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Der Israelit · 1903-11-05 · Heft 88 (5.11.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 88 (5.11.1903)
Date
1903-11-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1916 England. London, 2. Nov. Dieser Tage fand unter dem Vorsitz Lord Rothschilds die Preisvertheilung an hie Schüler der jüdischen Freischule in Belllane, Spitalsfield, statt. Die genannte jüdische Freischule ist die größte dieser Art in London. Sie hat über 3500 Schüler, von denen sehr viele Preise oder Stipendien davontrugen. Lord Rothschild machte darauf aufmerksam, daß mit Anfang des nächsten Mai die Schule in städtische Verwaltung übergehen werde. Die nöthigen Mittel zur Erhaltung der Schule, die bisher von der jüdischen Gemeinde aufgebracht wurden, werden von diesem Augenblick ab vom Londoner Grafschaftsrath beschafft. Nur der Unterricht in Religion und Hebräisch bleibt Sache der Juden selbst. London. In dem „Jew. Chron." wird mitgetheilt, daß Herr Daniel Tallermann auf der Insel Mersey in der Nähe von Conchester eine kleine jüdische Kolonie anzulegen gedenkt. Herr Tallermann will auf dieser Insel 100 Arbeiterhäuser errichten lassen, in denen jüdische Arbeiter, die mit Viehzucht und Viehschlachten vertraut sind, Unterkunft finden können. Gleichzeitig wird der genannte Herr einen Versuch machen, Vieh aus Irland in Essex zu mästen, um es dann in London auf den Markt zu bringen. Irland würde im Stande sein, den ganzen Schlachtviehbestand für England zu liefern.. obgleich sein augenblicklicher Viehexport sich nicht über zwei Millionen Stück jährlich erhebt. London lebt fast ausschließlich von ausländischem Fleisch. Rußland. Petersburg. 2. Nov. Die Gerichtsverhandlung gegen die Theilnehmer an den judenfeindlichen Unruhen in Kischinew findet am 19. November bis Neujahr in Tiraspol statt. Die Zahl der Angeklagten beträgt 37; von ihnen sind acht des Mordes angeklagt.' Das Zeugenverhör wird voraussichtlich viele Wochen dauern, da 500 Zeugen geladen sind. ' _ Odessa. (Neue Talmu.d-Thora-Schul e n.) In zwei Vororten von Odessa werden demnächst neue Talmud-Thora-Schulen eröffnet werden, zu deren Errichtung die Genehmigung der Regierung bereits erfolgt ist. Die zum Betrieb der neuen Unterrichtsanstalten erforderlichen Mittel werden aus dem Ertrag der jüdischen Fleischsteuer bewilligt. Mit der Errichtung dieser beiden Schulen wird einem dringenden Vedürfniß abgeholfen. Die alte und wegen ihrer tüchtigen Leistungen weitberühmte Odessaer Talmud- Thora-Schule hat im laufenden Jahr von 350 angemeldeten neuen Schülern nur 96 aufnehmen können Die neuen Vorstadtschulen werden hoffentlich zur Unterbringung aller Schüler ausreichen. und in ihren Leistungen den älteren Instituten nicht nachstehen. WlttheiluWu aus den iiiU. Arweumelneil Md für dieselben. (SLmmttiche jüd. Wanderbettelvereine tun» Ranen für Durchreisende find gebeten, uns MittheUnnge« über Erfahrungen, die fie auf dem Gebiete ihrer Thiitigreit machen, zukommen zu lassen.) Burgkundstadt, 2. Nov. Ein mit Jnvaliditatslarte sich ausweisender junger Mann Namens Karl S k a l l a aus Wien, der am 8. Juli 1882 geboren, meldete hier, daß er einige Zeit mit Pinkas D a m - m i s, 17 Jahre alt, aus Wien, reiste, dem er am 21. Oktober 3903 in Fürth sein Arbeitsbuch. Geburtsschein, diverse Schulzeugnisse und sonstige Papiere vorübergehend zur Aufbewahrung übergab, mit welchen Papieren sich derselbe am 21. Oktober 1903 von Skalla trennte. Sollte Dammis an Unterstützungskassen vorbezeichnete Papiere auf den Namen Karl Skalla aus Wien lautend, vorlegen, so wolle man ihm solche abnehmen. Dammis ist mittlerer Statur, bartlos, hat blondes Haar, und ist so kurzsichtig, daß er sich beim Schreiben mit dem Gesichte fast hart auf's Papier legt Der Caffier der isr. Unterstützungskasse in Burgkundstadt. Moriz Lonnerstaedter. Feuilleton. Rabbi Sollt tob Hum Heller. INI Von Heinrich Leberurarru. XII. Einige Tage vor dem Wochenfeste des Jahres 5389 (Mai 1629) wurde in Prag der im vorigen Kapitel erwähnte Kaiserliche Erlaß vublizirt, der den Aeltesten und dem Rabbiner für die Zukunft strengstens untersagte, die Armen bei den Steuerauflagen zu Gunsten der Reichen zu bedrücken. Dieser Erlaß schmerzte den Oberrabbiner unsäglich. Diese Zurücksetzung der Armen und die Mißachtung ihrer Ansprüche war das, was ihn mit der Steuer-Kommission und mit dem angesehensten Theil der Gemeinde entzweit hatte, und jetzt wirft ihn der Kaiserliche Erlaß mit den Aeltesten in eine und dieselbe Kategorie! Noch mehr aber empörte diese kaiserliche Kundgebung die Aeltesten. Nicht nur» weil sie dieselbe in Wirklichkeit verdient hatten, sondern weil sich bald das Gerücht herumgesprochen und Glauben gefunden hatte, der Oberrab-

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