Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 88 (5.11.1903)
- Date
- 1903-11-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Alle Erscheinungen stellen sich im Leben als eine zusammenhängende Kette von Ursache und Wirkung da. und der denkende Mensch wird in Rücksicht hierauf die nächste Folge seiner Handlung beachten, eventuellen Schäden Vorbeugen und alles Unterlasten, besten Folge ihn reuen konnte. Auf dem Papier stellt sich diese Taktik als logisch richtig dar; das praktische Leben jedoch belehrt uns eines anderen. Das Leben zeigt, daß man ort nicht lange Federlesens machen, nicht immer Für- und Wider-Berechnung ansiellen darf. Große Thaten kommen zu Stande durch rasches Handeln. Das Ziel vor den; Auge, steuert man auf dasselbe los, ungeachtet aller Hindernisse, die dazwischen liegen. — Ter Seemann denkt nicht an die brandenden Wogen, die an seinem Schiff sich brechen, der Feldherr nicht an di! tausend Gefahren, die ihn umsausen. Was aber im praktischen, materiellen Leben gilt, warum soll es nicht auf dem Gebiete des geistigen Lebens zu Recht bestehen! Auch hier heißt es: nicht viel Für- und Wider-Berechnung. Auf das Ziel, ungeachtet der Barrikaden, die dagegen sich aufthürmeu! So hat Abraham seine Aufgabe Gott gegenüber aufgefaßt! „Du fragst, mein Söhn: hier ist Holz und Feuer — wo ist das Lamm zum Ganzopfer?" Wohlan! „Gott wird sich das Lamm ersehen!" Gott wünscht ein Opfer; wir erfüllen Seinen Wunsch; obgleich der Verstand erstarret, das Herz darüber stille steht! Und als man sich erleichterten Herzens von der Stätte wandte, auf der sicy ein welterregendes Geschichisereigniß zugetragen, da wiederholte Abraham diese seinem Sohne gegebene, den Akedoh-Geist und Zrveck enthaltene Antwort noch einmal und nannte diese Stätte ~ — Gott sieht und Gott wird sich ersehen, das ist die Devise des Juden. Sie stehen aus der Standarte geschrieben, die ihn durch die Zeiten führt. „Gott wird sich ersehen," das ist das Ziel, dem der Jude, aller Hinderniste ungeachtet, zuzusteuern hat. und wenn wir es erreichen, dann wird auch Gott auf uns schauen und „die Akedoh in Barmherzigkeit, uns gedenken." ccniv-'.b Zettungsnachrlchten und Corresponvenzen. Deutschland. Perlin. Ueber Aenderung von Familiennamen der Juden ist unterm 25. September d. I. eine Verfügung des preußischen Ministers des Innern ergangen, die im Ministerialblatt Nr. 10 vom 31. Oktober d. .j. veröffentlicht wird. Darin wird der Auslastung entgegcngetreten, daß zum Christenthum übertretende ^zuden im allgemeinen berechtigt seien, sich bei der Dause einen neuen Familiennamen beizulegen. Namensänderungen der Inden seien nicht anders als Namensänderungen der Christen zu behandeln. Dann heißt es weiter: Eine Ausnahme für den Fall des Uebertritts zum Christenthum ist den Juden in rechtlicher verbindlicher Weise niemals zugestanden worden. Insbesondere können sie aus der Kabinetsordre vom 13. Mai 1822 nicht den Anspruch herleiten, daß die von ihnen bei der Taufe angenommenen Warnen ohne Weiteres zu bestätigen seien. Tenn dem Minister des Inneren wurde durch diese Verordnung keine Verpflichtung aufcrlegt. sondern nur eine Ermächtigung gegeben, deren Ertheilung er selbst angeregt hatte, seitdem in Folge der Kabinetsordre dom 15. April 1822 (G.-S. S. 108) die Namensänderungen der Zuständigkeit de- Sraatsministeriums entzogen waren. Wenn im Uebrigen die Delegation nach den amtlichen Vorgängen aus der Erwägung beruhte, daß die Annahme neue: Familiennamen seitens der zum Christenthnm übertretenden Juden ganz gewöhnlich sei, so mochte dies in einer Zeit, wo die Familiennamen sich bei den Juven überhaupt noch nicht fest eingebürgert hatten, ein Grund sein, die Bestätigung des gewählten Namens in der Regel nicht zu versagen. Nachdem die Entwickelung aber zum Abschluß gelangt war, lag zu einer spezieller! Begünstigung dieser Art von Namensänderungen vor anderen Fällen keine Veranlassung mehr vor. Em. Hochwohlgeboren ersuche ich hiernach ergebenst, bei der Beurteilung der gemäß dem Erlaß vom 18. Mai 1900 hier vorzulegenden Anträge auf Aenderung jüdischer Famaliennamen in Zukunft gefälligst davon auszugehen. daß der Uebertritt zur christlichen Religion an stch als ein zur Namensänderung ausreichender Grund auch dann nicht angesehen werden kann, wenn der Antrag in unmittelbarem Zusammenhang mit der Taufe gestellt worden ist. .Hamburg. (Antisemitische Grundsatzlosigkeit.) Bei der Erörterung über die Parteipresse aus dem Parteitag der deutsch-sozialen Partei in Hamburg wurde, nach dem Bericht der „Deutsch-Sozialen Blätter", von Schack die antisemitische Preise wie folgt der Grundsatzlosigkeit geziehen: ..Die uns nahestehenden Tageszeitungen können sich nur halten, weil sie in der „Wahl der Anzeigen sich nicht von den Grundsätzen leiten lassen," an denen wir festhalten müssen." — Die Antisemiten scheinen eben auch von dein Gelde zu denken: nun ölet! Posen, 2. Nov. Der „Dzjeunk Posnanskr" meldet: In Warschau fand bei der Rekrutenaushebung auf dem Rathhause am Samstag ein blutiger Zusammenstoß zwischen etwa 500 Juden upd der Gendarmerie statt.. Auf beiden Seiten wurden gegen 40 verwundet, mehrere tödtlich. zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Der Sachverhalt ist, wie aus Warschau berichtet wird, folgender: Am 30. Oktober