Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 88 (5.11.1903)
- Date
- 1903-11-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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«ygHLjw.Ktaiamiam-1 1913 das /am x'v /W*«^ v<tcb> ,*flx uo* ,B*rw -nycrt u. s. w. sprechen zu lassen. Wenn Herr Dr. Zlocisti diese rr.V'sn und rm: nicht auä eigener Erfahrung kennt — so nehmen wir zu seiner Entschuldigung an— so soll er doch das Judenthum nicht dafür verantwortlich machen. Seine Glanzleistung erreicht entschieden der Kalender in dem Aufsatze Dr. Zlocisti's über die zionistische Gesinnung — Grätzens. — Wir wollen nicht zu den sieben Städten gehören, die da um die Ehre streiten,. Grätzen zu den Ihrigen zählen zu dürfen. Mit vielem Vergnügen überlassen wir ihn den Herren Zionisten. Mit noch größerem Vergnügen konstatiren wir aber die Thatsache, daß in genanntem Artikel klipp und klar ausgesprochen wird, daß die national-zionistische Idee keinen entschiedeneren Gegner hat, als S. R. Hirsch s. Ä., „dem jeder Sinn, jedes Organ für geschichtliche Vorgänge fehlte." Man hat in orthodoxen Kreisen oft darüber gestritten, wie sich R. Hirsch s. A. zum Zionismus stellen würde, hier die Antwort des Herrn Dr. Zlocisti: „S. N. Hirsch schob das ganze Judenthum — eine dreitausendjährige Entwicklung! — auf den geduldigen Sinai, Volksthüm und Volkstriebkräfte waren ihm nicht s." (S. 110.) Gar weidlich und mit fürchterlicher Ironie schimpft dann der verehrte Herr Doktor auf die „Nachbeter" Hirsch's. Zu unserem Bedauern gehören wir auch dazu, und alle, die dazu gehören, die ..Neuorthodoxen", wie mit sichtlichem Behagen Herr Dr. Zlocisti uns zu nennen beliebt, und die Altorthodoxen werden durch diesen Kalender erkennen, wie weit es mit der Behandlung der Religion als Privatsache geht. An dem Bilde des Kalenders würde etwas fehlen, wcnn er nicht die abgeschmackte, bis zum Ueberdruß wiedergekaute Schimpferei des Herrn Löwe ans die Chaluka und das herkömmliche Raisonnement auf den „Israelit" enthielte. In vollstem, krassestem Gegensatz stehen sich die „Nationaljuden" und die „Neuorihodoxen" gegenüber, und es gibt keine größere Lüge, als die Behauptung, es könne dieser Gegensatz als untergeordneter Differenzpunkt ignorirt werden, und beide ständen noch auf einem gemeinsamen Boden. Hier gibt's weder Ausgleich, noch Vermittlung, der Gegensatz ist ein prinzipieller zwischen Lüge und Wahrheit gilt kein Kompromiß. Wer einen solchen eingeht, gibt die Wahrheit Preis. Das wissen auch die Zionisten sehr wohl und wagen deßhalb auch nicht, einen solchen änzubieten, sondern haben in ihrer Bedrängniß ein Anderes erklügelt und das ist: Ausschluß der religiösen Differenz- Punkte. Mit dieser Phrase glaubten sie die Bekenner und Vertreter des einzigen Judenthums zu blenden. Wenn nun dieser „Jüdische Volkskalender" die Sehenden vor der Blendung bewahrt, und. die schon Verblendeten wieder sehend macht, verzeihen wir ihm gerne auch den Wust von Apikorsus und Blödsinn, den zu registriren wir nicht der. Mühe werth hielten. Wie sprach doch der Weiseste der Menschen?: „Auch die Frevler und die Thoren stehen in Seinem /. Dienst." X. . Zeitungsnachrichten und Correspondcuzen. Deutschland. Berlin, 25. Okt. (Antiseinitisches.) In der soeben erschienenen „Patria", Jahrbuch der Hilfe! für 1904, gibt der Abgeordnete v. Gerlach in Form : I eines Briefes an einen ungarischen Freund einen kurzen Abriß der antisemitischen Bewegung in Deutschland. Seiner Ansicht nach ist der Antisemitismus todt: „Die absolute parlamentarische Unfruchtbarkeit hat dem Antisemitismus den Lebensnerv durchschnitten. Bei einem ernsthaften Volk, wie es nun einmal die Deutschen sind — verzeih', vieledler Mav gyar, aber Dein Großvater war doch auch ein ernsthafter Mann, nicht wahr? — verlangt man nun einmal von Leuten, die an der^ entscheidenden Stelle sitzen, auch Leistungen, oder wenigstens den Versuch dazu. Als inan an Stelle dieser Leistungen immer und immer wieder nur Geschwätz horte, da wandte man' sich von den Leuten ab, die den überzeugenden Beweis ihrer; Ueberflüjsigkeit erbracht hatten. Die Zahl der antisemitischen Vertreter sank auf 12, 1903 auf 9. Die Hochburgen der Partei in Hessen und Sachsen sind diesmal verloren gegangen. Wo man diese Leute seit längerer Zeit feunt, hat man eben genug von ihnen. Wer wieder gewählt wurde, war Liebermann von Sonnenberg; der hat das weniger seinem Antisemitismus. als seinem Bündlerthum zu verdanken. Ein paar neue Bezirke wurden allerdings erobert, einige der rückständigen Kreise Ostelbiens. Hier konnte der Antisemit den Konservativen ablösen, weil er dieser von keiner politischen Aufklärung berührten Bevölkerung als der Befreier von dem Junkerjoch erschien. Daß diese Siege längeren Bestand haben sollten, als einst die in Hessen und Sachsen, werden selbst Antisemiten, wenn sie noch eine Spur nüchternen Denkens sich bewahrt haben, nicht behaupten. Mit dem Antisemitismus als politischem Faktor ist es. bei uns wirklich aus. Wenn er parteimäßig noch nicht ganz'von der Bildfläche verschwindet, so liegt das daran, daß er - ' einmal aus dem gesellschaftlichen Antisemitismus noch immer eine gewisse Kraft' saugt, und dann, daß ersich mit einer Reihe anderer rückständiger Bestrebungen verquickt hat, die mit der Bekämpfung des Judenthums' keinen inneren Zusammenhang haben. So vegetirt er - denn noch. Mehr aber auch nicht. Jede Merbekraft i in den zukunftsreichen und intelligenten Schichten des Volkes fehlt ihm. Und wir, die wir Ihn am gründlichsten kennen, sind am meisten gegen ihn immun;"