorMUnnstr. 16. Berlin, 17. April. (Ein neuer Port rag Prof. Delitzsch's über Baby l onVtit.) Im Saale der Singakademie h'iÄt heute vor denMitgliedern der Deutschen Orientgesellschaft Prof, Delitzsch einen neuen Vortrag über Babylonien. Es war eine große Zuhörerschaar erschienen, in deren Mitte mau den Generalsuperintendenten Faber, den Minister Rheinbaben, den Generaldirektor Schöne und viele Offiziere bemerkte. Längere Zeit erwartete man auch das Gin-, treffen des Kaisers, der kurz vor 9 Uhr in Begleitung der Kaiserin und des Admirals.Hollmannseine Loge betrat. Die Kaiserin trug den Arm in der VindE^^ Nun begann Prof. Delitzsch und gab in etwa an--- derthalbstündigen Ausführungen ein Bild des heutigen Euphratkandes, das er im . Sommer des vorigen Jahres bereist hat. An der Hand der Projektionsbilder und stellenweise mit wirksamem. Humor schilderte er die kleinen Leiden und großen Ueberrasch'ungen, - die der Reisende im „Holland des Alterthums" findet. 'Es ist" heute verwüstet und verwahrlost, aber, die osmamsche . Regierung, so schaltete Prof. Delitzsch mit Nachdruck ein, trifft nicht der mindeste Vorwurf, da sie ein so.- trauriges Erbe bereits übernommen hat. Im Gegen-- theil, im Schütz des weitblickenden Sultans Abdul Ha-' mid werden nicht nur Kanäle, Reiskultur, Melonen- und Zwiebelbau halbwegs in Stand gehaltensondern auch die wilden Kurden- und AraberstäMMe in der Form irregulärer Reiterregimenter (der HaMidij-Regime'nter) im-Schach gehalten. In demselben ZüsamMenhang kam Prof. Delitzsch auch auf den deutschen Konsul Richards zu sprechen, dem er ein großes Verdienst an den deutschen Expeditionen zusprach'. Trotzdem' sind die Beschwernisse einer babylonischen Reise (theils in überschwemmtem, theils im Gebiet der Sandwüste) enorm, und es wirkt nicht ermuthigend, daß die Eingeborenen sich selber „Räüberschaaren" nennen. Auch die Heuschrecken und Fliegenschwärme wurden als Landplagen geschildert. Erst dann ging der Vortragende dazu über, in einem kleineren, zweiten Theil die Resultate der heutigen, von der deutschen Regierung und Wissenschaft betriebenen Ausgrabungen zu behandeln, zunächst nach topographischer Richtung, wobeiet: Im Gegensatz zu Herodot und dem von diesem irrgeführtlrn Oppert (dem bekannten Doyen der Assyriologen) die Größe des alten Babylon als die Größe etwa Münchens oder Dresdens bezeichnete. Die deutschen^ Ausgrabungen in dieser Stadt haben die Paläste Reb'uckadnezars zu Tage gefördert und gelten jetzt einer bestimmten Partie, in der man einen alten Proztzssionsw'eg Und eine dazugehörige große Thoeanlage neu äufdeckte. Roch interessanter sind die Resultate nach der archäologischen Richtung Prof. Delitzsch, zitirte dafür ein Beispiel,', das er üls eine archäologische That, die Uns kau'm eine andere Nation nachmacht, bezeichnete. Im Dezember vorigen Jahres wurde unter einem Erdhügel das Vor-

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