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Der Israelit · 1903-11-05 · Heft 88 (5.11.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 88 (5.11.1903)
Date
1903-11-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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sammelten sich vor dem Rekrutenaushebungsgebäude eine Volksmenge. theils Wehrpflichtige, theils Neugierigedie Mehrzahl darunter waren Juden. Es tam zu einem Straßenkrawall.. Als die Polizei einschritt. leistete die Menge Widerstand. Vier Verhaftungen wurden vorgenommen, dagegen Niemand verwundet. Q e si e r r e i ch. Ncu-Landec. (Verurtheilung wegen Entführung einer Minderjährigen.) Aus dem Dorfe Rozmierowa wurde im Sommer dieses Jahres die 16jährige Gittel Schein durch einen Vauernburschen Namens Dudzik entführt und in das Frauenkloster nach Alt-Sandec gebracht. Auf Veranlassung des Rechtsschutzbureau der österrcichisch-isr. Union wurde die Strafanzeige gegen Dudzik an die k. k. Staatsanwaltschaft in Neu-Sandec erstattet und auch das Justizministerium von dem Vorfälle verständigt. Dudzik wurde verhaftet und am 21. September fand gegen ihn vor dem Kreisgerichte Neu-Sandec die Hauptverhandlung statt, bei welcher er wegen Entführung einer Minderjährigen zu einer vierzehntägigcn Arreststrafe verurtheilt wurde. Interessant in der Urteilsbegründung ist die Thatsache, daß das Gericht die Angabe des Angeklagten, sein Beichtvater habe es als ein gottgefälliges Werk bezeichnet, wenn er die jüdische Seele rette, als mildernden Umstand angenommen hat. Ungarn. Prcstbrrrg. (Diamantene Hochzeit.) Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feierte dieser Tage der hiesige Lederhändler Leopold Schlesinger. Der seltene Festtag wurde in überaus gelungener Weise gefeiert; das reich mit Blumen geschmückte Haus konnte die so zahlreich erschienenen Gäste kaum fassen. Gratulationsdeputationen sandten die orthodox-israelitische Kultusgemeinde, vertreten durch die Herren Gstettner, Herzfeld und Naß. Ersterer begrüßte Herrn Schlesinger als ältestes Ehrenmitglied, ferner die Vereine „Schmuck der Jugend", „Pemimi Derech", Frauenverein etc. Rabbiner Steinschneider hielt eine vorzügliche Ansprache und flehte Gottes Segen auf das Jubelpaar herab. Csorna, 13. Okt. Vor einigen Wochen wurde, wie bereits früher kurz bemerkt, hier die Mizwah von pnv in ihrer edelsten Bedeutung ausgeübt. gleichzeitig war die Ausführung ein Beweis von der Cerechtigkeitsliebe der Ungarischen Behörde. Ein Kind,- welches im Wiener Spital geboren, wurde dem Dorfe Beo Sarkany, wohin die Mutter zuständig ist, zugestellt. Die Ortsobrigkeit übergab cs einer christlichen Frau, welche die Erziehung des Kindes für das ihr von der Gemeindekasse ihr zugesicherte Honorar za besorgen hatte. Die Frau behandelte es mit einer solch mütterlichen Zärtlichkeit, daß das Kind auch an der Pflegemutter mit Leib und Seele hing. Diese sorgte nicht nur für die körperliche Entwicklung des-, selben, sondern weihte es auch in ihren Glauben soweit ein. daß das Kind seiner Abstammung ganz entfremdet wurde Dnsjn pa rceun pW3 Unser hochgeachteter Bez.-Rabbiner, Se. Ehrw. Herr Wolf Kohn, erfuhr davon, der, um duiV'v peo Vsr6 keine Mühe scheute und keine Zeit schonte mit der güten und edlen Unterstützung unseres hochgeehrten Oberstuhlrichters, wofür diesem für seine edle und tolerante Gesinnung die wärmste. Anerkennung gebührt, um das Kind hier am Orte in einem streng - jüdischen Hause unterzubringcn, wo es im Sinne und Geiste unseres Glaubens nun erzogen wird. Die edlen Gemeindemitglieder sind auch bestrebt, die nöthigen Kosten aufzubringen, die die Erziehung erfordert. Der Knabe hat in einigen Tagen solche schöne Fortschritte gemacht» daß er schon heute, nach achttägigem Aufenthalte in unserer Mitte, zu unserem Erstaunen eine rwa machen kann. Wir können sagen, daß unser Herr Bezirks- Rabbiner es ’D» nnn d’jsö hat gewesen. Ocdenburg. (Ein jüdisches Opfer der Tißa-Eßlarer Vlutbeschuldigung.) Am 13. Oktober verließ ein bereits in Vergessenheit gerathenes jüdisches Opfer das hiesige Zuchthaus. Sein Name ist Ignaz Fleischmann. Zur Zeit der Tißa-Eßlarer Krawalle war er Bäckermeister in einem Dorfe neben Lippa. Es ging ihm ganz gut und er führte ein glückliches Familienleben. Eines Morgens wurden seine Gattin und ein Mädchen im Geschäftslolale ermordet aufgefunden. Die durch die Vorgänge in Tißa-Eßlar aufgchetzte Bewohnerschaft des Dorfes bezeichnete Fleischmann selbst als den Mörder. Als belastender Kronzeuge figurirte ein Konkurrent Fleischmanns, welch' letzterer aber das ihm zur Last Gelegte unerschütterlich leugnete. Der Gerichtshof — und das ist charakteristisch für jene Zeit — hat Fleischmann trotz seines Leugnens, trotzdem seine Täterschaft bei allen Bemühungen der Gcrichtsherren nicht nachgewiesen werden konnte — zum Tode durch den Strang verurtheilt. Der Kaiser begnadigte Fleischmann und das Todesurtheil wurde in eine lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Zu verschiedenen Malen versuchte Fleischmann die Erneuerung seines Prozesses aus dem Gefängnisse dürchzusetzen, aber stets vergebens. . Erst sein am 27. September d. I. an den Kaiser gerichtetes Gnadengesuch hatte Erfolg. Am 15. Olt. konnte er nach zwanzigjähriger Zuchthausarbeit beanadigt. frei das Gefängniß verlassen. Fleischmann will auch jetzt noch alles aufbieten, um die Revision seines Prozesses dnrchzusetzen, da er sich unschuldig weiß und es beweisen will, daß seine antisemitischen Feinde den Mord verübt und ihm in die Schuhe geschoben haben.

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