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Der Israelit · 1903-11-05 · Heft 88 (5.11.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 88 (5.11.1903)
Date
1903-11-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Tsvid Luria, Rabbi Henoch und Rabbi Israel Weisels. Ter Palais des Stcktthalters war an einem kleinen, abgelegenen Ort jenseits des Flusses. Die Deputirtcn trasen bei ihrer Ankunft das Palais verschlossen, wie es allnächtlich der Fall ist. Sie pochten wiederholt an die Thüre. ohne daß Jemand horte'oder antwortete, da alles im festen, ersten Schlafe lag. Beim wiederholten Klopfen erwachte der diensthabende Hausmeister und fragte durch das Fenster, was dieses Pochen bedeute, da doch alles fest schlafe und man jetzt Niemanden wecken kann. Da gaben sie sich als Vorsteher der Prager Judengemeinde zu erkennen, die mit einer direkten, dringlichen Mission an den Statthalter gesandt seien und baten um Einlaß. Als man ihnen nun öffnete, baten sie, den Statthalter zu wecken und ihm zu sagen, daß die Vorsteher der Israeliten ihn in einer Sache, bei der es sich um Tod und Leben handelte, zu sprechen wünschen. Darauf hin ging er mit brennender Kerze in das Schlafgemach des Fürsten und weckte ihn mit dieser Mittheiluna. Sofort vorgelassen, warfen sie sich vor ihm zu Boden und sprachen: „Ew. Hoheit hat den kaiserlichen Gerichtsherrn beauftragt, unseren Rabbiner festnehmen und ihn unter starker Bedeckung gefesselt nach Wien führen zu lassen?! Diese Schmach ist nicht nur an und für sich unerträglich für uns, sondern sie ist es auch wegen der sich daran knüpfenden Folgen. Man .wird allgemein sagen, daß man den Angesehensten der gesammten Judenschaft festgenommen hat, weil sich die Juden gegen den Kaiser aufgelehnt haben, das wird in allen Orten, an welchen Juden im Reiche des Kaisers wohnen, Aufstände gegen die Juden zur Folge haben, die ganz gewiß Sr. Majestät dem Kaiser selbst nicht genehm sind. Teßhalb ist unsere ganz ergebene Bitte, unserem Rabbiner zu gestatten, daß er allein nach Wien reise und sich dort demjenigen stelle, den ßw. Kgl. Hobeit bezeichnet. Wir aber übernehmen die Bürgschaft, daß unser Rabbiner diesem Befehl ohne Verzug entsprechen wird." Der Fürst ließ sich darauf von dem Hausmeister das Kaiserliche Schreiben reichen und las ihnen den Befehl vor. „Nun." fuhr er fort, „geht ruhig nach Hause und kommt morgen zur.Entgegennahme meines endgiltigen Bescheides wieder zu mir. Ihr hastet also diese Nacht für Euren Rabbiner, daß er nicht entflieht. Auch dem Kaiserlichen Gerichtsherrn könnt Ihr in meinem Namen sagen, er möge für die Nackt sich nach Hause begeben und morgen mit Euch zu mir kommen." Äm anderen Tage ertheilte der Statthalter dem Kaiserlichen Gerichtsherrn den Auftrag, die Bürgschaft der Vorsteher und Aeltesten für ihren Rabbiner derart auszustellen, daß wenn der Rabbiner nicht innerhalb sechs Tagen sich in Wien vor dem Kanzler stellt, sie mit einer hohen Geldsumme bestraft und außerdem mit ihrer Person und ihrem ganzen Vermögen einstehen. „Gott gedenke es den Männern, was sie mir Gutes erwiesen haben! Am Dienstag, den 5. Tarnus. reiste ich ab." Mit diesen Worten schließt Rabbi Jom tob Lipman Heller die Einleitung zu diesem unerhörten Vorgänge, der damals die gesammte Judenheii in Aufregung versetzte, und die uns heute noch mit Schauder bei dem Gedanken erfüllt, mit welcher furchtbaren, dämonischen Macht doch das Böse auf Erden ausgesiattet' ist. (Fortsetzung folgt.) Drr .Israelit" erscheint wöchfutllch zweimal, 31 on tags und Donnerstag:«, jedesmal in - mindest»'«? zwei Dogen Preis pro Dielt ljabr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonn'nt oanzjähilick. halbjährlich oder vierteljährlich Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. Z?. S l ein ack er, Tripicky, Botzplah JS. — Inserate25 Pstnwg die vkergrspaktcne Noripareillejerle oder deren Narrnr. Preis der Zeile im Ncclarrretbeil 75 Pfennig. — Tirccte Francozuscndung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen östcrr.. sü»'s Ausland 16 Mark, an die Expedition franco cinsenden. Post,citringsliste 3932. Telephon 1015. Strllcsrrchcnde und sonstige Interessenten können aus Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende »Kleine Aufgabe deS JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausaabe" längere »Zeit, w kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 afconnircn Ans Wunsch stunden wir dir Zahlung deS JnfertionöbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Anhalt (Lauvtblatt)r is Ein .jüdischer" Bollskalender. — :*Mhmc£iu*djnAtni it. (Torrcf"«}nh<,iuc:i: "JWH^ranh; Berlin. Homburg. Oesterreich: Sarajevo. England: London. Nudland: vetersbnra. L.de,,a. — Mitthcilmrgcn and den jüdischen Lester- Ruhr. 3Äux Äcn SV - 3citW«nWiÄten^ Correspondenzen-. Deutschland-. Breslau. Osterode. Bon der . Oesterreich: Wien. Innsbruck. Rukiluiid: Petersburg. England: London. Belletristisch« Beiiag«: Ter jüdische Arzt. - Sabbatruhe' Verantwortliche Liedartion: OScar Lehmann in Mast ,. — Erveditton de» „38raeltt\ Schottstraße Nr. L Main«. Druck und Verlag der Ioh. W tctb'sch-n Hokbuchdr rckrrei Actien-PxseH ftc(! l„ gga?ni. Hierzu drei Beilage«.

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